Eloriesen im Schneckenhaus

In Baden-Baden sind sie sauer, weil der Rückzug des SV Lingen aus der Schachbundesliga den Wettbewerb zu ihren Ungunsten verzerrt. Die Angesäuertheit finde ich verständlich und nehme erfreut zur Kenntnis, dass sie wirklich Meister werden wollen und sich ärgern würden, wenn das nicht klappt. Eine authentische Truppe, keine aus der Retorte, gut so.

Wäre schön, wenn die Schachgemeinde öfter mal von der ersten Mannschaft der OSG Baden-Baden hören würde. Der deutsche Serienmeister hat ein wahrscheinlich sechsstelliges Jahresbudget, aber kriegt es nicht gebacken, mit ein wenig Storytelling rund um die Superstarriege Aufmerksamkeit zu erzeugen und für unser Spiel zu trommeln. Stattdessen ziehen sie sich Spieltag für Spieltag die Scheuklappen auf, sitzen in ihrem Schneckenhaus, und das Schach hat nichts davon.

Der freundliche Motor des Schachs?

Aus der OSG Baden-Baden ließe sich so viel machen, aber sie machen – nichts. Das ist der eine Skandal, der andere: Niemand beschwert sich darüber. Nicht einmal derjenige, der dort ohne Ende Geld versenkt. Wie kann man sich eine derart exponierte Position erkaufen und dann so gar nichts damit anstellen, außer alle paar Wochen ein paar Eloriesen ein- und auszufliegen?

Ob eine exponierte Position Verpflichtungen mit sich bringt? Darüber kann man streiten. Aber dass ein funktionierender Ligabetrieb im Sinne dieser Mannschaft und des Vereins wäre, steht angesichts der unten verlinkten Mitteilung außer Frage. Was spräche also dagegen, die Sache konstruktiv anzugehen und Hilfe zumindest anzubieten? Dem Image täte das besser als eine Mitteilung wie diese.

Wenn sie sich wenigstens als freundlicher Motor des (Bundesliga-)Schachs inszenieren würden. Mitteilungen wie die unten könnten auch konstruktiv-versöhnlich herüberkommen. „Natürlich sind die Macher anderer Vereine jederzeit eingeladen, im Sinne eines funktionierenden Ligabetriebs bei uns zu hospitieren“, könnte da stehen. Stattdessen steht da: „Die Verantwortlichen werden … aufzuarbeiten haben.“

Sympathisch geht anders.

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