OSG-Chef Patrick Bittner fordert Lizenzierungsverfahren für die Bundesliga

Vorgestern haben wir hier den mäkeligen, wenig konstruktiven Ton des Spieltagsberichts auf der Homepage der OSG Baden-Baden misbilligt. Zum Glück liest deren Seite kaum jemand.

Weil sie nicht als Herzstück einer Content-Marketing-Strategie rund um den deutschen Serienmeister geführt wird, sondern wie eine beliebige Homepage eines Schachvereins vom Dorf, werden die Mitteilungen darauf allenfalls zufällig entdeckt. Wenn wir uns vor Augen führen, was sich aus der ersten Mannschaft dieses Vereins machen ließe, ist dieser Zustand ebenso schade wie schwer verständlich. Aber in diesem Fall war es vielleicht ganz gut so.

Was sich daraus alles machen ließe: High-End-Videos rund um die Baden-Badener Superstars gibt es reihenweise. Leider nur auf einem isolierten Kanal, nicht als Bestandteil einer zielführenden Marketingstrategie. | Foto: Grenke Chess Youtube-Kanal

Die Badischen Neuesten Nachrichten werden gelesen. Und dort, ein Glück, liest sich die Botschaft aus der OSG-Zentrale konstruktiver. Natürlich macht auch OSG-Chef Patrick Bittner seinem Ärger über den Rückzug des SV Lingen Luft, aber dann setzt er seine OSG-Brille ab und die Bundesliga-Brille auf: „Eine Katastrophe“, sagt er – und meint damit eben nicht nur die Wettbewerbsverzerrung, die sich aus dem Rückzug ergeben hat, sondern auch den Schaden für die Gemeinschaft, deren exponiertestem Glied er vorsteht. Für die Bundesliga sei der Rückzug „ganz schlecht“, sagt Bittner.

Lizenzierung, logisch. Andere machen das auch so.

Danach argumentiert er sogleich perspektivisch. Vor der Saison müsse ein Lizenzierungsverfahren eingeführt werden, damit sich so etwas nicht wiederholt. Dafür sei es „höchste Eisenbahn“, nachdem nun zwei Mal in Folge während der Saison ein Verein vom Drahtseil gefallen ist.

Die Bundesliga steht jetzt vor der schwierigen Aufgabe sicherzustellen, dass nicht wieder einem Verein während der Saison die Luft ausgeht. Dass niemand gleich zu Beginn sein Budget plündert, reihenweise Superstars einfliegt – und dann feststellt, dass die Kasse leer ist.

Eine Lizenzierung wäre der logische Ansatz. Andere Sportarten machen es ja auch so.

„Höchste Eisenbahn für ein Lizenzierungsverfahren.“ | Foto: Grenke Chess Youtube-Kanal

Ob beim Schach ein Lizenzierungsverfahren logistisch zu stemmen wäre? Die Schachbundesliga ist kein Apparat, der in irgendeinem Bürogebäude Wirtschaftsprüfer und Juristen im Dutzend beschäftigt. Vielleicht lässt sich ja ein „Lizenzierungsverfahren light“ erarbeiten, bei dem im Sinne einer funktionierenden Gemeinschaft die etablierten, ressourcenstarken Vereine die Federführung übernehmen?

Wie immer die Causa Lingen weitergehen mag, Bittners Anregung repräsentiert den richtigen Weg, damit umzugehen. Zielführend und konstruktiv, viel bessere Kommunikation, als mit dem Finger auf Leute zu zeigen und zu sagen: „Ihr habt jetzt aber ganz schön was aufzuarbeiten.“

Auf der Homepage der OSG Baden-Baden ist die Anregung ihres Vorsitzenden noch nicht aufgetaucht.

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