Tony Miles und das irische Bauernzentrum

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Eamon Keogh. (Foto: Irish Chess Union)

Die Karriere des irischen Schachmeisters Eamon Keogh begann wenig vielversprechend. In seinem ersten Mannschaftskampf für den Dubliner Verein „Synge Street“ ging es gleich gegen deren Erzrivalen „O’Connels“. Der kleine Eamon verlor seine Partie in nur 15 Minuten, ein Bedenkzeitverbrauch, der nach Ansicht des Mannschaftsführers die Wichtigkeit des Anlasses verhöhnte. Für den nächsten Wettkampf wurde Keogh nicht aufgestellt.

Er kam trotzdem – als Zuschauer. Die Partien seiner Kollegen verfolgend, bediente sich Keogh ausgiebig am bereitgestellten Tee und den dazugehörigen Biskuits. Allerdings waren Getränke und Kekse nur in begrenzter Menge vorhanden und deswegen ausschließlich den Spielern vorbehalten. Nachdem er das Buffet abgeräumt hatte, musste Eamon Keogh den Verein wechseln. Bei „Synge Street“ hatten sie genug von ihm.

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Wegen Rückenbeschwerden spielte Tony Miles das Turnier 1985 in Tilburg im Liegen – und gewann. Darüber, über das irische Bauernzentrum und viele andere seiner Schacherlebnisse hat er später ausführlich und humorvoll geschrieben.
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Die besten seiner Essays erschienen nach Miles viel zu frühem Tod 2001 unter dem Titel „It’s only me.“

Er wurde trotzdem einer der besten Spieler Irlands, sogar der erste Ire, der einen Großmeister besiegte: 1964 bei der Schacholympiade triumphierte Keogh über den Schweden Gideon Stahlberg. Seinen Elo schraubte Keogh in den 1980ern bis auf 2.250, das ist allemal meisterlich, wenngleich im internationalen Vergleich wenig auffällig.

In die Schachgeschichte ist Eamon Keogh eingegangen, weil ihm der britische Großmeister Tony Miles augenzwinkernd ein Denkmal gesetzt hat. Miles bereicherte den Kanon der Schachbegrifflichkeiten Ende der 1970er um das „irische Bauernzentrum“, inspiriert von Keogh.

Später scherzte Miles, dass in akademischen und kirchlichen Kreisen ein Streit ausgebrochen sei, ob die irische Bauernformation womöglich den in Irland fest verankerten katholischen Glauben spiegele. Wie die heilige Dreifaltigkeit eines Säule des Glaubens darstelle, repräsentiere das „irische Bauernzentrum“ eine Säule auf dem Schachbrett.

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Keogh-Sanz Alonso

Während der elften Runde des Zonenturniers 1978 in Amsterdam saßen Tony Miles und Eamon Keogh nebeneinander. Miles verfolgte mit Interesse die Partie des Iren gegen Francisco Javier Sanz Alonso. Schon nach zehn Zügen hatte sich der Schachmeister aus Irland einen Trippelbauern auf der c-Linie eingehandelt – stand zwischenzeitlich glatt auf Verlust – und rettete sich letztlich doch noch ins Dauerschach. Als Miles das gesehen hatte, kam ihm die Idee, den Trippelbauern in „irisches Bauernzentrum“ umzutaufen.

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Miles-Keogh

In der zwölften Runde saßen sich unsere beiden Protagonisten gegenüber. Tony Miles, seinerzeit auf dem Weg in Weltklasse, gewann wenig überraschend. Aber er gewann auf eine besondere Weise, indem er es schaffte, sich mit seinem letzten Zug gegen den irischen Schachmeister ein irisches Bauernzentrum zu bauen. Im Angesicht der dreifaltigen Bauernsäule auf der e-Linie gab sich Keogh geschlagen. Die Partie ist nicht in die Annalen eingegangen, aber der Begriff „irisches Bauernzentrum“ bleibt.

Eine solche Konstruktion ist nicht irischen und angelsächsischen Jüngern Caissas vorbehalten. Wer’s nicht glaubt, hätte sich unlängst in Konstanz am Bodensee davon überzeugen können.

Jörn Kay Penzel – Lothar Knebel, Konstanz, Oktober 2018

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Acht Züge sind gespielt, und der Weiße hat sich schon ein irisches Bauernzentrum gebaut. Ob das gut oder schlecht ist, beschäftigte Lothar nach  8.exd5 weniger, denn er muss jetzt erst einmal die Frage klären, wie Schwarz auf d5 zurückschlagen sollte.

Frage 103

8…exd5, 8…Dxd5 und 8…Sxd5 sind möglich.

Sortiere diese drei nach Qualität. Welcher Zug ist am besten, welcher nicht so gut und welcher eher schlecht? Warum?

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Ein Kommentar zu „Tony Miles und das irische Bauernzentrum

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