“Will mit denen im Leben nichts mehr zu tun haben”: Elisabeth Pähtz legt nach

Ich hoffe, dass die größten Konflike jetzt der Vergangenheit angehören”, hat Leistungssportreferent Gerald Hertneck vor wenigen Tagen im Interview mit dieser Seite erklärt. Diese Hoffnung hat jetzt einen Dämpfer erhalten.

In der neuesten Ausgabe der “Schach” berichtet Elisabeth Pähtz, wie sehr es sie nervlich belastet, Kaderspielern zu begegnen, die ihre Meinung nicht teilen. Zweien von denen würde sie am liebsten gar nicht mehr begegnen: Mit Sarah Papp und Georg Meier “will ich in meinem Leben nichts mehr zu tun haben”, erklärt die deutsche Schachbotschafterin.

Speziell der zweijährige Konflikt um den im November entlassenen Bundestrainer Dorian Rogozenco belastet Elisabeth Pähtz immer noch. Die Entlassung war die Folge einer Entwicklung, in deren Verlauf erst der Leistungssportreferent zurückgetreten war, dann der Kapitän der Frauen-Nationalmannschaft zurückgetreten war, dann 12 von 19 B-Kader-Spielern dem DSB angedroht hatten, öffentlich ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft zu erklären, so lange Rogozenco im Amt ist. Diese Drohung machten sie wahr, als das DSB-Führungsduo nicht einmal darauf reagierte – und dem deutschen Schach Ende 2020 die schlechteste Presse seiner Geschichte bescherte.

“Stress möchte ich keinen mehr”: Elisabeth Pähtz beim Grand Prix. | Foto: David Llada/FIDE

Wahrscheinlich meint Pähtz diese mediale Superklatsche, wenn sie jetzt in der “Schach” beklagt, Rogozenco sei nicht nur entlassen, sondern obendrein “öffentlich gegeißelt” worden. Den Grund für diese Berichterstattung sieht Pähtz nicht im laienhaften Konflikt- und Medienmanagement des DSB-Führungsduos, sondern darin, dass ihre Kaderkolleg:innen Georg Meier und Sarah Papp die Öffentlichkeit suchten. Aber an die Öffentlichkeit gingen Papp und Meier erst, nachdem intern die letzten beiden Leute hingeschmissen hatten, die den beiden ansprechbar erschienen, und danach selbst die Drohung eines Spieleraufstands ignoriert worden war.

Auch Pähtz kannte den unzugänglichen Möchtegern-Feldwebel Rogozenco, sie hat zusammengestauchte Nachwuchsspielerinnen weinen sehen und das für nicht gut befunden. Aber Pähtz war und ist in erster Linie dem leistungsorientierten Schachtrainer Rogozenco verbunden. Dem verdanke sie den Sprung über 2500 Elo und den Vorstoß in die Top Ten, hat sie mehrfach gesagt.

Eine Solidaritätsadresse hatte Rogozenco nachträglich auch von Liviu Dieter Nisipeanu erfahren. Nun holt Pähtz die langjährige deutsche Nummer eins mit ins Boot. Auch Nisipeanu will ihrer Einschätzung nach nichts mehr mit Meier und Papp zu tun haben. Das sei “mindestens einer der Gründe”, warum er unlängst bei der Kader-Challenge gefehlt hat.

Der Pähtzsche Furor begegnet dem “Schach”-Leser in Abstufungen. Zu den Leuten, die Pähtz zwar in diesem Leben noch sehen kann, aber mit denen sie ein Problem hat, dürfen sich die explizit aufgeführten Schachfreunde Dmitrij Kollars, Vincent Keymer und die zweifach genannte Melanie Lubbe zählen. Letztere hat sich in der Pähtzschen Wahrnehmung nicht nur als Unterzeichnerin des offenen Briefes des Fremdgesteuertseins verdächtig gemacht, auch als Mitglied der Kommission, die den neuen Frauentrainer bestimmt. Dazu kommen wahrscheinlich die Schachfreunde Matthias Blübaum und Rasmus Svane, die nach Pähtz’ Lichess-Affäre das Zusammenspiel mit Pähtz bei der Online-Olympiade verweigert hatten und seitdem nichts Versöhnliches ausgesandt haben.

Liviu-Dieter Nisipeanu (links) und Dorian Rogozenco. | Foto: Deutscher Schachbund

Im Sinne der Frauen-Nationalmannschaft stimmt hoffnungsfroh, dass sich unter den von Pähtz in der “Schach” öffentlich Angezählten keine derjenigen befindet, die demnächst wahrscheinlich das Gerüst der Nationalmannschaft unterhalb von Brett eins bilden werden. Auch wenn sie keine Namen nennt, gänzlich entspannt blickt Pähtz der Nominierung für die Europameisterschaft trotzdem nicht entgegen: “Emotionalen Stress möchte ich keinen mehr haben, und ich weiß, dass das bezüglich zwei, drei Spielerinnen, die aufgestellt werden könnten, schwierig wird.”

Ob die Findungskommission einen Frauentrainer findet, der dieses Kriterium bei der Aufstellung der bestmöglichen Mannschaft berücksichtigt?

Fenners Doppelrolle

Acht Monate ist es nun her, dass nach der Rogozenco-Entlassung auf der DSB-Seite das Wort “Neuanfang” stand, wahrscheinlich ist allen Beteiligten tatsächlich an einem solchen gelegen. Sieben Monate lang hat das ganz gut geklappt. Sogar der DSB-Kongress hat einen Superjob gemacht, indem er die im dritten Absatz dieses Beitrags verlinkten Unsäglichkeiten als solche behandelt hat – es wurde nicht darüber gesprochen.

Die Sonderprüfung Leistungssport offenbarte jüngst zwar einen potenziellen Konflikt, der nach Andreas Jagodzinsky nun Gerald Hertneck droht. Aber dieser Konflikt muss gar nicht erst von Neuem aufkommen, wenn Leute miteinander reden: “Das Problem ist im vorliegenden Fall die Doppelrolle von Dr. Marcus Fenner. Zum einen ist er als Sportdirektor dem Leistungssportreferenten untergeordnet, zum anderen ist der Leistungssportreferent auf seine Mitwirkung als Geschäftsführer angewiesen”, steht darin. Eine solche Gemengelage erscheint, konstruktives, vertrauensvolles Miteinander vorausgesetzt, beherrschbar.

Als sich sogar der RTL-Videotext fürs deutsche Schach interessierte.

Und so ist es einzig Elisabeth Pähtz, die nun erst in Schachdeutschland TV den offenen Brief zur Sprache bringt und nun via “Schach” die Sache wieder hochkocht. In der “Schach” lässt sie sich mit damit zitieren: “Sarah gab ein Interview, in dem sie behauptete dass Dorian Dieter auf andere deutsche Spieler vorbereitet habe.”

Hätte sich Pähtz das Interview angehört, wüsste sie, dass das nicht stimmt. Wahr ist, dass Papps Aussagen im Interview in der schriftlichen Zusammenfassung missverständlich wiedergegeben sind. Das mag ein Grund sein, mit der Deutschlandfunk-Redakteurin ein Leben lang nichts mehr zu tun haben zu wollen. Papp hätte sich geschmeidiger äußern können, ansonsten ist sie unschuldig. Sie hat im Interview die zeitliche Nähe des Nisipeanu-Sondertrainigs zum Masters beklagt und Beispiele für Dinge genannt, die sich nicht gehören.

Georg Meier hat sich bei seinem Auftritt am Montagabend in Schachdeutschland TV zumindest nicht hinreißen lassen, die ganze Sache noch einmal aufzurollen oder gleichermaßen zurückzukeilen. “Aber wenn mich jemand als schlechter Mensch darstellt, muss ich das zumindest richtigstellen.”

Meier erklärte noch einmal die Kausalität, die dazu führte, dass die Leistungssportaffäre die mit weitem Abstand öffentlichste Schachsache des vergangenen Jahres wurde: Den Spieler:innen sei daran gelegen gewesen, dem Bundestrainer und dem Präsidium alle Möglichkeiten zu geben, die Sache intern zu klären. Erst nach dem Ausbleiben jeglicher Reaktion hätten die Aktiven den offenen Brief abgeschickt. Was zur Folge hatte, dass diverse Medien mehr darüber wissen wollten.

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Chris
Chris
3 Monate zuvor

Eigentlich Schade, dass dies das bestimmende Thema in deutschen Schach ist und das während des Corona Booms. Ich glaube mit positiver Presse, hätte sich schach für die Zukunft deutlich besser in Deutschland aufstellen können.

Marc
Marc
3 Monate zuvor

Einigen Spieler:innen fehlt vielleicht der Teamgeist. Über den DSB möchte ich jetzt eh nichts positives berichten.

Setzen wir auf die nächste Generation. Ich wünsche G.Hertneck dazu viel Glück – bitte nicht zu lange mit den Streithanseln abgeben.

Last edited 3 Monate zuvor by Marc
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[…] Deutschland besetzt, natürlich, Elisabeth Pähtz. Das zweite besetzt Sarah Papp. Und über die hat Pähtz unlängst gesagt, sie wolle mit ihr „im Leben nichts mehr zu tun haben“. Nun sollen diese beiden am ersten und […]

Walter Rädler
Walter Rädler
3 Monate zuvor

Es wäre gut für alle, wenn man hier Ruhe reinbringt. Allein, wie der gordische Knoten zerschlagen wird, übersteigt selbst meine Lösungskompetenz.

Der Wahrheit ins Auge sehen
Der Wahrheit ins Auge sehen
3 Monate zuvor
Reply to  Walter Rädler

Das geht doch schon seit über 10 Jahren so… der konstruktive Ansatz ist doch offensichtlich: 1. Konsequenzen ziehen = aus dem Kader entfernen. 2. Bei der Suche nach professioneller Hilfe unterstützen um hoffentlich eine erfolgreiche Therapie zu beginnen. 3. Nach erfolgreicher Therapie wieder eingliedern.
Ansonsten zieht die Abrissbirne eben weiter ihre Kreise und fügt auch sich selbst immer mehr Schaden zu.

Thorsten Cmiel
Thorsten Cmiel
3 Monate zuvor

Ich verstehe was Du meinst, aber das ist etwas anmaßend und nicht die Aufgabe eines Verbandes. Ich würde ein Konzept aufstellen in dem ich konsequent auf Jugend setze. Maximales Förderalter außer bei Turnieren 23 Jahre. Kader-Maximalalter 35.

schwarze Dame
schwarze Dame
3 Monate zuvor

Was wollen Sie hier dem geneigten Leser einreden? Beim DSB und der inzwischen angeblich ausgegründeten DSJ herrscht —man höre und staune— trotz klarer Rangordnung eigener interner Regelwerke, das gezielt herbeigeführte Chaos, infolge permanenter Kompetenzüberschreitungen anscheinend aufgrund wiederholter Einstellung per se ungeeigneten Personals. Woran liegt das wirklich? Besonders auffällig finde ich die zahlreichen Verharmlosungsversuche und Vertuschungsversuche von Vorgängen und Sachverhalten, die generell zu beanstanden sind oder gewiss nicht als “in Ordnung” anzusehen sind, denn charakterliche Mängel oder zumindest fehlende Persönlichkeitsmerkmale, die z.B. ein Bundestrainer haben sollte, damit muss man sich zwangsläufig vor Stellenvergabe befassen und nicht hernach herumlamentieren über etwas was… Weiterlesen »

Lyschko
Lyschko
3 Monate zuvor
Reply to  schwarze Dame

In der Schule würde man sagen, Thema verfehlt.

Das alles hat nichts damit zu tun, dass Frau Pähtz zum wiederholten Male Spieler und Spielerinnen öffentlich persönlich angreift. Das kann man sich vielleicht im reinen Einzelsport leisten, sobald es aber um Mannschaftssport geht, ist das ein absolutes No-Go. Lernfähig scheint sie leider auch nicht zu sein. Wirklich schade für die deutsche Nr. 1 der Damen.