Dieters Dank an Dorian

Die mediale Unsichtbarkeit teilt der Nationalspieler Liviu Dieter Nisipeanu mit den meisten seiner Kollegen, die Schach zum Beruf gemacht haben. Jetzt hat sich die deutsche Nummer drei ausnahmsweise und ausführlich auf seinem Facebook-Account zu Wort gemeldet. Anlass seiner Wortmeldung: „Ein ganz großes Dankeschön an meinen Freund Dorian Rogozenco.“

Ein ganz großes DANKESCHÖN an meinen Freund Dorian Rogozenco,für die 6 Jahre in denen er als Bundestrainer tätig war.Die…

Gepostet von Liviu Dieter Nisipeanu am Dienstag, 24. November 2020

Angesichts der dürren Verabschiedung, die Rogozenco auf der Website seines Arbeitgebers widerfuhr, ist es nur angemessen, dass nun zumindest einer seiner Spieler das nachholt, was der Deutsche Schachbund zu erwähnen versäumt hat: Bei weitem nicht alles war schlecht, rein sportlich war vieles gut. Dorian Rogozenco ist ein ganz auf den Erfolg fokussierter Trainer – der als Bundestrainer über diesem Fokus gelegentlich vergaß, sich wie ein kultivierter Mensch zu benehmen. Und der sich mit seiner Neigung zur Grüppchenbildung selbst im Weg stand.

Beim Schachbund gab es mit Andreas Jagodzinsky einen Verantwortlichen, der dafür offen war, diese Neigung als Problem wahrzunehmen und gegenzusteuern. Diese Offenheit wurde zum wesentlichen Faktor, der zu Jagodzinskys schleichender Entmachtung führte. Und schließlich zu seinem Rücktritt, als sich Rogozenco das derzeit debattierte 4000-Euro-Sondertraining für einen Spieler vor dem Gipfel eben nicht von Jagodzinsky abzeichnen ließ, sondern diesen im darüber im Dunkeln hielt. Die erforderliche Unterschrift für Ausgaben dieser Größenordnung holte er sich beim Geschäftsführer oder einem Präsidiumsmitglied.

Der Wahnsinnslauf der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2018 war in gewisser Weise die…

Gepostet von Perlen vom Bodensee am Mittwoch, 25. November 2020

Wir haben seinen Namen in unserer anfänglichen Berichterstattung über den Jagodzinsky-Rücktritt nicht erwähnt, um einen in jeder Hinsicht sauberen Spieler aus dem schmutzigen DSB-Spiel herauszuhalten. Mittlerweile hat sich ohne Zutun dieser Seite herumgesprochen, dass Liviu Dieter Nisipeanu derjenige war, der unmittelbar vor dem Gipfel in Magedeburg in den Genuss eines Sondertrainings mit dem in Prag lebenden Großmeister Harikrishna gekommen ist. Weil in den Tagen danach das Masters der besten deutschen Spieler ausgetragen wurde, kritisierten die „Zwölf“ dieses Training.

Keine gezielte Masters-Vorbereitung

Angesichts Nisipeanus Freundschaft mit dem Bundestrainer, angesichts dessen Neigung, seine Spezis zu bevorzugen, und angesichts mindestens einer missverständlichen Darstellung in Medienberichten steht die Frage im Raum, ob womöglich Rogozenco seinen Freund Liviu Dieter gezielt auf dessen Vergleich mit den anderen Kaderspielern vorbereitet hat. Diese Frage lässt sich mit „Nein“ beantworten.

Zwar weiß außer den beiden Spielern, dem Bundestrainer und ihrem Gast, einem tschechischen IM, niemand, woran genau Harikrishna und Nisipeanu gearbeitet haben. Gleichwohl hegt keiner der von dieser Seite befragten B-Kader den Verdacht, Harikrishna sei eingeflogen worden, um Nisipeanu gezielt auf das Masters vorzubereiten. Es gilt, was Sportdirektor Marcus Fenner der Süddeutschen Zeitung gesagt hat: „… keine Vorbereitung für das Turnier, das zeitnah stattfand, sondern der Termin ergab sich aus der Verfügbarkeit des Trainingspartners.“

Liviu Dieter Nisipeanu und Dorian Rogozenco bei der Gipfel-Gala. | Foto: Deutscher Schachbund

Nisipeanu war nicht unter den zwölf B-Kader-Spielern, die nun mit der Trennung von Rogozenco ihr erstes Ziel erreicht haben. Das hängt mit dem einfachen Umstand zusammen, dass Nisipeanu neben Elisabeth Pähtz der einzige A-Kader-Spieler des Deutschen Schachbunds ist. Diese Kaderzugehörigkeit wird sehr bald auf dem Prüfstand stehen.

Drei Herren im A-Kader – oder keiner?

Anfang Dezember tagt die Kommission Leistungssport, die traditionell Jahr für Jahr die Kader bestimmt (und dieses Jahr einiges darüber hinaus zu besprechen hat). Bei den Herren war der Fall zuletzt immer klar: Liviu Dieter Nisipeanu steht über den Dingen, was er mit seiner anhaltenden verlustfreien Serie am Spitzenbrett der Nationalmannschaft stets bestätigte.

Nun ist der Routinier in der Live-Liste erstmals seit langem „nur“ die nationale Nummer drei knapp hinter den zuletzt stark aufspielenden Youngstern Matthias Blübaum und Alexander Donchenko. Den einstigen WM-Halbfinalisten Nisipeanu auch 2021 zum einzigen A-Kader zu machen, wäre nicht zu vermitteln. Die Frage ist eher, ob wir 2021 drei A-Kader-Spieler haben werden oder keinen.

Und, natürlich, wer sie trainiert.

3.7 12 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
21 Comments
Most Voted
Newest Oldest
Inline Feedbacks
View all comments