Donchenko allein in Wijk

Nicht nur aus deutscher Sicht ist die Besetzung des Masters und Challengers beim “Tata Steel Chess 2024” in Wijk an Zee eine Enttäuschung. Alexander Donchenko wird der einzige DSB-Kaderspieler in den beiden 14-köpfigen Feldern sein. Entgegen der allgemeinen Erwartung ist Vincent Keymer vom 13. bis 28. Januar nicht mit von der Partie. Donchenko wird nach 2021 zum zweiten Mal im Masters spielen, für das er sich durch seinen Challengers-Sieg 2023 qualifiziert hat. Im Challengers 2024 spielen diesmal keine Deutschen.

Elisabeth Pähtz wittert Vorbehalte gegen Deutsche in Wijk an Zee. 2012 und 2019 war sie dort eingeladen, seitdem nicht mehr.

Im vergleichsweise sehr starken, aber für Wijk-Verhältnisse schwächsten Feld seit langem wird zum ersten Mal seit 2014 und zum zweiten Mal in 20 Jahren Magnus Carlsen fehlen. Der Weltranglistenerste habe im Februar 2024 eine Reihe anderer Verpflichtungen, erklärte Turnierdirektor Jeroen van den Berg. “Wir hoffen natürlich, ihn 2025 wieder zu begrüßen. Carlsen gehört zu unserem Turnier und ist immer willkommen.”

Eine Runde vor Schluss des Challengers stand Anfang 2023 Alexander Donchenko als erster Masters-Teilnehmer 2024 fest.

Statt seiner kehrt, wie diese Seite berichtet hat, Weltmeister Ding Liren auf die globale Schachbühne zurück. Wenn der Chinese am 13. Januar in der ersten Runde antritt, wird das seine erste klassische Partie seit 244 Tagen sein, hat chess.com ausgerechnet. Ding Liren hat seine lange Abwesenheit vom Brett mit Erschöpfung und Krankheit nach dem WM-Kampf 2023 begründet. Auf das erste Zusammentreffen des Weltmeisters mit seinem Vorgänger werden die Fans noch ein wenig warten müssen.

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Neben Carlsen, Nummer eins der Welt, fehlen die Nummer zwei und drei, die WM-Kandidaten Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura. “Es wird wieder eine großartige Ausgabe werden”, sagt van den Berg trotzdem. Er verweist auf ein außergewöhnlich junges Feld (niemand über 33) und ein außergewöhnlich weibliches. Weltmeisterin Ju Wenjun, an 14 gesetzt, wird als dritte Frau nach Judit Polgar und Hou Yifan im Masters antreten und sogar drei Spielerinnen im Challengers.

Ding Liren kehrt nach Wijk an Zee zurück, wird dort aber nicht auf Vincent Keymer treffen.

Die größten Talente des Weltschachs in Teilnehmerfelder einzubauen, ist mittlerweile überall üblich, in Wijk an Zee hat es Tradition. Praggnanandhaa Rameshbabu, Gukesh Dommaraju und Nodirbek Abdusattorov vertreten die kommende Generation des Schachs. Mit dem Grand-Swiss-Sieger und WM-Kandidaten Vidit bilden Pragg und Gukesh ein indisches Trio im vom indischen Stahlkonzern gesponserten Wettbewerb.

Dazu kommt ein niederländisches Trio von Lokalmatadoren, angeführt vom Titelverteidiger Anish Giri. Dazu der Überraschungssieger von 2021 Jorden van Foreest und Max Warmerdam, der sein Debüt beim Masters gibt.

Bemerkenswert ist die Teilnahme von Alireza Firouzja, der sich offenbar mit den Organisatoren vertragen hat. 2021 kam es zum Eklat, als die Schiedsrichter seine laufende Letztrundenpartie verlegen wollten. Die Organisatoren entschuldigten sich öffentlich – und verzichteten im Folgejahr auf Firouzja, der ein Extra-Schmerzensgeld für den Vorfall von 2021 gefordert hatte. Nun scheint die Kontroverse beigelegt, und Firouzja wird als Mitfavorit an den Start gehen.

Das Masters-Feld 2024 via chess.com

Traditionell spannend besetzt ist das Challengers-Turnier mit fünf Junioren, darunter Hans Niemann, der in diesen Tagen das “Tournament of Peace” in Kroatien dominiert, und Juniorenweltmeister Marc Andria Maurizzi aus Frankreich, ein Produkt des korsischen Schachwunders.

Am Challengers nimmt zum ersten Mal seit 2017 niemand aus Duitsland teil:

Das Challengers-Feld 2024 via chess.com

(Titelfoto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess)

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Pionnetje
Pionnetje
6 Monate zuvor

Die Äußerung von Frau Pähtz ist hanebüchener Quatsch, klingt halt leider ein wenig nach dauerbeleidigtem Jammerossi.

Frau Pähtz könnte einen ihrer Ausflüge ans Brett ihres Vereins, der Spvgg. Sterkrade-Nord aus Oberhausen, ja mal nutzen, um sich ein paar Kilometer weiter westlich über die “Beziehungen der Nachbarländer” zu informieren anstatt von Berlin oder Erfurt oder sonstwo aus Quatsch zu verbreiten.

Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor

Der Reporter einer niederländischen Lokalzeitung hatte mit Jeroen van den Berg telefoniert: Er wollte Caruana und Nakamura, beide sagten ab – “Vorbereitung für das Kandidatenturnier”. Womöglich haben sie erst dann Firouzja gefragt, und auch Warmerdam und Ju Wenjun (noch Elo-exotischer bei den Masters als früher mal Hou Yifan) verdanken ihre Plätze da den Absagen von Carlsen, Caruana und Nakamura (Donchenko, dritter mit Elo unter 2700, hat sich ja letztes Jahr beim Challengers qualifiziert). Ebenso Niemann bei den Challengers? “Am Challengers nimmt zum ersten Mal seit 2017 niemand aus Duitsland teil:” Dabei gab es 2021 Corona-bedingt kein Challengers, und Roven Vogel… Weiterlesen »

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[…] Donchenko allein in Wijk […]

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[…] zu sein, hat Magnus Carlsen zum ersten Mal seit 2014 seine Teilnahme in Wijk an Zee im Januar abgesagt. Mit “einer Reihe anderer Verpflichtungen Carlsens im Februar” hatte […]

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[…] 2023 kein weiteres Turnier bestreiten und damit 2024 kein WM-Kandidat sein. Am Brett wird er Anfang 2024 in Wijk an Zee das nächste Mal klassische Partien […]

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[…] Donchenko allein in WijkDas Schachjahr 2024 beginnt für Alexander Donchenko mit einer gewaltigen Herausforderung, dem Superturnier “Tata Steel Chess” in Wijk an Zee. […]

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[…] Donchenko allein in WijkAm 13. Januar beginnt das Superturnier in Wijk an Zee. Alexander Donchenko ist Teil des Weltklassefelds in der A-Gruppe. […]