Masters (6): “Das waren intensive fünf Stunden” – Tabellenführer Alexander Donchenko

Drei Runden vor Schluss führt unverändert ein Duo das offene Masters an, ein Trio das der Frauen. Alexander Donchenko und Dennis Wagner haben die besten Aussichten auf den Turniersieg. Ihnen sitzt ein Quartett von Verfolgern mit einem halben Punkt Rückstand im Nacken. Bei den Frauen wird es sich wahrscheinlich zwischen Jana Schneider, Dinara Wagner und Hanna Marie Klek entscheiden.

Stand nach der sechsten Runde. | via chess-results.com
Stand nach der sechsten Runde. | via chess-results.com

Im Turnier der Männer haben sich spät, aber nicht zu spät Daniel Fridman und Matthias Blübaum an- bzw. zurückgemeldet. Fridman brach seine Remisserie mit einem Schwarzsieg über Jonas Roseneck, Blübaum besiegte nach seiner Vortagsniederlage Michael Prusikin. Diese beiden gesellen sich zu den beiden anderen Verfolgern Rasmus Svane und Leonardo Costa, der mit Schwarz ein hochtheoretisches Italienisch-Duell gegen Dennis Wagner remisierte.

Alexander Donchenko im Gespräch mit Paul Meyer-Dunker.

Sollten am Ende mehrere Spieler:innen punktgleich an der Tabellenspitze stehen, wird es ein Stechen geben. Unter anderem zu dieser Perspektive hat sich nach seinem Sechstrundenremis Alexander Donchenko im Interview mit DSB-Mitarbeiter Paul Meyer-Dunker geäußert.

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Alexander, in der sechste Runde ein ungefährdetes Remis gegen Rasmus Svane. War das der Matchplan?

Ein schnelles Weißremis ist nie der Matchplan. Aber ich habe heute gefühlt, dass mir die gestrige Partie noch in den Knochen steckt. So eine wollte ich heute nicht noch einmal spielen. Insofern wollte ich zwar schon versuchen, mit Weiß etwas zu bekommen, aber kein Risiko eingehen, sollte das nicht klappen.

Gestern hast du mit Schwarz Matthias Blübaum geschlagen. Für die Zuschauer eine großartige Schlacht, die dir als Spieler wahrscheinlich alles abverlangt hat.

Gegen Matthias, das ist natürlich immer ein Prestigeduell unter Nationalspielern. In der Eröffnung hat er mich kalt erwischt. Ich war davon ausgegangen, dass er gegen Köningsindisch eine der aussichtsreichen Hauptvarianten spielt. In dem, was er dann gespielt hat, kannte er sich besser aus und hat eine sehr, sehr gute Stellung bekommen. Wahrscheinlich stand er kurzzeitig auf Gewinn, aber es war immer sehr unübersichtlich. Als ich die Qualität für einen Bauern geopfert habe…

Stellung vor 21…Txd6.

…dachte ich, dass meine Stellung mittlerweile ziemlich gesund aussieht. Zwar ist die h-Linie offen, und man könnte meinen, dass mein König gefährdet steht, aber in Wirklichkeit gibt es da gar keine Drohungen. Er hat dann den Faden verloren, ich stand immer besser, habe im 40. Zug die richtige Fortsetzung gefunden und einen Königsangriff begonnen. Aber Matthias ist bekanntlich zäh. Er hat immer den Zug gefunden, der die Partie am Laufen hält. Ich habe ihm zwar nicht direkt Chancen gegeben, aber hätte es eigentlich eher beenden müssen. Letztlich bin ich froh, dass ich es geschafft habe, aber das waren intensive fünf Stunden.

Du stehst gemeinsam mit Dennis Wagner vorne, aber das Feld ist eng beisammen. Wer wird dir im Kampf um den Turniersieg am ehesten Probleme bereiten?

Die Tabelle zeigt, Dennis ist Konkurrent Nummer eins. Die Partie von Matthias läuft noch, aber ich gehe davon aus, dass er versucht, an mich heranzukommen. Rasmus liegt nur einen halben Punkt zurück, mit dem ist auch zu rechnen. Also, eigentlich die üblichen Verdächtigen.

Vor der dritten Runde war noch nicht klar, wie es um die Form von Alexander Donchenko bestellt ist. Dann folgte der filigrane Königsindisch-Sieg gegen Christopher Noe.

Auch Leonardo Costa liegt nach einem sehr starken Turnier nur einen halben Punkt hinter dir. Hast du damit gerechnet, dass er vorne mitspielt? Und meinst du nicht, dass auch Leonardo dir noch den Turniersieg streitig machen kann?

Starkes Turnier von ihm, stimmt. Damit gerechnet habe ich eher nicht, kenne ihn aber auch nicht allzu gut. Dass er jetzt bei der Jugend-WM eine Medaille geholt hat, habe ich natürlich mitbekommen. Hier hat er sehr gute Theoriekenntnisse gezeigt und stand meistens ungefährdet, hatte aber auch nicht viele Gewinnchancen. Zum Turnierausgang kann ich nur mit Sicherheit vorhersagen, dass im Falle von Punktgleichheit am Ende Tiebreaks gespielt werden. Ich wäre gegen jeden, auch gegen Leonardo, zuversichtlich, dass ich mich durchsetze.

Leonardo Costas Sieg über seinen langjährigen Trainer Michael Prusikin, der den 15-Jährigen gerade erst zu WM-Bronze gecoacht hat.

Ende des Jahres ist in Usbekistan Rapid- und Blitz-WM. Aus unseren Kadern werden nur Vincent Keymer und Dinara Wagner am Start sein. Warum bist du nicht dabei und, falls du dazu etwas sagen kannst, warum die anderen? Wir haben ja eine Reihe sehr starker Blitz- und Schnellschachspieler in der Nationalmannschaft.

Bei mir ist das ganz einfach. Vor Wijk an Zee möchte ich keinen zu vollen Turnierplan, deswegen werde ich nach dem Masters keine Turniere mehr spielen und mich nur noch vorbereiten. Rasmus hat sehr ernsthaft erwogen hinzufahren. Aber die Anreise ist wohl ziemlich umständlich und teuer, deswegen hat er sich dagegen entschieden. Ich weiß es nicht, aber nehme an, dass es bei den anderen so ähnlich war.

Das Schachjahr 2024 beginnt für Alexander Donchenko mit einer gewaltigen Herausforderung, dem Superturnier “Tata Steel Chess” in Wijk an Zee.

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