Schacholympiade 2022: der Ticker (bis Runde 3)

186 Länder, 1733 Spieler und Spielerinnen, 250 Großmeister. Endlich, nach vier Jahren, ist wieder Schacholympiade. Deutschland ist in Chennai mit jeweils einer Herren- und einer Frauenmannschaft am Start, beide an Rang neun gesetzt, beide jung und mit Perspektive nach oben. Die Runden beginnen ab Freitag, 29. Juli, täglich um 11.30 Uhr. Schachdeutschland TV überträgt live. Der 4. August markiert den einzigen Ruhetag des Turniers.

Magnus Carlsen gelang im Match seiner Norweger gegen Uruguay ein voller Punkt gegen Georg Meier, der das Geschehen lange ausgeglichen gestaltet hatte, aber in arge Zeitnot geriet und dann doch ein Damenendspiel mit Minusbauern nach 80-zügigem Kampf verlor. | Foto: Stev Bonhage/FIDE
Was ab dem 1. August in Chennai geschieht.

|| Runde 3, 31. Juli

Erste Niederlage nach sechs Jahren.

■ 16. September 2016, Schacholympiade Baku: Deutschland verliert 1,5:2,5 gegen Usbekistan.

Seitdem: ungeschlagen. Die Schacholympiade 2018 hat das deutsche Team als einziges unbesiegt absolviert. Diese Serie ist jetzt gerissen. Glückwunsch an Österreich: 2,5:1,5 gegen die bei Schacholympiaden seit fast sechs Jahren ungeschlagenen Piefkes. Gute Nachricht aus deutscher Sicht: Die Frauen schlagen die Schweiz 3:1. Morgen geht’s gegen Rumänien, die Herren spielen gegen Irland.

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2×2,5?

■ Das ist halt das, was passiert, wenn du mit den weißen Steinen Matthias Blübaum in forcierten Theorievarianten abfragst: Auf dem Brett sieht es aus wie gewürfelt, aber Schwarz kennt das aus dem Effeff, und dann wird es Remis, in diesem Fall durch die Dauerschachschaukel c1-f4-c1. Blübaums Partie am ersten Brett gegen Markus Ragger ist als erste beendet, und es lässt sich nach 2:15 Stunden Spielzeit sagen, dass das heute nicht einfach ist. Durch die schwarzrotgoldene Brille betrachtet, stehen beide Kämpfe auf 2,5:1,5, aber bis es soweit ist, fließt noch viel Wasser durch den Cooum River unter der Napier-Brücke. Daumen drücken!

“Das hatte ich mir zum Glück heute Morgen angeguckt”, Matthias Blübaum, Europameister.

Fotografieren verboten

■ Steht weiter unten etwa, Ullrich Krause habe nichts zu tun? Hier ist seine Gelegenheit zu intervenieren. Die FIDE hat am dritten Turniertag dem DSB-Mitarbeiter Paul Meyer-Dunker (und allen anderen Leuten, die nicht offizieller Turnierfotograf sind) verboten, im Turniersaal Aufnahmen zu machen. Vielleicht hängt es mit dem überwältigenden Presserummel an den ersten beiden Tagen zusammen?

Man weiß es nicht, laut Meyer-Dunker gibt es nur das Verbot und darüber hinaus keine Kommunikation, ein Rückfall der FIDE ins DSB-Gebaren anno 2019. Tolle Fotos von der Schacholympiade gibt es übrigens trotzdem. Aber Lennart Ootes, Maria Emelianova und Stev Bonhage bilden eben mehrheitlich bunt gewandete Exoten ab, von denen niemand je gehört hat. Einen Blick Wert ist die FIDE-Galerie trotzdem, allein der Optiken wegen. Und, immerhin, zufällig ist der FIDE schon ein Kollars vor die Linse geraten. Vielleicht ist bis zum Ende der dritten Runde ja zufällig noch ein weiteres Foto von Team Deutschland entstanden, mit dem wir hier arbeiten können.

Nationalspieler Dmitrij Kollars. | Foto: Stev Bonhage/FIDE
Beim Kandidatenturnier war Stev Bonhage noch neu beim Schach. Jetzt hat ihn die FIDE sogleich für die Schacholympiade engagiert.

Die Napier-Brücke

■ Mehr internationale Schlagzeilen als die sportlichen Wettkämpfe hat in den vergangenen Tagen die prächtig illuminierte Napier-Brücke in Chennai gemacht. Über ihre Länge von 140 Metern über den Cooum River haben die Gastgeber die Brücke mit Schachbrettquadraten bemalt. Spektakulär ist die Ansicht, sobald es Chennai dunkel wird (siehe Video). Die 1869 gebaute Brücke ist benannt nach Francis Napier, ehemaliger Gouverneur von Madras, den die Inder anders als einige seiner Kollegen aus der Kolonialzeit in bester Erinnerung haben. Auch ein Park und ein Museum sind nach Napier benannt.

Professor Google und die Curry-Ampel

Vincent Keymer, wahrscheinlich noch nicht vollständig genesen, wird nicht spielen, aber vielleicht gewährt er dem Publikum ja wie während der ersten beiden Runden via Twitter oder Instagram Einsichten zum laufenden Geschehen?!

https://twitter.com/VincentKeymer04/status/1553314816093491200
Matthias Blübaum eröffnet wie Keymer.

Der 17-Jährige ist nicht der einzige, der sich gelegentlich aus Chennai meldet. Paul Meyer-Dunker sowieso, auch Sportdirektor Kevin Högy lässt immer wieder auf Twitter von sich hören, Schiedsrichter Jürgen Klüners eher selten. Am meisten Mühe gibt sich (womöglich in Ermangelung anderer Aufgaben) der DSB-Präsident. Ullrich Krause bloggt, und das lesenswert – und täglich. Vom rettenden Engel, der nach der Ankunft half, das Hotel zu finden über seine (mit 2.500 Euro plus Spesen dotierte) Nebenaufgabe als Mitglied des Schiedsgerichts bis zu lokalen Besonderheiten. Auf Krauses Olympia-Blog lernen wir, was die Curry-Ampel ist und warum der irrtümlich von “Professor Google” vorhergesagte Monsunregen an der Schacholympiade vorbeiziehen wird.

Indischer Ozean, indische Luft und indisches Essen

Plötzlich Freunde: Vor der Olympiade haben Ullrich Krause und Elisabeth Pähtz der Süddeutschen Zeitung erklärt, wie toll es zwischen ihnen läuft. Jetzt nimmt der Präsident aus nächster Nähe Anteil. Noch gibt es keinen Grund, eine besorgte Miene aufzusetzen. | Foto: Paul Meyer-Dunker/Schachbund

Ohne Keymer

■ Wenn um 14.20 Uhr Ortszeit der Bus die Mannschaften zum Stadion fährt, wird Vincent Keymer nicht darin sitzen. Die deutsche Nummer eins schaut auch am dritten Spieltag zu. Diese Überraschung offenbarte die Aufstellung der deutschen Mannschaften, die nach zwei mehr oder weniger leichten Siegen heute die ersten Brocken beiseite räumen müssen. Europameister Matthias Blübaum wird das erste Brett hüten (wo er es mit Markus Ragger zu tun bekommt).

Noch drei Stunden bis zur Partie, alle deutschen Herren sind wach – gerade so. Gut möglich, dass sich der Kapitän heute während der laufenden Partien im chess24-Stream zu den Kommentatoren Peter Leko und Peter Svidler gesellt.

|| Runde 2, 30. Juli

Österreich und die Schweiz

■ Wieder zwei Siege, jeweils 3:1 dieses Mal. Die Herren schlagen Finnland, die Damen Dänemark, und wieder besorgte Liviu Dieter Nisipeanu den ersten Punkt des Tages. Nach den Skandinaviern geht es in der dritten Runde gegen Mannschaften aus dem deutschsprachigen Raum: Die Herren treffen auf Österreich, die Damen auf die Schweiz. Wieder werden beide deutschen Mannschaften favorisiert sein, aber diese beiden Gegner dürfen nun als erster Prüfstein gelten. Leicht wird das nicht. Nachdem Vincent Keymer in den ersten beiden Runden ausgesetzt hat, wird er morgen wahrscheinlich zum Einsatz kommen.

Schacholympiade im Radio

■ Keymer, Carlsen, Klima. Pähtz, Nisipeanu, Aronian. Ein Rundumschlag zur Schacholympiade im Sportradio Deutschland mit Moderator Oliver Faßnacht und dem Schreiber dieser Zeilen.

Alle gegen einen?

■ Ob Magnus Carlsen die Nationalmannschaft von Uruguay simultan schlagen würde? Kurz vor Beginn des Matches sah es aus, als würde er das versuchen wollen. Aber dann trudelten Carlsens Mitspieler doch noch ein, und der Weltmeister konnte sich einzig Georg Meier auf der anderen Seite des Brettes widmen.

Wo sind die Norweger? | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Kaltstart

■ Zweiklassengesellschaft bei der Schacholympiade? Während die “Großen” voll des Lobes über die Organisation sind, mag es bei dem einen oder anderen “Kleinen” haken, siehe auch die Kommentarspalte unter diesem Artikel, wo Christoph Thurner den Lesern Einblicke aus Sicht der neuseeländischen Delegation gewährt. Sicher ist: im Spielsaal sind sie alle gleich – und allen ist gleich kalt. Womöglich haben die Organisatoren es beim künstlichen Runterkühlen der Säle ein wenig übertrieben. Das lässt Sportdirektor Kevin Högy in seinem Bericht zur ersten Runde durchblicken – und hofft, dass seine Spitzenkönner trotz Temperaturunterschieden von 15 Grad von Erkältungen verschont bleiben.

Vor Ghana und Griechenland: Spieler und Spielerinnen hatten DSB-Präsident Ullrich Krause sowie Sportdirektor Kevin Högy in Erwartung einer stundenlangen Eröffnungsfeier wohlweislich daheim gelassen. Leider war keine deutsche Flagge aufzutreiben, sodass die Fahnenträger Krause und Högy den Einmarsch ohne Fahne absolvierten. | Foto: Paul Meyer-Dunker/Schachbund

|| Runde 1, 29. Juli

Meier vs. Magnus

■ Teil des Wettbewerbs in Chennai sind einige Deutsche, die nicht Teil der deutschen Delegation sind. Einer von denen: Georg Meier, dem das deutsche Spitzenschach eine Kehrtwende zum Besseren verdankt. Trotzdem hat den langjährigen Nationalspieler und Team-Europameister von 2011 im Laufe der zweijährigen Dauerkatastrophe im Leistungssport 2019/20 das Schicksal manches Überbringers schlechter Nachrichten getroffen. Vom deutschen Verband bzw. dessen dominierenden Figuren hat er sich abgewandt. Jetzt spielt Meier für Uruguay (er hat einen uruguayischen Pass) – und bekommt in der zweiten Runde die bestmögliche Belohnung im Schach: eine Turnierpartie gegen den besten Spieler des Planeten. Uruguay trifft auf Norwegen, die Paarung am ersten Brett: Georg Meier vs. Magnus Carlsen.

Georg Meier. | Foto: Arne Jachmann/DSB

Finnland, Dänemark

■ Nichts gegen die Finnen, nichts gegen die Dänen, die Zweitrundengegner der Deutschen, aber alles andere als zwei weitere Siege wäre enttäuschend. Ob es gelingen kann, noch einmal zwei 4:0-Höchststrafen zu verteilen? Das erscheint nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich.

4:0, 4:0

■ Ein Sieg, natürlich. Aus deutscher Sicht war bei Männern wie Frauen einzig die Frage, ob es 4:0 ausgeht. Und das tat es, obwohl Matthias Blübaum und Hanna Marie Klek hart für den vollen Punkt kämpfen mussten. Liviu Dieter Nisipeanu musste deutlich weniger kämpfen. Er war derjenige, der den ersten Brettpunkt für Deutschland bei der Schacholympiade 2022 eingefahren hat. Für den instruktivsten Sieg war Rasmus Svane mit diesem allerfeinsten strategischen Lehrstück zuständig:

David Silva

USA versus Angola und Aronian in ungewohnt gedeckter Oberbekleidung kurz vor Beginn. | Foto: Lennart Ootes/FIDE
Die Oberbekleidung à la Aronian wurde auf der anderen Seite des Brettes getragen. | Foto: Mark Livshitz/FIDE

■ So viele Offizielle und Medienleute haben sich nie zuvor am Brett von IM David Silva aus Angola (nicht verwechseln mit dem spanischen Fußballer gleichen Namens) versammelt. Das Team des 24-jährigen bekam es zum Auftakt mit der vermeintlichen Übermannschaft aus den USA zu tun. Silva wird damit leben können, dass die Amerikaner ihre Nummer eins Fabiano Caruana zum Auftakt schonten. Stattdessen spielte er gegen Levon Aronian, auch das eine schöne Aufgabe – der Silva gewachsen war. Er hätte gut und gerne auf Gewinn spielen können, nahm aber das Remisangebot des Eloriesen an. Im chess24-Kommentar erklärte Peter Svidler, warum Aronian diese Partie so schwer fiel:

Sudan und Sambia

■ Die viel zu lange Eröffnungsfeier mit viel zu vielen Ansprachen ist überstanden. Jetzt geht’s los. Heute zum Auftakt bekommen die Deutschen die Nationalmannschaften aus Sambia und dem Sudan serviert. Keymer und Heinemann setzen zum Auftakt aus. Alle Infos im Video:

Mit Magnus

■ Während im Spielsaal die Partien begannen, traf am Flughafen von Chennai ein Nachzügler ein. Magnus Carlsens Fabel-Elo verdanken die Norweger, dass sie erstmals in ihrer Schachgeschichte als nominelle Nummer drei in den Wettbewerb gehen. Carlsen wird durchspielen müssen, wollen die Wikinger tatsächlich an den Medaillen kratzen. Dass ihre Nummer eins in der ersten Runde gegen den Libanon aussetzt, sollten sich die Norweger gleichwohl leisten können.

Bild
Nach der Ankunft sogleich umringt: Magnus Carlsen. | Foto via Chennai Airport

Ohne Pakistan

■ Hier ist ein neuer Fall für die Fachleute, die nicht erst seit dem 24. Februar unablässig feststellen, Politik und Sport gehörten getrennt. Als ob das möglich wäre. Sport, internationaler Sport zumal und internationaler Spitzensport erst recht, ist eine politische Angelegenheit. Bei der Schacholympiade hat das jetzt dazu geführt, dass der Kaschmir-Konflikt das Schach erreicht hat. Indien und Pakistan beschuldigen einander gegenseitig, das Welt-Schachfest zu politisieren. Die Inder hatten die olympische Flamme (eine Neuerung in der Geschichte der Schacholympiaden) durch die Stadt Srinagar im Nordwesten geschickt, unweit der Waffenstillstandslinie zwischen Indien und Pakistan. Die Pakistani, deren Mannschaften schon in Chennai angekommen waren, empfanden das als Provokation. Sie reisten ab.

Die pakistanischen Nationalteams am Amritsar Airport vor dem Abflug nach Chennai. Nun werden sie nach Hause fliegen, ohne eine Partie gespielt zu haben. | Foto:: Amer Karim/Facebook

|| Eröffnung, 28. Juli

Schachfreund Stalin

Die Eröffnungsfeier der Schacholympiade 2022 mit Muthuvel Karunanidhi Stalin, Regierungschef des Bundesstaats Tamil Naidu.

■ Es bedarf eines achtstelligen Dollarbetrags, einer großen Zahl von Helfern und einer Menge Organisationsgeschick, um eine Veranstaltung wie diese binnen weniger Monate auf die Beine zu stellen. Bisher spricht alles dafür, dass es den Indern überzeugend gelungen ist. Chennai atmet Schach, alle Beteiligten fühlen sich umsorgt und willkommen, und die Anwesenheit des indischen Premiers Narendra Damodardas Modi zeigt, welche Bedeutung die Veranstaltung in Indien hat. Allerdings war es nicht Modi, sondern Muthuvel Karunanidhi Stalin, Regierungschef des Bundesstaats Tamil Naidu, der die Mittel und Ressourcen bereitgestellt hat, um spontan eine Schacholympiade zu wuppen.

Die Hutprobe

■ Heiß ist es in und um Chennai. Es gilt: viel trinken. Aber wie ans Wasser kommen, wenn du vor einem mehrere Meter tiefen Brunnen stehst? Und wie das Wasser reinigen, wenn es sich als verschlammt entpuppt? Die Antwort auf diese und andere Fragen haben die Mitglieder der deutschen Delegation direkt nach der Ankunft im Hotel ausgehändigt bekommen: Turbane.

Solche Turbane werden in der nördlichen Provinz Rajasthan getragen. In Chennai, Bundesstaat Tamil Nadu, sind sie eher nicht üblich. Die deutschen Spieler und ihr Käpt’n bekamen sie trotzdem ausgehändigt. Ihr Hotel, der “Kuldan Samudhra Palace”, ist thematisch nach den Gebräuchen in Rajasthan gestaltet, und das schließt die Turbane der Gäste ein.

Die traditionelle indische Kopfbedeckung ist nämlich weit mehr als das. Sollte Kapitän Jan Gustafsson auf der Suche nach Wasser für seine Spieler vor einem tiefen Brunnen stehen, muss er nur seinen Turban abrollen, um daran einen Eimer herabzulassen. Sollte er schlammige Soße hochziehen, lässt sich der Turban als Filter benutzen. Und der Turban kann noch mehr. Im Indien-Handbuch steht: “Erschöpfte Reisende nutzen den Turban als Decke, Handtuch oder Kissen.” Offenbar war DSB-Öffentlichkeitsarbeiter Paul Meyer-Dunker noch nicht bis zu dieser Passage vorgedrungen, als ihm die Augen zufielen.

https://twitter.com/Meyer_Dunker/status/1551995206748123137
Meyer-Dunker, schlafend, ohne Turban.

Die Zweijahrhundertmannschaft

■ Wenn jede Nation die fünf besten Spieler ihrer Geschichte nominieren könnte, welche Mannschaften würden bei Schacholympia antreten? Gewiss würden die Deutschen die ältesten Säcke ins Rennen schicken: drei Spieler, die vor 1900, keiner, der nach 1950 geboren wurde. Aber wahrscheinlich würden die Deutschen auch ganz oben mitspielen, wenngleich Gold schwierig würde: Russland (Kasparov, Karpov, Aljechin, Kramnik, Bowinik) wäre speziell an den unteren Brettern favorisiert.

Aber das mag sich ja ändern. Abzusehen ist, dass eher kurz- als mittelfristig Wolfgang Unzicker rausfliegt und Vincent Keymer reinkommt (was die Deutschen den Geburtsjahrgängen nach zur Dreijahrhundertmannschaft machen würde). Solche und andere Überlegungen hat jetzt chess.com-Autor Nathaniel Green in seinem Beitrag über die Olympia-Traummannschaften angestellt – lesenswert!

2022 FIDE Chess Olympiad Chess.com Dream Team Germany Lasker Anderssen Tarrasch Hubner Unzicker
Lasker, Anderssen, Tarrasch, Hübner, Unzicker – oder sollte besser Wolfgang Uhlmann an fünf nominiert werden, so lange sich Vincent Keymer noch nicht ins deutsche Dreamteam gespielt hat?

Slava Ukraini

■ Direkt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine entstand ein nicht nur für Schachverhältnisse ikonisches Foto:

Ukrainian Chess Grandmasters caught in a warzone | chess24.com

Großmeister Oleksandr Sulypa, Coach der ukrainischen Nationalmannschaft, bereit, seine Heimat mit der Waffe zu verteidigen. Weiterhin kämpfen eine ganze Reihe der besten ukrainischen Schachspieler an der Front, unter anderem Igor Kovalenko, der mit seinen 2674 Elo gewiss ein Kandidat fürs ukrainische Team wäre – bei der potenziell vorerst letzten Schacholympiade für die Ukraine. Der ukrainische Schachverband hat angekündigt, die FIDE zu verlassen, sollte in Chennai der Russe Arkady Dvorkovich als Weltschachpräsident bestätigt werden. Sulypa hat derweil die Waffe niedergelegt. Nach dem Gewinn der Europameisterschaft 2021 will er seine Jungs jetzt zu einem Olympia-Erfolg führen.

|| Was bisher geschah

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Christoph Thurner
Christoph Thurner
21 Tage zuvor

Eroeffnungsfeier, nun ja, als einer der da war kann ich auch ein paar Eindruecke – eben nicht von einem Top Team – einstreuen, da wohl nicht jeder das ganze 218 Minuten Video gesehen haben wird. FIDE spricht in ihrem Artikel von 20.000 Spielern etc, die da waren, das Indoor Stadium hat aber nur eine Kapaziteat von 8.000 und es waren noch Plaetze frei. Von der Show her war es schon sehr gut, schaut mal fuer ein paar Highlights rein: Ab 4.35 Sandkunst, absolut fantsastisch was der da live gezaubert hat. Ab 49.35: Ansage der Taenze und woher diese kommen und… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
21 Tage zuvor

Das passt zum Teil nicht zum begeisterten Bericht auf chess.com …. . Dass ein indischer IM sein Land lobt oder jedenfalls nicht kritisiert ist klar, aber er hat auch begeisterte Tweets von Paco Vallejo und Ivan Sokolov (Teamkäpten von Usbekistan, Tweet aus dem Sheraton Grand Chennai Resort & Spa). Vielleicht tatsächlich Zweiklassengesellschaft, wobei auch bei Team Deutschland bei der Hotelreservierung etwas zunächst schief lief – kann passieren. IM Saravanan weist auch zu Recht darauf hin, dass Chennai für die Organisation nur wenige Monate hatte. Auch zu Weltcup und Olympiade in Tromso gab es vereinzelte Signale, dass Norwegen mit der Organisation… Weiterlesen »

Christoph Thurner
Christoph Thurner
20 Tage zuvor
Reply to  Thomas Richter

Genau deswegen hab ich es ja geschrieben. Dass die Top Teams anders behandelt werden ist klar,oder kannst Du Dir Fabi, Aronian und co schwitzend auf den Bus wartend vorstellen? Unser Hotel ist auch eher Mitelklasse und eine Stunde Fahrt vom Spielort weg, aber es schon klar dass es bei einer Veranstaltung dieser Groesenordnung Unterschiede geben muss. Dass FIDE nur die “Jubeltweets” veroeffentlicht ist klar, ein Blick auf unseren Alltag ist aber vielleicht auch interressant. Ich warte zum Beispiel seit einigen Tagen auf den “Pass” um zu meinem Trainerseminar zu kommen. Angeblich haben die Organisatoren den ins Hotel geschickt, zumindestens sagt… Weiterlesen »

vonundausdemWalde
vonundausdemWalde
19 Tage zuvor

Wann gibt es denn nun mal eine genaue Wasserstandsmeldung zu Keymer?

René Liese
René Liese
21 Tage zuvor

Es spielt übrigens auch ein weitere “ehemaliger Deutscher” mit, der in Batumi am zweiten Brett 9,5 aus 11 geholte hatte …für die Seychellen!

Christoph Thurner
Christoph Thurner
15 Tage zuvor

Andre bin ich eben im Hotel ueber den Weg gelaufen, wenn Du den mal interviewen willst kann ich da gerne den Kontakt herstellen.

Thomas Richter
Thomas Richter
21 Tage zuvor
Reply to  René Liese

Andre Stratonowitsch (Elo 2138) ist diesmal offenbar nicht dabei. In Batumi hatten die Seychellen taktisch aufgestellt: Brett 1 Elo 1250, Brett 2 2138, Brett 3 1353 und Brett 4 wieder 1820 – so reichte es für ein paar Mannschaftspunkte. Nun spielt ja Georg Meier für Uruguay, an Brett 1 vor Spielern mit Elo ca. 2400 – morgen bekommt er womöglich Magnus Carlsen. Mit jahrzehntelang nationaler Elo 1900-2000, auch mal etwas mehr, hatte ich im Prinzip zwei Möglichkeiten, an einer Olympiade teilzunehmen: auch in ein (klitze)kleines Schachland auswandern, oder Texel erklärt seine Unabhängigkeit. Mit einem CM am Spitzenbrett und neben mir… Weiterlesen »

Christoph Thurner
Christoph Thurner
20 Tage zuvor
Reply to  Thomas Richter

Doch, ist am zweiten Brett gemeldet, hatte gestern aber nicht gespielt.

Schau mal auf

https://chess-results.com/tnr653631.aspx?lan=1&art=8&flag=30

rein, Mannschaftsaufstellungen

Peter
Peter
21 Tage zuvor

Bei den Jahrhundert-Mannschaften ist Nathaniel Green zumindest eine kleine Ungenauigkeit unterlaufen. Hübners beste Weltranglistenposition war 3rd und nicht 6th (nämlich in der FIDE-Ratingliste von Juli 1981).

Kommentator
Kommentator
20 Tage zuvor
Reply to  Peter

Offenbar hat sich Green für die älteren Jahrgänge nicht auf die FIDE-Elo, sondern auf Jeff Sonas’ chessmetrics bezogen (was durchaus sinnvoll ist, wenn der Karrierehöhepunkt vor Einführung der Elozahlen 1971 war – für Hübner trifft das allerdings nicht zu). Übrigens hätte ich eher Jussupow anstelle von Unzicker an 5 erwartet.

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Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
19 Tage zuvor

Man muss auch ein Land besucht haben die alle menschlichen Werte nicht so genau nehmen. Die Behandlung von ihren Frauen reicht von verbrennen bis erstechen, erschlagen oder gleich bei der Geburt begraben. Die Behandlung unterschiedlicher Klassen ihrer Gesellschaft erinnert mich an schlimme Zeiten. Im aktuellen Krieg und Handelskrieg ist Indien auf Seite unseres Klassenfeindes . Indien stört es nicht wenn die Russen eine Hungersnot betreiben und die Vernichtung vieler Menschen als Waffe einsetzten. Von Unterstützung der demokratischen Werte kann man nicht Reden. Die Umwelt und Klimaprobleme sind kaum beherrschbar. Indien könnte eines Tages mit ihren Atomwaffen die Welt oder angrenzende… Weiterlesen »