Rasante Klicks und in der Pause ein Kakao: Georg Meier schlägt Jan-Krzysztof Duda

Es ist schon einige Zeit her, die Pro Chess League steckte noch in den Kinderschuhen, da spielte in diesem neuen Online-Wettbewerb das Team Norwegen gegen das Team Baden-Baden, und der Weltmeister streamte seine Partien live. „Georg is a serious guy“, sprach Magnus Carlsen, bevor er es mit Georg Meier zu tun bekam.

Der polnische Superstar und angehende Top-10-Spieler Jan-Krzysztof Duda wird diese Einschätzung bestätigen. Im Achtelfinale des Banter-Blitz-Cups am Samstag musste er sich eben dieses Georg Meiers erwehren. Und trotz eines nominellen Übergewichts von mehr als 100 Elopunkten unterlag er dem schnellen Deutschen mit 5,5:8,5. Nachdem Donchenko und Blübaum ausgeschieden waren, ist Georg Meier nun der einzig verbliebene Deutsche im Feld.

Drei-Minuten-Blitz wird beim Banter-Cup gespielt, und diese Form des Blitzschachs macht die Zeit zum entscheidenden Faktor. Wenn beiderseits nur noch Sekunden auf der Uhr stehen, dann zählt, wer der Schnellere ist. Und das war in diesem Fall Georg Meier, der sich nach geschlagener Schlacht für seine Verhältnisse zwar exzessiv über „das beste Blitz-Match, das ich je gespielt habe“ freute – aber dennoch nicht rundum zufrieden war. „Unterdurchschnittlich“ fand er sein Bedenkzeit-Einteilung, aber schachlich sei das sehr ordentlich gewesen.

Jetzt wartet das iranische Blitz-Phänomen

Vielleicht trug zum Erfolg bei, dass Meier besser aufgewärmt war als sein Gegner? Vor dem Match hatte er die Zwischenrunde der deutschen Internetmeisterschaft absolviert (siehe weiter unten), wo er sich mit 10/13 für die Endrunde qualifizierte. Nicht zuletzt, so Meier, habe die Tasse Kakao zur Mitte des Matches geholfen, diesen enorm starken Gegner niederzuringen.

Der nächste wird noch stärker: Im Viertelfinale wartet Alireza Firouzja, „das Blitzschach-Phänomen aus dem Iran“, enorm schnell und enorm gut. Einen Termin für diese Begegnung gibt es noch nicht. „Im April wahrscheinlich“, sagt Meier.

Während sich auf chess24 Meier und Duda maßen, trafen sich auf Lichess mehr als 400 Schachfreunde zum freundschaftlichen Vergleich Italien-Deutschland. Kaum waren die Partien gespielt, erreichte uns ein erstes Fazit vom deutschen Organisator Jens Hirneise: „403 Teilnehmer aus 15 italienischen und 15 deutschsprachigen Teams beim gemeinsamen Freundschaftsspiel sowie viele neue Freundschaften. Danke an Luca Cerquitella für die Organisation der italienischen Teams.“

Am heutigen Sonntag ab 20 Uhr gehen die Quarantäne-Ligen auf Lichess in die zwölfte Auflage: zehn Ligen von der Quarantäne-Bundesliga über die zweite Liga bis zur zehnten, voraussichtlich an die 1.000 Teilnehmer. Mitmachen kann jeder, der einem der teilnehmenden Teams beitritt. Und auch die Tendenz zu internationalen Team-Vergleichen geht weiter: Am 4. April steht der erste Team-World-Cup auf dem Lichess-Quarantäneschach-Turnierplan.

Die einzige Deutsche Meisterschaft

Am Tag des Meier-Duda- und des Italien-Deutschland-Matches stand auf playchess die Zwischenrunde der Deutschen Internetmeisterschaft auf dem Programm, anders als die obigen ein Turnier, das Breiten- und Spitzenschach verbindet.

Über mehr als 1.100 Teilnehmer in vier Vorrunden hatten sich der Schachbund und ChessBase gefreut. Nun galt es, die acht Spieler zu ermitteln, die sich für die Endrunde qualifizieren. Dort werden sich vier deutsche Schachmeister dazugesellen, die einen Freiplatz bekommen. Diese zwölf werden bei der Endrunde um 3.500 Euro Preisgeld streiten.

Vor mehr als einem Dutzend Großmeistern gewann Beinahe-GM und Ex-Zoodirektor Ilja Schneider die Zwischenrunde. Die Spieler mit 9,5/13 mussten per Stichkampf klären, wer in die Endrunde einzieht. | Screenshot: Schachbund

Erst einmal hängen Qualifikanten und Anwärter auf einen Freiplatz in der Endrunde in der Luft. Die Endrunde der Internetmeisterschaft soll am 9. Mai während des Schachgipfels in Magdeburg gespielt werden. Weil derzeit wegen der Coronakrise ein Turnier nach dem anderen ausfällt, haben wir beim Pressesprecher des Schachbunds angefragt, wie es um den Gipfel steht. Eine Antwort haben wir nicht bekommen.

In Ermangelung einer offiziellen Stimme müssen wir uns aus den Stimmen des Schach-Buschfunks zusammenreimen, wie die Lage ist. In Sachen Gipfel ist die nicht gut. Kaum jemand rechnet ernsthaft damit, dass er stattfindet.

Generell gibt es für Mai noch keinerlei offizielle Regelung, die eine Großveranstaltung welcher Art und wo auch immer widerrechtlich machen würde. Darum hätte es für Veranstalter erhebliche Stornokosten zur Folge, eine solche Veranstaltung jetzt aus eigenen Stücken abzusagen, bevor eine Regelung in Kraft tritt, die sie verbietet.

Eine Kampagne? Die Dynamik aufnehmen?

Für das Schach generell ist die Lage gleichwohl rosig. Die Boomsportart Quarantäneschach boomt immer weiter, die Schach-Server erleben einen nie dagewesenen Ansturm, wie sich aus den obigen Zeilen ablesen lässt. Womöglich erleben wir demnächst eine Schacholympiade online? National hatte der Schachbund bis zum gestrigen Samstag die Chance, mit der einzigen laufenden Deutschen Meisterschaft des Sports überhaupt Schlagzeilen zu machen.

Und so müssen wir noch einmal hervorkramen, was Schachfreund Jan Fischer, Öffentlichkeitsreferent des Schachbezirks Oberfranken, schon vor zwei Wochen festgestellt hat:

Zwei Wochen später hat Fischer immer noch Recht. Leute, die seine Anregung aufnehmen könnten, gäbe es genügend: Beim Schachbund haben sie einen für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Vizepräsidenten, einen für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Referenten und einen Geschäftsführer, der nach Wahrnehmung seines Präsidiums „etwas von Marketing versteht“.

Obendrein haben sie einen Pressesprecher. Der hat seit zwei Wochen eine Anfrage dieser Seite vorliegen: „Gibt es eine Kampagne des DSB, um die aktuelle Dynamik aufzunehmen und voranzutreiben? Was sind eure Pläne für die kommenden Wochen?“ Eine Antwort haben wir nicht bekommen.

In Ermangelung einer offiziellen Stimme müssen wir uns aus den Stimmen des Schach-Buschfunks zusammenreimen, wie die Lage ist. In Sachen „Kampagne? Dynamik aufnehmen?“ ist die nicht gut. Aus dem Busch erschallt eine Gegenfrage: „Machen die gerade überhaupt irgendetwas?“

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