Schach-Olympiade auf 2021 verschoben / Ersatzolympiade online?

Die 44. Schach-Olympiade, geplant im August in Moskau, fällt aus. Das hat jetzt die FIDE bekanntgegeben. Stattdessen könnte 2020 die erste Online-Schach-Olympiade ausgetragen werden, die erste internationale Großveranstaltung des Schachs, die im Internet stattfindet. „Wir denken darüber nach. Online ist die Marschrichtung für die kommenden Monate“, bestätigte jetzt FIDE-Direktor Emil Sutovsky auf Facebook.

Dass die 44. Schacholympiade wackelt, deutet sich schon seit Tagen an. Bereits am 20. März hat die FIDE laut einem Tweet des Journalisten Stefan Löffler allen Schachföderationen nahegelegt, keine Tickets zu kaufen, zumindest keine, die sich nicht rückerstatten lassen. Jetzt ist klar, dass das Turnier auf 2021 verschoben wird.

Warum die Schach-Olympiade zumindest als Offline-Turnier ausfällt, ist offensichtlich. Das Corona-Virus macht Großveranstaltungen unmöglich, und es ist unklar, wie lange das so bleibt. Natürlich würde eine Schach-Olympiade mit mehr als 2000 aus aller Welt anreisenden Spielern, Betreuern, Schiedsrichtern in die Kategorie „unmöglich“ fallen.

Die eigentlich für Mai geplante Entscheidung fiel am selben Tag, an dem Japans Premierminister verkündete, die Olympischen Sommerspiele um ein Jahr zu verschieben. Und sie fiel wenige Tage, nachdem die Fußball-Europameisterschaft verschoben worden war. Unter diesen Umständen mochte die FIDE nicht länger warten, ihre Sorge wegen der sich ausbreitenden Pandemie zu demonstrieren. Wegen des gerade laufenden Kandidatenturniers steht der Schach-Weltverband ohnehin unter Rechtfertigungsdruck.

Idealer Kandidat, den Spielbetrieb ins Netz zu verlegen

Nun genießen wir beim Schach gegenüber allen anderen Sportarten den Vorteil, dass wir unseren Spielbetrieb ins Internet verlegen können. Der ungeregelte Spielbetrieb ist dort längst angekommen. Die beiden größten Schachplattformen, chess.com und lichess.org, haben im Lauf des März 30 bis 40 Prozent mehr Zulauf als normal registriert, Tendenz steigend.

Online ist Schach längst ein eSport. Die Schach-Olympiade online wäre auf Anhieb eines der größten eSport-Events überhaupt. | Foto: Pro Chess League

Föderationen ebenso wie Vereine rund um den Globus richten Tag für Tag Wettbewerbe im Netz aus. Während die Offline-Bundesliga Pause hat (und um ihre Endrunde bangt), hat die von RochadeEuropa-Chefredakteur Jens Hirneise aus dem Boden gestampfte deutschen Quarantäne-Bundesliga auf Lichess Abend für Abend hunderte Mitspieler, auch hier mit steigender Tendenz.

Eine Ersatz-Olympiade online wäre nun das erste Turnier aus dem regulären internationalen Spielbetrieb, das ins Internet überführt wird. Ein idealer Kandidat. Die Schach-Olympiade ist nicht Teil eines Zyklus‘, dessen Abschnitte unter den gleichen Bedingungen ausgetragen werden müssen.

Für die Föderationen wäre der Aufwand zu stemmen: Sie müssten ihre Vierermannschaften an einem Ort mit stabilem Internet unter Aufsicht eines Schiedsrichters versammeln – machbar. Und jeder Föderation stünde frei, „ihre“ Schach-Olympiade in ein Offline-Event für Zuschauer zu verwandeln.

Die deutschen Nationalspieler Rasmus Svane und Matthias Blübaum auf dem Weg zum Match bei der Schacholympiade 2018. Das wird 2020 womöglich anders aussehen. | Foto: FIDE
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