Mehrere Quarantäne-Optionen für Chinas WM-Kandidaten Ding Liren

Quarantäne hin, Coronavirus her: Wang Hao und Ding Liren werden mit höchster Wahrscheinlichkeit am Kandidatenturnier teilnehmen. Das hat jetzt einen Monat vor Beginn des Turniers Emil Sutovsky, Generaldirektor der FIDE, in einem Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur Sputnik klargestellt.

Emil Sutovsky.

Weil Wang Hao sich seit Wochen in Japan aufhält, wird er wahrscheinlich um eine Quarantäne herumkommen. Für Ding Liren gilt das nicht. Die Nummer drei der Welt sitzt daheim in der elterlichen Wohnung, darf sie kaum verlassen, und bereitet sich via Skype auf das Kandidatenturnier vor. Wie er seine Quarantäne absitzen wird, ist offen, aber Emil Sutovsky geht davon aus, dass sich ein Weg findet, mit dem er leben kann.

Emil Sutovsky über …

… Ding Liren und Wang Hao

Für Ding Liren greift die Quarantäneregelung in der Region Jekaterinenburg. Wir haben ihm und der chinesischen Föderation mehrere Optionen angeboten, damit umzugehen. Ding könnte zwei Wochen in Moskau in Quarantäne gehen. Er könnte sich auch zeitig in ein anderes Land begeben und von dort anreisen. Wang Hao ist in Japan. Er wird von dort nach Jekaterinenburg fliegen.

… einen potenziellen Nachrücker

Ich bin nicht bereit, mich über solche Eventualitäten öffentlich auszulassen. Es gibt ein klares System, nach dem Spieler nachrücken würden. Erster Nachrücker wäre Maxime Vachier-Lagrave. Ein solches Szenario halte ich jedoch für äußerst unwahrscheinlich.

… Favoriten fürs Kandidatenturnier

Die Elozahlen spiegeln die Favoritenrollen: Fabiano Caruana und Ding Liren haben die besten Chancen zu gewinnen. Caruana halte ich für den Favoriten. Er ist seit fast sechs Jahren die Nummer zwei der Welt – und wird wegen seiner bescheidenen, zurückhaltenden Art doch noch von vielen unterschätzt. In Wijk an Zee haben wir jetzt gesehen, wozu er in der Lage ist. Und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob das sein bestes Schach war.

… Teimour Radjabov

Sein Sieg beim World Cup war in gewissem Maße eine Überraschung. Niemand bezweifelt sein Talent, jeder weiß, wozu er in der Lage ist, aber er hatte lange nichts Bedeutendes gewonnen. Beim Kandidatenturnier wird ihm Sergej Karjakin helfen, das ist bestimmt ein Faktor. Ähnlich wie Teimour kann Sergej auf den Punkt Bestleistung abrufen. Und er bringt die Erfahrung als WM-Herausforderer und WM-Kandidat ein.

… Coca-Cola und Tesla

Ein Turnier mit einem Budget von 1,5 Millionen Dollar auf die Beine zu stellen, ist nicht so leicht. Darum haben wir für dieses Jahr beschlossen, das Wildcard-System zu behalten. 2022 wollen wir es beenden. Bedingung dafür ist, dass das Kandidatenturnier ein solches Interesse weckt, dass sich potenzielle Organisatoren finden. Auch darum habe ich mich zuletzt mit führenden Köpfen von Konzernen getroffen: Coca-Cola und Pepsi, Cisco, Tesla, Total. Das Interesse am Schach ist groß, aber es liegt noch einige Arbeit vor uns.

… LeelaZero und Fat Fritz

Wir werden viele Eröffnungen sehen, die von Neuronalen Netzen inspiriert sind. Diese Technik tritt immer mehr in den Vordergrund, traditionelle Engines spielen keine so große Rolle mehr. Experten können diese Entwicklung schon am Schach von Fabiano Caruana und Magnus Carlsen ablesen: Material zählt nicht mehr so viel, andere Faktoren werden wertvoller.

Update, 19. Februar: Das Sutovsky-Interview war gerade veröffentlicht, da ging die Nachricht um die Welt, Russland werde diese Woche ein Einreiseverbot für Chinesen verhängen:

Emil Sutovsky sagte auf Anfrage dieser Seite, diese Entwicklung sei ihm bewusst gewesen, als er das Interview gab. Sie betreffe das Kandidatenturnier wahrscheinlich nicht. Wenig später veröffentlichte Sutovsky dieses:

Ausgelost: die Paarungen des Kandidatenturniers

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