Bärenstarke Bierstube

Mittlerweile ist so viel Schachbetrieb, dass die großen Veranstaltungen einander überschneiden. Am Sonntag war es nicht nur der Deutschland-Cup des DSB, der mit den Quarantäneligen kollidierte.

Insbesondere die Schachfreunde des Düsseldorfer SK 1914/25 schauten mit gespaltenem Herzen bei der Online-Europameisterschaft zu. Dort hatte der in der Quarantäneliga für Düsseldorf spielende Georg Meier das Finale der letzten 16 erreicht, und wahrscheinlich wünschte ihm niemand, er möge bald ausscheiden. Andererseits: Würde Meier bei der EM weit kommen, könnte er nicht für Düsseldorf Quarantäne-Bundesliga spielen.

https://twitter.com/DSK1425/status/1267567812400332802
Nach seinem Ausscheiden bei der EM wurde Georg Meier zweitbester Spieler der Quarantäne-Bundesliga, knapp übertrumpft nur von seinem Nationalmannschaftskollegen Rasmus Svane.

Es ist spannend zu verfolgen, in welchem Maße die Quarantäneligen die deutschen Vereine neu sortieren. Mit den Düsseldorfern hat es nun ein Zweitligist geschafft, sich als bester heimischer Verein zu platzieren, dahinter mit dem SV Wattenscheid ein Oberligist (diesmal ohne Alexander Morozevich), dann erst die beiden Bundesligisten Hamburger SK und SV Mülheim Nord.

Noch bemerkenswerter als der Erfolg der mit veritablen Gastspielern verstärkten Düsseldorfer und Mülheimer ist, wie sich der auf nationaler Ebene wenig bekannte SC Grunbach in der ersten Liga etabliert hat. In der ewigen Bundesliga-Tabelle liegen die Grunbacher mittlerweile auf Rang vier. Das Geheimnis ihres Erfolgs, das Engagement von Andrej Durica, haben wir unlängst beleuchtet, siehe diesen Beitrag.

Wer ist P M Mohanty? Diese Frage stellt sich unmittelbar beim Blick auf die Schlusstabelle der Bundesliga. Der neue Meister, ein Team aus Indien, hat sich nach diesem vor drei Jahren gestorbenen Schachfreund benannt, dessen Andenken im indischen Bundesstaat Odisha (42 Millionen Einwohner!) in Ehren gehalten wird. Wer P M Mohanty war, lässt sich hier nachlesen.

Andreas Heimann vom Team Lörrach lieferte sich mit Erik Blomqvist vom SK Rockaden aus Stockholm (größter Schachclub Schwedens) ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Torjägerkanone in Liga 4a. Die Liga gewannen allerdings die ausgeglichener besetzten Bayern.

Womöglich bekommen die Offline-Bundesligisten Hamburg und Mülheim in der Quarantäne-Bundesliga demnächst Gesellschaft von ihresgleichen. Dass der FC Bayern München in den Quarantäne-Spielbetrieb eingestiegen ist, haben wir unlängst gemeldet. Die Bayern sind nun in Liga drei angekommen und stehen am kommenden Donnerstag vor der heiklen Aufgabe, durchs Nadelöhr zu schlüpfen.

Vor vier Jahren gelang es den Solingern noch einmal, die Serienmeisterschaften der OSG Baden-Baden zu unterbrechen. Den Status „FC Bayern des Schachs“ hatten sie da aber längst nach Baden-Baden abgeben müssen.

Vor einigen Jahrzehnten war die SG Solingen im deutschen Schach das, was der FC Bayern im Fußball ist. Diese Rolle hat nun die OSG Baden-Baden übernommen, aber ein ambitionierter Bundesligist ist die Schachgesellschaft (Heimatverein von Bundesligapräsident Markus Schäfer) immer noch. Nun wird sich zeigen, wie ambitioniert die Solinger im Quarantäne-Spielbetrieb sind. Im mittlerweile auf zwölf Ligen angewachsenen Spielbetrieb haben sie sich jetzt in die sechste Liga hochgekämpft. Vielleicht kommt ja demnächst das Solinger Spitzenbrett Anish Giri zum Einsatz?

Liga sieben war noch eine Nummer zu klein für Bundesligist SG Solingen. Bei Team Huschi hängt derweil viel davon ab, ob Huschi mitspielt. Das tat er dieses Mal nicht.

Ein kleiner Verein, der nach Großem strebt, kann sich nach oben hangeln, indem er sich einer Bezirksspielgemeinschaft anschließt. Im Sauerland wird das so gehandhabt, wir haben mehrfach berichtet, im Murgtal auch. Die Homepage von Rochade Kuppenheim begleitet den Aufstieg des Murgtaler Ensembles, angeführt von Großmeister Philipp Schlosser. Mittlerweile spielt das Murgtal gar mit zwei Mannschaften Quarantäneliga, und die erste war jetzt zum ersten Mal Drittligist.

Philipp Schlosser. | Foto: Georgios Souleidis

Einen ähnlichen Weg geht die Bierstube München, kein Verein, sondern ein Zusammenschluss Münchner Schachfreunde, denen das Stammlokal abhanden gekommen ist, besagte Bierstube. Von Beginn an war das Team in den Quarantäneligen dabei, angeführt von Blitzspezialist Maximilian Berchtenbreiter hat es gar drei Mal den Titel gewonnen. Bis vor kurzer Zeit führte die Bierstube mit weitem Abstand die ewige Bundesligatabelle an.

Jetzt führt sie immer noch, aber die Konkurrenz holt auf, derweil die Münchner aus der ersten Liga abgestiegen sind und keine Punkte mehr sammeln konnten. Um das zu reparieren und sich wieder im Oberhaus festzuspielen, ist die Bierstube eine Kooperation mit dem deutschen ProChess-League-Team „Germany Bears“ eingegangen. Und die führte sogleich zur Rückkehr in Liga eins.

Die bärenstarke Bierstube steigt auf, ebenso wie das russisch-serbische „Team Alpha“. Dessen Spitzenspieler IM Ivan Sredojevic glänzte mit einen Fabelergebnis.
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