Erbarmen! Die Bayern kommen!

Jubiläum! Zum 25. Spieltag der Quarantäneligen waren 3.931 Spieler in 32 Ligen angemeldet. Wir können absehen, dass bald die 4.000er-Marke geknackt wird. Vielleicht schon diesen Sonntag?

Nicht nur quantitativ, auch qualitativ geht es bergauf. Die Abschlusstabelle der Quarantäne-Bundesliga offenbart drei Fünftel der deutschen Nationalmannschaft, die 2018 die Schacholympiade gerockt hat. Oder gar mehr als das? Vielleicht spielen ja auch Liviu Dieter Nisipeanu und Matthias Blübaum unter dem Deckmantel der Anonymität mit?

Der deutsche Internet-Blitzmeister Daniel Fridman für den SV Mülheim-Nord (ledinavelosipede), Georg Meier für den Düsseldorfer Schachklub 1914/25 (als Aufsteiger auf Anhieb Bronze!) sowie Rasmus Svane (sumsar42) für den Hamburger SK sind jedenfalls sicher dabei, Letzterer als bester Spieler der Liga. Und wer ein bisschen genauer hinschaut, findet internationale Stars wie Bassem Amin, Andrew Tang oder Nils Grandelius in den Reihen der Erstligateams. Ganz schön knackig.

Und von hinten kommt immer mehr nach, zum Beispiel aus dem Alpenvorland. Offline-Bundesligist FC Bayern München ist jetzt in die Quarantäneligen eingestiegen – und hat die Bayerische Schachjugend im Schlepptau, bei der kein Geringerer als GM Leon Mons das Team anführt. Wir dürfen annehmen, dass speziell der FCB, womöglich auch die bayerische Jugendvertretung noch ein wenig klettern. Ob es die Bayern so weit schaffen, dass wir den Fußball-Klassiker gegen Hamburg demnächst auch in den Schach-Quarantäneligen sehen?

Aufzusteigen wird immer schwieriger, die Ligen werden immer stärker, und wer es bis fast ganz oben geschafft hat, der muss erst einmal durch das Nadelöhr dritte Liga. Dadurch wollten dieses Mal unter anderem die mächtigen Stuttgarter Schachfreunde 1879 schlüpfen. Die Stuttgarter hatten versucht, im Sinne eines Aufstiegs in Liga zwei möglichst viele spielstarke Schachfreunde an die Bretter zu bringen, das gelang einigermaßen – nur sind eben die anderen Drittligisten auch sehr stark.

Selbiges gilt für die anderen Fünftligisten. Der Krefelder Aufruf an die Cracks aus der ersten und zweiten Mannschaft, nun bitte mitzuhelfen, ist zwar nicht gänzlich verhallt, dennoch bleibt der Krefelder Schachklub Turm 1851 vorerst Fünftligist.

Vor wenigen Tagen erst haben wir hier vom Aufstieg des ostwestfälischen Offline-Regionalligisten Brackweder Schachklub von 1924 in die vierte Liga berichtet. Am 25. Spieltag waren die Brackweder wieder in Liga sechs angekommen. Zwei Abstiege in Folge, nicht schön, einerseits. Andererseits hält auch die sechste Liga immer noch genug attraktive Gegner bereit, sodass sich leicht Motivation findet:

Der FC St. Pauli marschierte in der Liga 6A vorneweg, im Schlepptau die Elberfelder Schachgesellschaft 1851 sowie der Lübecker Schachverein von 1873, in dessen Reihen DSB-Präsident Ullrich Krause mit 40 Punkten zum Aufstieg in Liga fünf beitrug.

Trost findet sich angesichts der Klasse der Gegenspieler ebenso leicht wie Motivation, wenn es am Ende des Schachabends noch einmal abwärts geht:

Außerdem, noch ein Trost, winkt den Ottonormal-Siebtligisten nun ein Vergleich mit der Meisterriege des FC Bayern sowie mit der bayerischen Jugend, die am Sonntag den Sprung in Liga sechs angehen wollen.

Auszug aus der kommenden Ausgabe der Rochade Europa.
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