Als der schnelle Andrew beim Quarantäneschach vorbeischaute

Gäbe es eine Bullet-Weltrangliste, auf den ersten vier Plätzen stünden wahrscheinlich diese Herren: Alireza Firouzja, Hikaru Nakamura, Magnus Carlsen – und Andrew Tang. Der US-GM und Spezialist für schnelle Bedenkzeiten tauchte am Sonntag zum 19. Spieltag in der Quarantäne-Bundesliga auf und half seinem Team „The House Discord Server“ bei der erfolgreichen Titelverteidigung.

Wie es seine Art ist, tat Tang das sehr schnell. Er spielte vier Partien, jede davon im Berserker-Modus (mit halber Bedenkzeit). Tang gewann diese vier Partien, dann wandte er sich anderen Dingen zu. Aber die von ihm flugs eingesammelten 16 Punkte sorgten für einen mehr oder weniger komfortablen Abstand seiner Mitspieler zu den Schachfreunden Heidesheim, die dieses Mal als beste deutsche Mannschaft auf Rang zwei landeten vor dem OSC Rheinhausen auf Rang drei.

Die Bundesliga-Abschlusstabelle.

In Reihen der Rheinhausener finden wir Schachfreund IM Dirk Schuh, „ein IMchen aus Bielefeld“ laut seinem Lichess-Profil. Von Schuh ist bekannt, dass er krumme Eröffnungen spielt im Bielefelder Stadtteil Brackwede beim Ex-Verein des Schreibers dieser Zeilen als Trainer aushilft.

Beißt sich Grunbach oben fest?

Wäre es nicht angemessen, als Ortsansässiger und Coach dem in der sechsten Liga darbenden Brackweder SK auszuhelfen, anstatt mit Rheinhausen eh nicht Meister zu werden? Immerhin, bravo!, gelang den Brackwedern auch ohne Schuh und mit einem Mann zu wenig der Klassenerhalt in Liga sechs. Aber da wäre mehr drin, wenn alle mitmachen und Schuh die ostwestfälische Gurkentruppe anführt.

Wir sehen uns Donnerstag?

Beim Vorsitzenden des altehrwürdigen Kölner SK Dr. Lasker 1861 hat unsere Berichterstattung über den 18. Spieltag Verdruss ausgelöst. Sein Verein war zwar als einziger von 100 mit einem Link zur Vereinshomepage sowie einem Link zum Vereins-Twitch vertreten, doch derlei Vorzugsbehandlung verblasst, wenn im Text das freche Wörtlein „Fahrstuhlmannschaft“ auftaucht.

Die Aufsteiger in Bundesliga 1. Die Identität der nigerianischen Prinzen haben wir auf die Schnelle nicht ermitteln können.

Aber ob das so falsch war? Nach dem Abstieg am Donnerstag sind Kölner nun wieder in die erste Liga aufgestiegen. Mögen sie am Donnerstag in der ersten Liga die Klasse halten, dann verkneifen wir uns künftig den Fahrstuhl. Kleiner Tipp: dem Beispiel des SC Grunbach folgen. Der ist von ganz unten nach ganz oben durchmarschiert und scheint sich nun festzubeißen.

Huschi und der große Grieche

Neben den Kölnern ist jetzt der mächtige Hamburger SK von 1830 in die erste Liga zurückgekehrt. Bringen die Hamburger am Donnerstag alles ans Brett, was sie haben (Duda? Sarin?), dann wird den Schachfreunden vom House Discord Server kein Tangscher Kurzeinsatz reichen, um sich abermals den Titel zu sichern.

Abzusehen ist gleichwohl, dass die Hamburger auf zwei ihrem Verein eng verbundene Schachmeister verzichten müssen. Die Schachfreunde Niclas Huschenbeth und Georgios Souleidis haben nämlich die Quarantäneligen als Marketinginstrument in eigener Sache entdeckt – und eigene Teams gegründet, Team Huschi und Team großer Grieche.

Schlauer Zug! Wir werden verfolgen, wohin deren Reise geht.

Die ewige Tabelle der Quarantäneligen.

Ungerecht behandelt fühlen sie sich nicht nur in Köln, auch in München. Weil die dortige Studentenkneipe Bierstube geschlossen hat und die ansonsten dort versammelten Schachmeister verschiedener Münchner Vereine nun zu Hause sitzen, haben sie ein Quarantäneliga-Team gegründet und selbiges nach ihrem Stammlokal benannt. Und eben dieses Team Bierstube, das sollte erwähnt werden, führt tatsächlich die ewige Tabelle an.

Darauf eine Maß.

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