Vizeweltmeister Magnus Ermitsch, Bronze für Leonardo Costa

Zwei Medaillen für die 20-köpfige deutsche Delegation bei den Jugendweltmeisterschaften: Magnus Ermitsch aus Berlin ist Vizeweltmeister U14. Leonardo Costa aus München kehrte mit einer Bronzemedaille von der U16-WM heim. Die Titelkämpfe von der U14 bis U18 und U14w bis U18w sind jetzt in Italien über die Bühne gegangen.

WM-Silber für Magnus Ermitsch (links), Bronze für Leonardo Costa (rechts). | Foto: Bernd Vökler/DSB, FIDE

Vor der elften und letzten Runde hatten die Deutschen gar auf drei Medaillen gehofft. Michelle Trunz, die in der U16 weiblich auf dem dritten Rang lag, bekam in der letzten Runde die nominell deutlich stärkere, führende Chinesin zugepaart. Die Partie mit Höhen und Tiefen schien laut DSB am Ende auf eine Punkteteilung hinauszulaufen, aber dann führte ein Fehler zum Verlust. Trunz wurde Sechste einen halben Punkt hinter dem Bronzerang.

Die deutsche Delegation war mit einer ganzen Reihe potenzieller Medaillenkandidaten angetreten. Aber bei Marius Deuer in der U16 lief es schlecht, auch bei Hussain Besou in der U14. Bei den anderen lief es nicht gut genug.

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Magnus Ermitsch schien sogar auf Weltmeisterkurs zu sein. Mit einer Elozahl von 2206 an 33 gesetzt, führte der Berliner vor der letzten Runde mit 8,5/10 (!) den Wettbewerb an und bog auch in der letzten Partie bald wieder auf die Siegerstraße ein. Leider sollte sein Freibauer auf der vorletzten Reihe nicht durchlaufen. Ermitsch verlor und fiel auf den zweiten Platz zurück.

Was in der letzten Runde passiert sei, bedürfe noch einer Untersuchung, befand DSB-Trainer Michael Prusikin. Ansonsten habe Magnus im besten Sinne solide gespielt: “Musste er angreifen, griff er an; musste er verteidigen, verteidigte er. Alles in allem sehr erfolgreich.”

Unterm Strich steht trotz der Niederlage zum Abschluss neben einer WM-Medaille eine 2411-Peformance, die Ermitsch ein Eloplus von fast 67 Punkten beschert. Sein Ergebnis ist sogar historisch. Seit 1989 hat kein Deutscher in der U14 eine WM-Medaille gewonnen. Damals holte der spätere Großmeister Christian Gabriel Bronze hinter einem gewissen Veselin Topalov und dessen späteren Dauerkonkurrent Vladimir Kramnik.

Den Sessel seines großen Namensvetters hat er schon ausprobiert. Im Video: Magnus Ermitschs Erstrundenpartie aus der U14-WM.

Leonardo Costa war mit Rückenwind nach Italien gereist. Unmittelbar vorher hatte er sich bei einem Normturnier in Ungarn die noch fehlende IM-Norm aus einem Rundenturnier und damit den IM-Titel gesichert. Den daraus resultierenden Schwung nahm er mit in die Weltmeisterschaft. Nachdem er mit 6,5/7 (!) gestartet war, steckte Costa in der siebten Runde eine Niederlage gegen den Co-Führenden IM Jakub Seemann aus Polen weg.

Aus den drei letzten Runden erzielte der 15-Jährige 2,5/3, darunter ein Sieg gegen seinen Landsmann Bennet Hagner. Auch der war als Sieger des stark besetzten U25-Opens in Berlin mit Rückenwind nach Italien gereist und spielte ein starkes Turnier. Noch stärker allerdings war die Performance von Costa, der dank einer 2579-Performance knapp 48 Elo gewonnen hat.

Leo sei “viel stabiler geworden”, sagte sein Ex-Trainer Prusikin, der ihn während der WM betreute. Er habe starke Nerven und könne sich und die Gegner sehr gut einschätzen.

Auf den “Deutschen Meister” 2022 und dessen Coach Roman Vidonyak wartet sogleich die nächste Gelegenheit zu zeigen, wie gut es läuft. Am 11. Dezember beginnt in Rosenheim das “German Masters”, wo er es mit fast der kompletten Nationalmannschaft zu tun bekommt – und mit seinem Ex-Trainer Michael Prusikin. Nur einer von Gustafssons Eurofightern fehlt in Rosenheim, wie auf dieser Seite schon angekündigt: Vincent Keymer nimmt am Turnier der besten deutschen Spieler nicht teil.

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Jörg Sonnenberger
Jörg Sonnenberger
2 Monate zuvor

“Ermitsch verlor und fiel auf den dritten Platz zurück.” Wie bekam er dann Silber?

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