Tata Steel Chess: Carlsen führt vor Giri – der Ticker zum Superturnier in Wijk an Zee (Runde 9 und 10)

Tata Steel Chess, die Langstrecke zu Beginn eines jeden Schachjahres: Auch bei der 84. Auflage des Traditionsturniers im Küstenort Wijk an Zee (15. bis 30. Januar 2022) spielt ein erlesenes Feld von 14 Teilnehmern 13 Runden. Im parallelen “Challengers” ist mit dem einstigen U16-Weltmeister IM Roven Vogel (21) ein deutscher Meisterspieler mit von der Partie. Rundenbeginn täglich 14 Uhr. Hier bist du stets auf dem Stand des Geschehens.

“Runde 10: Schwarz ist okay”:
Bericht zur zehnten Runde auf chess.com

“Vier Straßenkämpfe, ein schnelles Remis”:
Bericht zur zehnten Runde auf chess24

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Tabelle nach zehn Runden:

via chess24

|| Ruhetag, 27. Januar

|| Runde 10, 26. Januar

Post-Partie-Drama

■ Die mit Abstand längste Partie des Turniers haben Sergey Karjakin und Magnus Carlsen gespielt. Zumindest, wenn wir die Dauer des anhaltenden Twitter-Dramas um die Partie mitzählen.

Richie kann auch regulär

Richard Rapport hatte nach seinem ersten Schwarzsieg über Fabiano Caruana allen Grund, froh zu sein. War er aber gar nicht, er litt mit seinem Gegner, dem ein Fehler unterlaufen war. Trotzdem: In erster Linie war es eine technisch saubere, instruktive Glanzleistung des Ungarn, der nun wieder einen Zähler hinter dem Spitzenreiter steht.

Verfolgerbesieger

■ Die Kreuztabelle der A-Gruppe offenbart in der Zeile hinter dem Namen “Carlsen” ein kurioses Bild. Normalerweise stehen in diesen Zeilen tendneziell links die Nullen und die halben Punkte, rechts stehen die Einsen. Aber anstatt sich an der unteren Tabellenhälfte gütlich zu halten, hat Carlsen in erster Linie diejenigen besiegtdie oben mitspielen. Dass sich der Weltmeister einen halben Punkt Vorsprung auf Anish Giri sowie einen ganzen auf Shakhriyar Mamedyarov und Richard Rapport erarbeitet hat, liegt daran, dass er jedem dieser Verfolger den vollen Zähler abgeknöpft hat.

Straßenbahnbauern

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Straßenbahn auf der c-Linie.

■ Die isolierte Trippelbauernformation, die Anish Giri und Jan-Krzysztof Duda auf dem Brett hatten kennen wir als “Irisches Bauernzentrum”. Die Entstehungsgeschichte dieses von Tony Miles geprägten Begriffs haben wir einst beleuchtet. Aber nach der Partie gegen Giri offenbarte der Pole, dass “Irisches Bauernzentrum” keine universell weltweit verwendete Bezeichnung ist. Die Polen haben dafür einen eigenen Namen kreiert, einen wunderbar anschaulichen: “Straßenbahnbauern” (“Tramwajarskie piony”). Die Straßenbahnbauern auf der c-Linie seien die Helden der Partie gewesen, teilte Duda via Twitter mit.

WM 2016

■ Bald ist es sechs Jahre her, dass Sergej Karjakin nach der Krone griff – und von allen WM-Herausforderern der Carlsen-Ära die beste Chance hatte, den König vom Thron zu stoßen. Heute in Wijk eine Neuauflage des WM-Matches 2016. Karjakin hat Weiß, und der wahrscheinlichste Verlauf ist, dass der Russe, mittlerweile die Nummer 17 der Welt (aber erneut WM-Kandidat), in erster Linie versuchen wird, frühzeitig die Luft aus der Partie zu lassen. Wenn ihm das gelingt, könnte Anish Giri aufschließen. Giri vs. Jan-Krzysztof Duda klingt wie eine Paarung, in der jedes Ergebnis möglich ist.

Sergej Karjakin in Wijk am Brett. | Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess

|| Runde 9, 25. Januar

>2900

■ Während im “Masters” ein halber Punkt zwischen dem Führenden und seinem ersten Verfolger liegt, hat sich im “Challengers” Arjun Erigasi mit 8/9 und einer Performance jenseits der 2900 schon zwei Punkte vom Feld abgesetzt. In diesem Jahr bleibt den versammelten Supertalenten nichts anderes, als den 18-jährigen Inder davonziehen zu lassen. Positiver Nebeneffekt: 2023 wird er im Masters spielen, dann hat zum Beispiel der französische Wunderknabe Marc Andria Maurizzi eine neue, wahrscheinlich bessere Gelegenheit, selbst um den Sieg in der B-Gruppe zu kämpfen.

Wie Marc Andria Maurizzi Lucas van Foreest besiegte – obwohl es lange gar nicht danach ausgesehen hatte.

Ganz einfach

■ Im Nachhinein könnte dieses als die Partie gelten, die das Turnier entschieden hat. Vier Runden vor Schluss führt Magnus Carlsen jetzt alleine, nachdem er Shakhriyar Mamedyarov scheinbar mühelos abgefertigt hat. Anish Giri erscheint wie der einzige Kontrahent, der nach nun vier vollen Punkten in Folge dem Norweger noch in die Suppe spucken könnte.

Siegeswille

Anish Giri hat jetzt vier Mal in Folge gepunktet, ein Mal davon kampflos, und liegt einen halben Zähler hinter Magnus Carlsen. Giri zeige enormen Siegeswillen – inklusive dem Willen, Partien lieber kampflos zu gewinnen, anstatt sie auf den spielfreien Tag zu verschieben, ätzte Carlsen nach seinem Erfolg über Shakhriyar Mamedyarov. Und heizte damit in Sachen Maskenfrage die Spekulation neu an. Offenbar wäre Giri bereit gewesen, mit Maske gegen Daniil Dubov zu spielen. Wusste Dubov davon? Gab es entgegen der Auskunft der Organisatoren doch ein Angebot, die Partie zu verlegen? Oder wollte Carlsen nur ein wenig gegen seinen sportlichen Verfolger und Lieblingstwitterwidersacher sticheln? Das fragt sich nicht nur Daniel King.

Rotation

■ Gäbe es einen führenden Figurenzwirbler, es wäre Boris Gelfand, der Partie für Partie mit Inbrunst Figuren zwischen den Fingern rotieren lässt, während es in seinem Oberstübchen arbeitet. Aber jetzt offenbart sich auch Daniil Dubov als Ausnahmekönner. Ob er das extra übt?

https://twitter.com/ChesscomLive/status/1485994147211325448

Mehr Gambit, bitte

■ Ob die Schachfreunde Carlsen und Mamedyarov heute in Gambit-Laune sind? Ausgrechnet die beiden Führenden waren es, die sich eröffnungstechnisch bislang am meisten getraut haben: Carlsen mit seinem Schara-Hennig-Gambit gegen Sam Shankland

Was Vize-Admiral Heinz von Hennig 1929 in Duisburg zum ersten Mal probiert hat, übernahm Magnus Carlsen 93 Jahre später in Wijk an Zee.

…und Mamedyarov mit seiner Shakh-Attack gegen Andrey Esipenko:

Wenn es heute ab 14 Uhr zwischen Magnus Carlsen und Shakhriyar Mamedyarov darum geht, sich mit einem Sieg vom Feld abzusetzen: Bitte mehr davon!

Wer gegen wen spielt

■ Die heutigen Paarungen, die das Organisationsteam wie vor jeder Runde in kleine Clips mit verschränkten Armen verwandelt hat, wie sie vor einigen Jahren beim Fußball aufgekommen sind und nun auch beim Schach zum Social-Media-Standardrepertoire gehören.

https://twitter.com/tatasteelchess/status/1485921491942322183

|| Runde 5 bis 8

|| Runde 1 bis 4

|| Was zuvor geschah

Neue Tiebreak-Regeln

Warum Firouzja fehlt

Wie Roven Vogel ins Feld gelangte

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