Tata Steel Chess: Carlsen gewinnt das Masters, Erigaisi das Challengers – der Ticker zum Superturnier in Wijk an Zee

Tata Steel Chess, die Langstrecke zu Beginn eines jeden Schachjahres: Auch bei der 84. Auflage des Traditionsturniers im Küstenort Wijk an Zee (15. bis 30. Januar 2022) spielt ein erlesenes Feld von 14 Teilnehmern 13 Runden. Im parallelen “Challengers” ist mit dem einstigen U16-Weltmeister IM Roven Vogel (21) ein deutscher Meisterspieler mit von der Partie. Rundenbeginn täglich 14 Uhr. Hier bist du stets auf dem Stand des Geschehens.

“Karjakin, Praggnanandhaa, van Foreest punkten”:
Bericht zur 13. Runde auf chess.com

“Magnus Carlsen gewinnt seinen achten Wijk-an-Zee-Titel”:
Bericht zur 12. Runde auf chess24

Werbung

Endstand:

via chess.com

|| Runde 13, 30. Januar

Dubov, immer wieder Dubov

■ “Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen”, hat einst Gary Lineker gesagt. Darauf bezog sich Ian Nepomniachtchi, als er jetzt feststellte, Schach sei ein einfaches Spieler. Jede Menge Großmeister an den Brettern, aber geredet wird nur über Daniil Dubov. Und diese Tendenz setzt sich fort, nachdem Dubov jetzt zum zweiten Mal aus dem Tunier ausgeschieden ist. Sein PCR-Test gestern war negativ, und die Berichterstatter von chess24 schließen zumindest nicht aus, dass der Russe heute doch in Wijk am Brett sitzt, um seine Partie gegen Magnus Carlsen zu spielen.

|| Runde 12, 29. Januar

Soll Sam “Sorry” sagen?

■ Ob sich Sam Shankland entschuldigen wird, dass er gegen Sergej Karjakin eine remisträchtige Variante wählt, fragte Ian Nepomniachtchi während der Partie auf Twitter – eine Anspielung auf Shanklands öffentliches “Sorry” am Tag zuvor nach einem Kurzremis gegen Jan-Krzysztof Duda. An diesem Tag stellte sich bald heraus, dass keine Entschuldigung nötig sein würde. In nur 26 Zügen riss Shankland das russische Verteidigungsministerium ein.

Magnus Carlsen

■ Kein Fabiano Caruana in Bestform, nach Einschätzung von Magnus Carlsen nicht einmal eine besondere Partie. Die meisten Beobachter sahen das anders. Das Qualitätsopfer auf d4, gefolgt von einer Demonstration über die Stärke des Läuferpaars mag in die Lehrbücher eingehen. Mit dem Schwarzsieg über seinen WM-Gegner von 2018 steht Magnus Carlsen als Sieger des Turniers fest, sein achter Titel in Wijk an Zee. Und ein paar Elopunkte nimmt er auch mit nach Norwegen, genau drei nämlich. Carlsen steht jetzt bei 2868. Im Interview mit Fiona Steil-Antoni spricht Carlsen über seinen Turniersieg und seine weiteren Pläne:

Arjun Erigaisi

https://twitter.com/tatasteelchess/status/1487435507260870665

Tag der Entscheidung?

■ Gut möglich, dass heute Abend die Sieger beider Gruppen feststehen. Magnus Carlsen hat ja seinen kampflosen Punkt in Runde 13 gegen Daniil Dubov schon sicher. Heute allerdings steht er noch einmal vor einer Hürde: Schwarz gegen den WM-Herausforderer 2018 Fabiano Caruana. Richard Rapport, heute Schwarz gegen Andrey Esipenko, steht derweil in der Pflicht, das Turnier mit mindestens 1,5/2, besser noch mit 2/2 abzuschließen, will er einen Stichkampf erzwingen oder gar als alleiniger Sieger dastehen. Im Challengers führt derweil Arjun Erigasi zwei Runden vor Schluss mit komfortablen 1,5 Punkten Vorsprung. Da wird nichts mehr anbrennen.

|| Runde 11, 28. Januar

Hauen, kein Stechen

Magnus Carlsens Partie gegen Vidit Gujrathi schien ein weiteres Beispiel dafür zu werden, wie der Weltmeister im Endspiel Wasser aus Steinen zu pressen vermag. Aber dann unterlief ihm eine überhastete Ungenauigkeit, und der Inder rettete sich. Ganz anders das spektakuläre Duell der beiden Vorjahresfinalisten: Zwischen Jorden van Foreest und Anish Giri gab es kein Hauen und Stechen, aber das lag allein daran, dass nur van Foreest draufhaute und Giri keinerlei Gelegenheit bekam zurückzustechen. Der Vorjahressieger wird 2022 seinen Titel nicht verteidigen, aber darf sich freuen, seine persönliche Unsterbliche produziert und obendrein seine Bilanz gegen Giri ausgeglichen zu haben.

Und die Zuschauer?

Shakhriyar Mamedyarov schiebt das übliche schnelle Remis gegen seinen Spezi Sergey Karjakin. Überraschend: Auch Jan-Krzysztof Duda, der überbordenden Friedfertigkeit unverdächtig, gibt seine Weißpartie gegen Sam Shankland schnell remis.

Erigasi ist durch(?)

■ Rechnerisch ist er noch nicht durch, aber es müsste mit dem Teufel zugehen, würde Arjun Erigasi sein Fabelturnier in der Challengers-Gruppe nicht mit dem Gewinn selbiger beenden. Zwei Punkte Vorsprung hat sich der bei 8,5/10 stehende Inder erarbeitet. Heute kann der 18-Jährige den Turniersieg zwei Runden vor Schluss auch rechnerisch klarmachen. Erigasi hat Schwarz gegen den Giri-Sekundanten Erwin L’Ami.

Spielt außer Konkurrenz: Arjun Erigasi. | Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess

Dubov ist draußen

■ Nach einem positiven PCR-Test am Donnerstag scheidet Daniil Dubov aus dem Wettbewerb aus. Das haben die Organisatoren heute Vormittag mitgeteilt, ohne sich zum weiteren Procedere zu äußern. Wahrscheinlich wird Richard Rapport seine für heute angesetzte Partie gegen Dubov kampflos gewinnen, ein kampfloser Punkt der ebenso wie der von Giri gegen Dubov Auswirkungen auf die Lage an der Tabellenspitze hat. Auch wegen ihrer kampflosen Siege halten die Verfolger den Druck auf den Führenden aufrecht.

Positiv: Daniil Dubov scheidet aus. | Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess

Streithähne

■ Die Aufregung um Sergey Karjakins Remis-Tweet nach der Nicht-Partie gegen Magnus Carlsen hat sich gelegt…

…aber auf einem Nebenschauplatz geht der Zank weiter. Fide-Generalsekretär Emil Sutovsky und Carlsen-Cheftrainer Peter Heine Nielsen haben sich über der Kurzremis-Frage einmal mehr ineinander verbissen:

|| Runde 9 und 10

|| Runde 5 bis 8

|| Runde 1 bis 4

|| Was zuvor geschah

Neue Tiebreak-Regeln

Warum Firouzja fehlt

Wie Roven Vogel ins Feld gelangte

3 2 votes
Article Rating
Werbung

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments