Open nein, Classic vielleicht

Das Grenke Open 2021 wird nicht verschoben, es fällt aus. Das sagte jetzt Organisator Sven Noppes während der DSOL-Show auf Schachdeutschland TV. Die nächste Auflage sei zu Ostern 2022 geplant. Einem Großmeisterturnier Grenke Classic 2021, das sei einfacher zu organisieren, wollte Noppes noch keine Absage erteilen.

Um das Open 2021 hatte sich seit längerem das Gerücht gerankt, die Veranstalter wollten es, wenn irgend möglich, ans Jahresende verschieben. Jetzt stellte Noppes klar: „Nicht machbar. Wir haben keine Planungssicherheit.“

Organisator Sven Noppes vor dem Logo des Sponsors, dessen Name mit dem größten Schachturnier Europas verknüpft ist. | Foto: Klaus Steffan

Derzeit werde die Halle in Karlsruhe als Impfzentrum genutzt. Das werde sich zwar mittelfristig ändern, aber dann würden diejenigen sie nutzen wollen, „die davon leben“. Außerdem sei es nicht möglich, jetzt schon einen fixen Termin anzupeilen, an dem es sicher nicht zu Überschneidungen kommt. Im europäischen und Weltschach müsse so viel nachgeholt werden, es sei nicht abzusehen, wann die internationalen Verbände welche Veranstaltungen planen.

Ob es stattdessen in Baden-Baden oder Karlsruhe ein Großmeisterturnier 2021 geben wird („oder etwas anderes“), sei nicht beantwortet. Ein kleineres Turnier brauche weniger Vorlauf, es erlaube Veranstalter und Organisator mehr Flexibilität. Allerdings werde, „wenn die Grenzen wieder offen sind“, auch der Terminkalender der Spieler ein Faktor sein.

Das Neckar-Open entwickelte sich in den Jahren nach der Erstauflage 1997 zum größten Schachturnier in Deutschland. Ab 2015 endete die Neckar-Tradition, und es begann die des Grenke-Opens. | Foto: Schachfreunde Deizisau

Im Zwiegespräch mit Sebastian Siebrecht erzählte Noppes, Vorsitzender der SF Deizisau, wie ab 1997 das Neckar-Open, Vorgänger, des Grenke-Opens, mit regelmäßig etwa 750 Teilnehmern zum größten deutschen Schachturnier wurde – und dann endete.

Der Aufwand sei enorm gewesen, allein das Bereitstellen von Übernachtungsmöglichkeiten. Dem Deizisauer Hotel mit 27 Zimmern habe ein Bedarf von einigen hundert entgegengestanden. „Wie oft sollen wir das noch machen, haben mich meine Mitglieder gefragt“, so Noppes. Vor dem 19. und letzten Neckar-Open 2015 habe der „Reiz des Neuen“ gefehlt. Und es sei der Beschluss gefallen, „es noch einmal durchzuziehen“ und sich dann nach einer Alternative umzuschauen.

„Ich wusste damals, dass Wolfgang Grenke für ein neues Turnier offen war.“ Aber im eher beschaulichen, hochpreisigen Baden-Baden würde es schwer sein, ein großes Turnier auf die Beine zu stellen. „Karlsruhe war der viel bessere Standort. Wir haben uns dann beim Karlsruher Oberbürgermeister eingeladen.“

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Vom größten Open Deutschlands zum größten Europas: Hier geht es Ostern 2022 voraussichtlich wieder zum Neckar-Nachfolger Grenke-Open. | Foto: Perlen vom Bodensee

2016, gleich im ersten Jahr, habe das Karlsruher Turnier die Rekordteilnehmehrzahl von 764 des Deizisauer Vorgängers übertroffen. Die Nachfrage habe gezeigt, dass so eine Veranstaltung mit einer großstädtischen Hotelinfrastruktur, öffentlichen Verkehrsmitteln und nicht zuletzt idealen Spielbedingungen funktioniert. „In Karlsruhe konnten wir etwas viel Größeres aufbauen.“

Das Grenke-Open war als regelmäßige Veranstaltung geboren. Zuletzt, Ostern 2019, seien es etwa 2200 Teilnehmer gewesen. 2020, „wir waren schon sehr weit in den Vorbereitungen“, habe man pandemiebedingt absagen müssen.

Ein Jahr ohne Lebenszeichen

Je näher Ostern 2021 rückte, desto öfter wurde bei Google „Grenke Open 2021“ gesucht. Beim international vernetzten Sebastian Siebrecht meldeten sich Schachfreunde aus der Ferne, um zu erfahren, wie es um das größte Turnier Europas steht. Und bei der Schachseite, die als bestinformierte im deutschsprachigen Raum gilt, gingen regelmäßig, zuletzt täglich Anfragen ein, ob etwas in Sachen Grenke Open bekannt ist.

In dieser Gemengelange fiel einmal mehr auf, dass das Feld der Kommunikation rund ums Grenke-Schach nicht entwickelt ist, ja, es ist nicht existent. So nötig es auch wäre, niemand ist zuständig, niemand hilft und berät Sven Noppes. Und der ignorierte den offensichtlichen Informationsbedarf rund ums größte Turnier Europas. Angesichts der Corona-Unsicherheit habe er nichts sagen wollen, was er später zurücknehmen muss, erklärte er jetzt.

Ein Lebenszeichen gaben die Organisatoren über mehr als ein Jahr hinweg nicht von sich, im Frühjahr 2021 nicht einmal einen Hinweis auf die von Unwägbarkeiten geprägte Lage und eine Bitte um Geduld. Stattdessen, vom 13. März 2020 bis zum 19. März 2021: nichts. Noppes findet das auch im Nachhinein richtig so. Kritik an diesem Gebaren findet er „nicht passend“.

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