Blübaum und Keymer: Finale!

Magnus Carlsen, Fabiano Caruana, Levon Aronian, Alexander Grischuk und einige weitere WM-Kandidaten warten schon. Heute haben Matthias Blübaum und Vincent Keymer die Chance, sich für die Endrunde der Banter Series von chess24 zu qualifizieren. Leicht wird das nicht, aber es ist machbar.

Matthias Blübaum und Vincent Keymer sind nach jeweils zwei Matchsiegen ins Finale ihrer Vorrundengruppe eingezogen. Wenn sie das auch noch gewinnen, sind sie qualifiziert für die Endrunde der letzten 16, in der die acht Qualifikanten auf acht Weltklassespieler treffen. Dort winkt neben einem schönen Batzen Preisgeld die Qualifikation für die Neuauflage der Magnus-Carlsen-Tour, die im November beginnen soll. Zwei Teilnehmer der Endrunde sollen sich für die Tour qualifizieren – neben den Spielern, die eh eingeladen werden, der norwegische Gastgeber allen voran.

Blübaum und Keymer haben ihre beiden ersten Matches auf Deutsch kommentiert. Bei seinen Siegen über den Ukrainer Mykhaylo Oleksiyenko sowie den US-Großmeister Dariusz Swiercz offenbarte sich Matthias Blübaum als messerscharfer Kritiker seines eigenen Spiels. „Schrecklich“, „grässlich“, „peinlich“ findet er nicht selten, was er auf dem Brett anstellt. Das hielt ihn aber nicht davon ab, seine beiden Widersacher zu distanzieren.

Keymer überraschender Publikumsservice

Mit Vincent Keymer wächst offenbar nicht nur ein potenzieller 2700er heran, sondern auch ein großer Schacherklärer. Das zeigte sich speziell in seinem Match gegen Niclas Huschenbeth, in dem der 15-Jährige instruktiv und anschaulich durch die Partien führte – während er sie spielte. Andere loggen sich nach dem Match aus und verschwinden vom Bildschirm, Keymer nahm sich nach dem 5:1 noch eine Viertelstunde, um fürs Publikum die kritischen Momente der gerade gespielten Partien zu beleuchten.

Keymer zeigt, warum …Db4 ein Fehler von Etienne Bacrot war: Scb5! nebst Damenfang.

Mit diesem Service überraschte Keymer sogar den Ausrichter chess24, der darauf gar nicht vorbereitet war. Es dauerte einige Minuten, bis im Stream die Stellungen zu sehen waren, die der junge Großmeister auf dem Brett hatte. Bis dahin hatte er, leider, ins Leere kommentiert.

Für beide Deutsche wird der Einzug ins Finale kein Selbstläufer, sie bekommen es mit Spezialisten der schnellen Disziplinen zu tun. Vincent Keymer trifft am heutigen Samstag ab 16 Uhr auf den indischen GN Narayanan. Der ist nominell kein Überflieger, aber extrem stark im Blitz. Unter anderem ein Sieg beim Titled Tuesday (vor Nakamura und So) steht in seinem Schach-Lebenslauf, und beim jüngsten Banter-Blitz-Cup scheiterte er erst nach großem Kampf am späteren Turniersieger (und Carlsenbesieger) Alireza Firouzja. Andererseits: Vincent Keymer hat auch schon gezeigt, dass er den Titled Tuesday gewinnen kann.

Ginge es nach Elo, wäre die deutsche Nummer eins Matthias Blübaum haushoher Favorit in seinem Finale gegen US-Großmeister Andrew Tang. Aber beim Match gegen den schnellen Andrew wird es eben auch darum gehen, wer besser im Blitz ist, und in dieser Hinsicht genießt der 20-jährige Princeton-Student längst Legendenstatus: Je weniger Zeit auf der Uhr ist, desto mehr blüht Tang auf.

Andererseits: Matthias Blübaum hat gerade die Deutsche Blitz-Einzelmeisterschaft gewonnen, beileibe kein Thekenturnier. Außerdem ist Tang vielleicht noch ein bisschen frustriert. Am gestrigen Freitag verlor er gleich sein Auftaktmatch der Junior Speed Championship der weltbesten Junioren gegen den Inder Nihal Sarin, und das deutlich mit 8:16.

Blübaums Match beginnt am heutigen Samstag um 18 Uhr.

GM Huschenbeth, Niclas (2612) – GM Keymer, Vincent (2568)
chess24 Banter Series

Schwarz am Zug setzt Matt.

(Du willst lösen? Klick aufs Brett.)


GM Huschenbeth, Niclas (2612) – GM Keymer, Vincent (2568)
chess24 Banter Series

Keymers spektakulärster Streich: Schwarz am Zug gewinnt.

Damianos Matt? Schonmal gehört? An Leute, die die Lösung nicht finden, ergeht der Hinweis, dieses Werk aus dem Bücherschrank zu ziehen:

Es im Schrank stehen zu haben, hilft leider nicht. Dieses und die folgenden Werke durchzuackern, wäre ein guter Ansatz, um im Schach besser zu werden. Schon im zweiten Kapitel („Mattmotive“) des ersten Buchs von Jussupows vielfach ausgezeichneter Reihe findest du das Motiv, das Vincent Keymer benutzte, um Huschenbeths auf h1 eingesperrten König zu erlegen.


(Titelfoto: Maria Emelianova/chess.com)

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