Europameisterschaft online!

Das Rennen um die erste große Schachveranstaltung, die ins Internet verlegt wird, läuft noch.“ Drei Tage ist es her, dass der Journalist Stefan Löffler dieses festgestellt hat – eine Ewigkeit. Seitdem ist viel passiert.

Erst kündigte Magnus Carlsen das erste Online-Superturnier mit einem Preisfonds von 250.000 Dollar an, jetzt hat der Europäische Schachverband nachgezogen. Anstelle der auf Dezember verschobenen regulären Europa-Einzelmeisterschaft wird die ECU auf der weltgrößten Schachplattform chess.com eine Online-Europameisterschaft ausrichten.

Das Rennen der Schachverbände hat damit der europäische gegen den Weltverband gewonnen. Bei der FIDE erwägen sie eine Ersatzolympiade online, bei der ECU probieren sie so etwas einfach mal aus. Die Online-Europameisterschaft soll über zwei Wochen vom 15. bis 30. Mai laufen. Details sind noch nicht veröffentlicht. chess.com hat angekündigt, sich dazu bald zu äußern.

Im Rennen der Schachligen liegt die britische „4NCL“ (Four Nations Chess League) weit vor allen anderen. Während Bundesliga-Chef Markus Schäfer im Gespräch dieser Seite sagte, über eine Online-Bundesliga „könne man nachdenken„, haben die Briten schon eine organisiert. 170 Teams sind angemeldet, dazu 28 Jugendmannschaften. Am 7. April beginnt der Wettbewerb auf Lichess. Gespielt wird „langsames Schnellschach“: 45 Minuten/Partie, 15 Sekunden Increment/Zug.

Vier Schnellpartien statt einer Turnierpartie

Partien mit klassischer Bedenkzeit sind weniger online-geeignet als schnelle. Wahrscheinlich ist deswegen das Rennen der Superturniere offen. Eines nach dem anderen fiel aus, zuletzt das Grenke Classic und die komplette Grand Chess Tour, keines hat den Wettbewerb ins Netz verlegt.

Der Weltmeister (mit seiner bestens gefüllten Kriegskasse) ist derweil vorgeprescht. Am 18. April beginnt online das „Magnus Carlsen Invitational“ mit acht Spielern, die noch nicht benannt sind. Anstelle einer Turnierpartie spielen die Teilnehmer vier Schnellpartien 15 Minuten plus 10 Sekunden. Genau dieses Format hatte Carlsen nach dem WM-Match 2018 als potenzielles Format für künftige WM-Kämpfe vorgeschlagen.

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