Nisipeanu: „… dann höre ich auf.“

Das monatliche Durchschnittseinkommen der Eliteprofis dürfte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sein. Das sollte einerseits zu einem Polster führen, andererseits ist für die Top-Spieler auch in Zeiten der Pandemie online der eine oder andere Dollar zu gewinnen. Sei es beim Magnus Carlsen Invitational, beim World Team Cup, beim Abu Dhabi Blitz oder beim Titled Tuesday, der jetzt wöchentlich mit erhöhtem Preisfonds ausgespielt wird.

Was ist mit den Profis, die nicht Teil der Elite sind? Ja, chess.com hat jetzt als aus dem Boden gestampftes Gegenmodell zum Magnus-Turnier das „IM not a GM“ mit Social-Media-IM-Schachgrößen geboren (Christof Sielecki und Elisabeth Pähtz sind in der ersten Runde ausgeschieden), ja, das Sunway Sitges hat eine Online-Variante geboren und ja, in Biel überlegen sie, ihr Schachfestival ins Netz zu verlegen. Nichtsdestotrotz: Das Ligaschach, sonst eine Konstante fürs Konto, liegt brach, und von einem prall gefüllten Turnierkalender mit ebensolchen Preisgeldtöpfen ist online noch lange nichts zu sehen.

https://twitter.com/SunwayChessOpen/status/1252412839718838272

Die Zeitschrift Schach hat sich für ihre neueste Ausgabe (seit Samstag im Handel) unter 22 deutschen (Nisipeanu, Donchenko, Fridman, Kunin, Pähtz) und internationalen Profis umgehört. Alle Befragten stellen fest, dass ihnen eine Reihe von fest eingeplanten Veranstaltungen weggebrochen ist und dass es dafür keinerlei Kompensation gibt. Hinsichtlich online ist die Mehrheit skeptisch: Zu groß sei die Cheating-Gefahr, zu schwierig das Sicherstellen einer verlässlichen Kontrolle. Einen Online-Turnierbetrieb, der dem bisherigen tatsächlichen Turnierzirkus nahekommt, halten die meisten für nicht wahrscheinlich.

Und selbst wenn, wäre das noch dasselbe Spiel? Deutschlands Nummer eins, Liviu Dieter Nisipeanu, sagt, einerseits sei die Chance für Online-Turniere jetzt so groß wie nie. Andererseits kann er sich ein Leben als Online-Schachprofi nicht vorstellen. „Dann werde ich wohl meine aktive Laufbahn beenden, sollte ‚aktiv‘ bedeuten, online zu spielen.“

Natürlich hatte Dieter Nisipeanu geplant, auch bei der Schach-Olympiade 2020 am ersten Brett für Deutschland Beton anzurühren. Wie viele andere Turniere fällt die Olympiade aus, stattdessen wird es eine Online-Variante des Nationentreffens geben. | Foto: Maria Emelianova/chess.com
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