Grand Swiss 2023: Huschenbeth rückt nach, Kollars auch

Nicht nur beim World Cup 2023 war die deutsche Delegation größer denn je. Selbiges wird für den Grand Swiss 2023 ab dem 23. Oktober auf der Isle of Man gelten. In den Kampf um jeweils zwei Plätze für das Kandidaten- bzw. Kandidatinnenturnier 2024 greifen ein: Vincent Keymer, Alexander Donchenko, Matthias Blübaum, Dmitrij Kollars, Rasmus Svane, Frederik Svane, Niclas Huschenbeth, Elisabeth Pähtz, Dinara Wagner.

Leicht wird das nicht, aber gewiss eine tolle Herausforderung: Vincent Keymer ist im Grand-Swiss-Weltklassefeld an 14 gesetzt. | Screenshot: chess-results

Vor zwei Jahren hatte die FIDE die beiden stärksten Schweizer-System-Turnier der Welt der Pandemie wegen nach Riga verlegt. Jetzt kehren sie auf die Isle of Man zurück: die prächtige Royal Hall der Villa Marina in Douglas wird die voraussichtlich 114 Spieler des offenen Turniers (keine Frau) und die 50 im Frauenturnier beherbergen. Neben den vier WM-Kandidaten-Spots sind 600.000 Dollar Preisgeld zu verteilen, der höchste Grand-Swiss-Preisfonds jemals.

Da sich das Gros der beiden Felder nach Rating zusammensetzt, aber traditionell einige Spieler:innen absagen und dafür andere nachrücken, war in den vergangenen Monaten in der Teilnehmerliste einige Bewegung. Im August etwa erfuhr Frederik Svane, dass er Teil des Feldes sein wird. Wenig später ereilte Dmitrij Kollars die frohe Botschaft, dass er mit von der Partie ist. Ganz aktuell, am heutigen Donnerstag nämlich, rutschte Niclas Huschenbeth ins Feld. Die deutschen Top 8 werden damit fast vollzählig auf der Isle of Man versammelt sein. Nur Jan Gustafsson, Nummer 7, beschränkt sich als Bundestrainer aufs Zuschauen.

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Für den Coach wird es einiges zu sehen, zu analysieren und manchen Schluss zu ziehen geben. Eine Woche nach dem Grand Swiss beginnt die Mannschaftseuropameisterschaft. Welche Spieler fürs deutsche Team nominiert sind, ist offiziell noch nicht verkündet, lässt sich aber erraten. Auf jeden Fall gilt, dass das komplette Herren- und zwei Fünftel des Frauenteams auf der Isle of Man in einem Weltklassefeld ihren finalen Härtetest vor der EM absolvieren.

Die Frauen haben gerade die Mannschafts-WM hinter sich, nun steht schon die Europameisterschaft vor der Tür. Die beiden Spitzenspielerinnen Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner absolvieren die praktische Vorbereitung auf der Isle of Man beim Grand Swiss.

Den Grand Swiss 2021 haben speziell Vincent Keymer und Elisabeth Pähtz in guter Erinnerung. Keymer hatte vor der letzten Runde sogar noch die (winzige) Chance, sich fürs Kandidatenturnier 2022 zu qualifizieren. Das klappte zwar nicht, aber Keymer sicherte sich souverän die Qualifikation für den Grand Prix (den es im neuen WM-Zyklus nicht mehr gibt) und blieb damit als einziger Deutscher im WM-Zyklus 21/22. Selbiges gelang Elisabeth Pähtz, die sich in Riga zudem eine GM-Norm erspielte und damit letztlich den GM-Titel.

Dies sei die dritte Norm und damit der GM-Titel, hieß es direkt nach Elisabeth Pähtz’ Grand Prix 2021. Zu früh gefreut. Stattdessen folgte ein Titel-Tauziehen, in dessen Verlauf Pähtz gar rechtliche Schritte gegen die FIDE erwog. So weit kam es dann nicht. 13 Monate nach der Norm beim Grand Swiss wurde Pähtz GM.

Bei aller Freude über die bevorstehenden Weltklassewettbewerbe für die Nationalspielerinnen und -spieler, dürfte das seit Wochen wachsende deutsche Kontingent auf der Isle of Man am 1.700 Kilometer entfernten Tegernsee stirnrunzelnd zur Kenntnis genommen werden. Schon fast traditionell überschneiden sich die Grand Swiss mit den Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften (OIBM) am Tegernsee (28. Oktober bis 5. November), eines der größten und mutmaßlich das schönste deutsche Open.

In seinem Bemühen, ein möglichst attraktives Feld zusammenzustellen, hatte OIBM-Turnierdirektor Sebastian Siebrecht unter anderem Dmitrij Kollars als Teilnehmer gewonnen. Der spielt nun stattdessen in der irischen See. Trotzdem wird mehr als ein Dutzend Großmeister von internationaler Klasse (und Herkunft) sowie eine ganze Reihe weiterer Titelträger:innen am Tegernsee antreten. Den zahlreich versammelten deutschen Spitzentalenten wird sich manche Gelegenheit bieten, Favoriten zu ärgern und Normen zu erzielen.

Wer mitspielen will: Die Anmeldung für die OIBM 2023 ist noch offen. Nach mehr als 470 Teilnehmer:innen anno 2022 wollen die Veranstalter in diesem Jahr die 500-Marke übertreffen. Fünf Wochen vor Turnierbeginn steht der Zähler schon über 490. Platz wäre sogar für 600.

Etwas überraschend gewann in vergangenen Jahr Jan-Christian Schröder die Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften vor einem halben Dutzend 2600-GM.

(Titelfoto: Maria Emelianova/chess.com)


Nachtrag, 22. September: Kurz nach Erscheinen dieses Beitrags hat der Deutsche Schachbund die Besetzung der Nationalmannschaften bei der EM veröffentlicht.

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Fernando Offermann
6 Monate zuvor

Was ist eigentlich aus Kollars geworden beim Turnier? In den Runden 10 und 11 war er ja nicht mehr dabei laut chess-results
https://chess-results.com/tnr793016.aspx?lan=1&art=9&fed=GER&turdet=YES&flag=30&snr=68
Gibt es da Nachrichten?