Der DSB zu den neuen Finanzlöchern

Warum tauchen plötzlich zu leistende Zahlungen auf, die doch hätten abseh- und erwartbar sein müssen? Diese Frage stellt sich im Zusammenhang mit den jetzt aufgetauchten Finanzlöchern, die das DSB-Präsidium veranlasst haben, bis auf Weiteres eine Ausgabensperre zu verhängen.

Zu den neuen “erheblichen zusätzlichen Belastungen” hat diese Seite beim DSB um Erklärungen gebeten:

  • Warum fällt erst jetzt auf, dass Deutschland 2024 den Mitropacup ausrichtet?
  • Warum fällt erst jetzt auf, dass nicht verbrauchte Fördermittel aus den vergangenen Jahren rückerstattet werden müssen?
  • Warum weiß der DSB nicht, welche Steuerzahlungen auf ihn zukommen?
  • Ist der Schachgipfel 2024 jetzt noch gefährdeter als ohnehin schon?

Die ausführlichen Antworten aus der DSB-Zentrale erreichen uns nach Erscheinen des obigen Beitrags. Sie seien hier vollständig wiedergegeben (kursiv):

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1. Mitropacup

Dass der Mitropacup stattfindet, war klar. Dass er in den bisherigen Haushalten nicht enthalten war, ist aus unserer Sicht ein Fehler. Wir sind in Gesprächen, um Kosten des Mitropacups über Sponsoren abzudecken, trotzdem sollte im Sinne der kaufmännischen Sorgfaltspflicht der Maximalbetrag eingeplant werden, was das neue Präsidium nun tut.

(Anm. d. Red. zum “Fehler”: Der DSB-Hauptausschuss hat am 7. Mai 2022 in St. Ingbert einstimmig beschlossen, dass 10.000 Euro als Rücklage für den Mitropa-Cup 2024 in den Nachtragshaushalt eingestellt werden sollen, siehe Protokollauszug unten. Das ist entgegen diesem Beschluss nicht passiert – und offenbar niemandem aufgefallen. Kosten wird das Ausrichten des Cups deutlich mehr als 10.000 Euro. Im Sinne eines “Maximalbetrags” ist offen, warum der DSB nicht schon in den Jahren vorher jeweils einen moderaten Betrag für die 2024 anstehende Ausgabe zurückgelegt hat.)

Auszug aus dem Hauptausschuss-Protokoll.

2. Fördermittel

Die Rückzahlungen im Bereich der Fördermittel gehen auf zwei Bereiche zurück. Die Höhe stand nach der Erstellung der Verwendungsnachweise (reguläre Abgabe jährlich zum 30.06. für das Vorjahr) fest:

Einerseits wurden im Bereich der Förderung des Leistungssportpersonals zwischen 2020 und 2022 von Seiten des Fördermittelgebers insgesamt 15.316,62 € für die Fortbildung des Leistungssportpersonals (v.a. Sportdirektor, Bundes(nachwuchs-)trainer) gewährt. Aufgrund von Ausnahmeregelungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie konnten die in den Jahren 2020 und 2021 nicht verbrauchten Fördermittel ins jeweilige Folgejahr ohne Rückzahlung mitgenommen werden.

Obwohl das Leistungssportpersonal in den Jahren 2020-2022 mehrfach um Fortbildungen gebeten und sportfachlich sinnvolle Fortbildungen anregt hat, wurden diese erst nach dem Wechsel in der Geschäftsführung im September 2022 bis zum Jahresende in einer Gesamthöhe von 1.299,28 € gewährt. Die Differenz in Höhe von 14.017,04 € musste demnach zurückgezahlt werden, da sie in den Jahren 2020-2022 nicht für die Fortbildungen der Mitarbeiter des Leistungssportpersonals verwendet wurde.

Andererseits fielen im Bereich der Jahresplanung 2022 über alle Bereiche hinweg (Wettkämpfe und Lehrgänge im Erwachsenen- wie Nachwuchsbereich) Minderausgaben an, sodass in der Folge insgesamt 35.293,18 € an nicht verwendeten Fördermitteln zurückgezahlt werden müssen. Die Minderausgaben erklären sich unter anderem durch: Nichtteilnahme an der U16-Olympiade 2022 (Austragungsort war mit Nakchivan, einer aserbaidschanischen Enklave in Armenien, ein potenzielles Konfliktgebiet), Absage eines geplanten Vergleichskampfs eines Kaderspielers mit einem internationalen Spitzengroßmeister und geringeren Reise- und Übernachtungskosten im Rahmen der Schacholympiade 2022 im Vergleich zu den Planzahlen. Da in diesem letzten Fall dem DSB keine abrechenbaren Kosten angefallen sind, ist die Rückzahlung der nicht verwendeten Fördermittel folgerichtig. Mehrkosten sind hier dem DSB daher auch nicht entstanden.

(Anm. d. Red. I: Bei der “Absage des Vergleichskampfs” dürfte es sich um den avisierten Wettkampf zwischen Vincent Keymer und Hans Niemann handeln. Den wollte Keymer nicht mehr spielen, nachdem Magnus Carlsen Niemann des Betrugs bezichtigt hatte.)

6. September 2022: als das Carlsen-Niemann-Drama begann und der DSB einen Wettkampf Keymer-Niemann absagte, für den Fördergeld geflossen war.

(Anm. d. Red. II: Das pandemiebedingte “Mitnehmen nicht verbrauchter Fördermittel” bis ins Jahr 2022 dürfte dazu beigetragen haben, dass die jeweiligen Bilanzen schön aussahen, obwohl sie es nicht waren – zumindest für Leute, die nicht genau hinschauen und lieber keine Fragen stellen.)

3. Steuern

Es handelt sich nicht um eine neue Nachzahlung. Allerdings wurde die vermutete Höhe der Steuerrückzahlung nun von unserem Steuerberater präzisiert. Diese wird den bisher angenommenen Betrag vermutlich deutlich übersteigen. Die tatsächliche Höhe der Rückzahlung steht erst mit dem Steuerbescheid fest.

(Anm. d. Red.: Dem Vernehmen nach hat das sofortige Verbuchen zu erwartender Sponsoreneinnahmen 2021 zu deutlich höheren Steuerzahlungen geführt als nötig.)

Aus der DSB-Mitteilung zur Haushaltsschieflage.

4. Schachgipfel Berlin 2024

Die Ausgangslage beim Schachgipfel ist immer noch dieselbe: Der Gipfel ist nur mit Sponsoren machbar. Auf den DSB dürfen keine weiteren Kosten aus Eigenmitteln zukommen, die über die regulären Zuschüsse zu den Einzelmeisterschaften bei der Ausrichtung durch Dritte hinausgehen.

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Gustaf Mossakowski
8 Monate zuvor

Zu 2: Die Fördermittel für Fortbildungen sind zwar Einnahmen, aber es sollte doch klar sein, dass hier entweder 100 % Ausgaben gegenüber stehen oder die Gelder zurückerstattet werden müssen. Das ist also ein durchlaufender Posten. Zu 3: »Es handelt sich nicht um eine neue Nachzahlung.« Offensichtlich handelt es sich um eine Nachzahlung, die höher ist als bisher erwartet. Faktisch ist das keine neue Nachzahlung, richtig. Aber halt mehr Geld, das weg ist. Soll die Aussage beruhigen? Mehr Geld weg ist mehr Geld weg, egal ob es eine oder zwei Nachzahlungen sind. »Allerdings wurde die vermutete Höhe der Steuerrückzahlung nun von… Weiterlesen »

Daniel Hendrich
Daniel Hendrich
8 Monate zuvor

Solche Meldungen lassen den Außenstehenden sprachlos zurück angesichts des fortschreitenden und scheinbar nicht zu stoppenden Dilettantismus der DSB-Führung. Mein Mitleid gilt denjenigen dort – und ja, die gibt es! – die gute Arbeit geleistet haben und leisten und die jetzt ohne Schuld mit in dem Sumpf versinken.
Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit, dass die Landesverbände einen neuen DSB gründen, dem jetzigen ist scheinbar nicht mehr zu helfen…

von und aus dem Walde
von und aus dem Walde
8 Monate zuvor

Interessant in diesem Zusammenhang wäre, wann der Untersuchungsbericht zu den finanziellen Unregelmäßigkeiten (endlich) veröffentlicht wird.
Gibt es da schon eine Ankündigung?

Und zum Punkt:
«Die Differenz in Höhe von 14.017,04 € musste demnach zurückgezahlt werden, da sie in den Jahren 2020-2022 nicht für die Fortbildungen der Mitarbeiter des Leistungssportpersonals verwendet wurde.»
Das lässt mich dann doch etwas staunend zurück. Auch wenn es Pandemiezeit war, Fördermittel in dem Umfang einfach verfallen zu lassen, ist ja was – Faulheit, Unfäigkeit, Dilettantismus? Hier würde mich dann schon konkret interessieren, wer das beim Schachbund zu verantworten hatte.

acepoint
acepoint
8 Monate zuvor

«Dass der Mitropacup stattfindet, war klar. Dass er in den bisherigen Haushalten nicht enthalten war, ist aus unserer Sicht ein Fehler.»

Was ist denn das für ein Statement?

«Die Differenz in Höhe von 14.017,04 € musste demnach zurückgezahlt werden, da sie in den Jahren 2020-2022 nicht für die Fortbildungen der Mitarbeiter des Leistungssportpersonals verwendet wurde.»

Weitere Altlasten des ehemaligen Geschäftsführers?

«Allerdings wurde die vermutete Höhe der Steuerrückzahlung nun von unserem Steuerberater präzisiert. Diese wird den bisher angenommenen Betrag vermutlich deutlich übersteigen.»

Auch hier bleibt man nach Lesen des Statements mit offenem Mund sitzen.

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[…] Einer Bitte dieser Seite vom Mittwochmittag, die neuen Finanzprobleme zu erklären und aufzuzeigen, warum sie jetzt erst auffallen, vermochte der DSB bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags nicht nachzukommen. Sobald eine Erklärung des Verbands vorliegt, wird sie in diesen Text eingearbeitet. […]

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[…] Der DSB zu den neuen FinanzlöchernDie Fragen dieser Seite zu den neuen Finanzlöchern hat der DSB zügig und detailliert beantwortet. […]