Als nächstes die Europameisterschaft: Hussain Besou, Nummer fünf der Welt

Die Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften in Willingen haben so viele erzählenswerte Geschichten geschrieben, unmöglich, sie alle hier zu erzählen. Aber zwei seien heute nachgereicht, zum einen die von Nils Richter, deutscher U18-Meister, der lange dachte, er sei gar nicht Deutscher Meister. Und natürlich die von Hussain Besou, dem Zehnjährigen, der bei den großen Jungs in der U12 mitspielte, um stärkere Gegner zu bekommen. Und auch dort Deutscher Meister wurde.

Hussains bewegende Geschichte vor der Deutschen Meisterschaft ist Lesern dieser Seite bekannt:

Mit dem Meistertitel in der U12 hat der Junge vom LSV/Turm Lippstadt nun ein neues Kapitel geschrieben, dem bald ein weiteres hinzugefügt werden soll. Ab dem 15. Oktober stehen die Jugend-Europameisterschaften an, voraussichtlich werden sie hybrid ausgespielt, voraussichtlich wird Hussain in der U10 für Deutschland starten.

Einer von Hussains Siegen von der jüngst beendeten Deutschen Meisterschaft U12.

Und er wird zum Favoritenkreis zählen. Nach seinem Sieg in Willingen hat Hussain Besous Elozahl einen neuerlichen Sprung gemacht. Als neue Nummer fünf der Welt (vor der Deuschen Meisterschaft war er die Nummer neun gewesen) in seiner Altersklasse wäre es nicht vermessen, auf den Europatitel zu schielen.

Die Top 5 der Weltrangliste der Zehnjährigen. | Screenshot via FIDE

Nils Richter vom TSV Schönaich hat sportlich die Deutsche Meisterschaft U18 gewonnen, aber wegen eines Versehens wäre sie beinahe nicht als solche registriert worden.

In einer Reihe von Tweets schlüsselte die Schachjugend auf, was passiert war.

Zum Favoritenkreis hatte Richter als Nummer 12 der Setzliste nicht gehört, aber in den vergangenen Jahren mit einem vierten und einem dritten Platz angedeutet, dass mit ihm zu rechnen ist, wenn es gilt. Und das zeigte sich auch in der Schlussrunde der U18-Meisterschaft. Mit einem Sieg gegen Alexander Suvorov schob sich Nils Richter auf den ersten Platz und feierte den größten Erfolg seiner bisherigen Schachlaufbahn.

Seinem Trainer vor Ort, Georg Braun, gab der Deutsche Meister umittelbar nach der Siegerehrung ein Interview.

Also Nils, wie fühlst man sich als frischgebackener deutscher Meister? Was geht dir jetzt durch den Kopf?

Ich fühle mich gut, aber auch überrascht, denn mit diesem Endergebnis habe ich vor und auch nach dem Ende der letzten Runde natürlich nicht gerechnet. Richtig realisiert, was dieser Erfolg für mich bedeutet, habe ich noch nicht.

Wann hast du erfahren, dass du deutscher Meister geworden bist?

Eher zufällig, etwa eine Stunde nach dem Ende der letzten Partie. Davor hatte ich mich, wie die meisten, auf die Livetabelle im Internet verlassen, bei der Christopher Dahl die bessere Buchholz hatte. Während und nach der Partie habe ich mich etwas geärgert, weil einer meiner Gegner in der Schlussrunde kampflos verlor. Ich dachte, dadurch bekomme ich keine Buchholz.

Kannst du bitte kurz deinen schachlichen Werdegang beschreiben?

Zum Schach kam ich durch David Blank, der an unserer Schule Flyer für den Schachverein verteilt hat. Über ihn kam ich zu meinem ersten Verein, dem TSV RSK Esslingen. Mit Beginn der Saison 2019/2020 bin ich zum Zweitligisten TSV Schönaich gewechselt, um mich schachlich weiterzuentwickeln und gegen bessere Gegner zu spielen.

Welchen weiteren Personen bzw. Trainern hast du diesen Erfolg zu verdanken?

Sehr vielen. Zeitlich gesehen, wurde ich am längsten trainiert von Philipp Müller. Auch mit Marc Werner habe ich über längere Zeit intensiv gearbeitet. Außerdem stehe ich immernoch mit David Blank in Kontakt.

Was waren die kritischen Momente des Turniers?

Wichtig war zunächst mein Sieg gegen den Vorjahresmeister Oliver Stork. Er wollte auf Sieg spielen, ist in der Eröffnung Risiko eingegangen, wurde dafür aber nicht belohnt. Sehr kritisch war auch die Partie gegen Christoph Dahl, in der ich ein schwieriges Endspiel Remis gehalten habe. Dann war klar, dass ich die zwei letzten Runden gewinnen muss, um unter die Top 3 zu kommen. In der vorletzten Runde hatte ich Glück und profitierte von einem Einsteller meines Gegners. Dann natürlich die Schlussrunde mit Schwarz gegen Alexander Suvorov.

Die erschien als eine schwierige, wenn nicht unlösbare Aufgabe. Alexander Suvorov hatte bis dahin ein hervorragendes Turnier gespielt und mit Weiß jede Partie gewonnen. Er eröffnet mit 1.d4 und hat ein eher enges, aber sehr solides Repertoire, in dem er sich sehr gut auskennt.

Die Idee, Wolga-Gambit zu spielen, kam ja von dir, Georg. Anschließend habe ich noch einen engen Schachfreund vor Ort um Hilfe gebeten, die dann schließlich sehr wertvoll war. Mir war auch  klar, dass mein Gegner unter großem Druck stand. Das hat auch geholfen.

Siegerehrung in Willingen. | Fotos (2): Deutsche Schachjugend

Möchtest du weitere Insider-Informationen zum Turnier preisgeben?

NR: Ja, und zwar, dass wir das ganze Turnier über versucht haben, eine bestimmte Eröffnungsvariante aufs Brett zu bekommen, die wir zuvor intensiv einstudiert hatten. Aber irgendwie sollte es nicht dazu kommen.

Ja, so ist das manchmal mit der Vorbereitung. Wie ist der Stand zur Jugend-EM?

Diese soll vom 15. bis 21. Oktober in hybrider Form stattfinden. Wo genau, ist noch nicht klar.

Was hilft dir während einem Turnier, um gut Schach zu spielen?

Täglich Sport, eine ausgewogene Ernährung, und viel Schlaf, mindestens 8 Stunden pro Nacht.

Welchen Tipp würdest du Spielern geben, die ihre Spielstärke verbessern wollen?

Am besten täglich am Schach arbeiten, Aufgaben lösen und Schachbücher lesen.

Welche Schachbücher zum Beispiel?

Mir hat die Endspieluniversität von Dvoretsky weitergeholfen, und die Bücher von Gelfand. Das sind aber schon Bücher für fortgeschrittene Spieler.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Ich mache jetzt erstmal ein Schachjahr. Dort ist mein Ziel der IM-Titel.

Teil des Fundaments, auf dem Nils Richters Meistertitel steht: Dvoretskis Endspieluniversität.

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