Willkommen in der Schachverwaltung

Vor zehn Jahren wäre die Deutsche Online-Liga eine innovative Idee gewesen. Vor zehn Wochen war sie überfällig. Jetzt ist sie da, und der gewaltige Zuspruch dokumentiert, dass die DSOL immer noch eine gute Idee ist, eine Notwendigkeit gar angesichts der Pandemie.

Hoffen wir, dass sie nicht in der Schachverwaltungs-Bürokratie erstickt. Hoffen wir, dass die Hürde einer aus der Zeit gefallenen Spielplattform sich nicht als zu hoch erweist. Erste Warnzeichen waren nach den ersten Besprechungen der Mannschaftsführer nicht zu übersehen.

„Corona hat nur Entwicklungen beschleunigt, die es eh gab“, sagte unlängst Christof Sielecki, als wir ihn dazu befragt haben, wie er die Zukunft unseres Spiels sieht. „Mit neuen Formaten ergeben sich womöglich neue, offenere Strukturen“, sagte Sielecki, der in der britischen Four Nations League online spielt, die schon vor Wochen ihren Spielbetrieb aufgenommen hat. Dort sei es ganz einfach gewesen: zusagen, losspielen.

So einfach geht das in Deutschland natürlich nicht. Frank Riedel, Vorsitzender des Brackweder Schachklubs, hat auf der Homepage seines Vereins jetzt darüber berichtet, wie er das erste Treffen der Online-MaFüs erlebt hat, lesenswerte Einsichten.

Das große Thema dieser Tage ist nicht der Spielbetrieb

Riedels vorangehenden Rundumschlag gegen DSB-Funktionäre halten wir gleichwohl für fehlgeleitet. Anstatt da Entscheidungen einzufordern, wo ohne Corona-Gegenmittel nichts zu entscheiden ist (die Bundesliga will es an diesem Wochenende trotzdem tun), anstatt das Einholen eines Meinungsbilds als Entscheidungsunwillen zu brandmarken, hätte er aus Sicht des Vereinspräsidenten trefflich dokumentieren können, wie der DSB seine Vereine allein lässt.

Nicht der Spielbetrieb ist das große Thema dieser Tage. Ganz egal, was die Bundesliga entscheidet: Uneingeschränkten Spielbetrieb ohne Masken und Desinfektionsmittel, Mannschaftskämpfe auf engem, ungelüfteten Raum wird es erst wieder geben, wenn ein Kraut gegen Corona gewachsen ist. Bis dahin müssen wir in den Vereinen sehen, wie wir anderweitig zurechtkommen. Und dafür brauchen wir Hilfe, zumindest Impulse.

Worum es in Zeiten eines online boomenden und offline lahmgelegten Sports geht, stand hier neulich schon einmal (siehe „Henning Geibel und die Schachverwaltung„). Es sei heute wiederholt:

Seitens unserer Schachverwaltung waren Ideenreichtum, Elan und offensive Kommunikation nie so nötig wie jetzt, um sich

  • ein einladendes Antlitz zu geben
  • die vielen neuen Schachfreunde da draußen für sich zu gewinnen
  • die vielen neuen Schachfreunde da draußen den Vereinen zuzuführen
  • neue Konzepte für Schach unter dem Dach des DSB zu entwickeln
  • den Vereinen diese Konzepte zugänglich zu machen
  • den Profis unter den Kaderspielern Existenzhilfe zu leisten

Pardon für diesen Exkurs. Frank Riedel hat das Wort:

Frank Riedels Kommentar auf der Homepage des Brackweder SK.
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