DSOL: Elfmeter und Rettungschancen

Natürlich würden wir alle lieber Echt-Schach spielen – je früher, um so besser. Wie gerne, zum Beispiel, sähen wir doch dabei zu, wie des Gegners Stirn sich runzelt, ausgerechnet in Zeitnot der Stift nicht schreibt oder in der Aufregung das Brillen- mit dem Taschentuch verwechselt wird. Und ja, er fehlt ebenso: der gute alte, mal trockene, mal feuchte Händedruck. Ob gratulierend und weich, dankend und fest: er gehört(e) – eigentlich – dazu wie Figurensatz und Uhr. Das alles aber funktioniert gerade nicht.

So steht es auf der Website der USG Chemnitz, ein Verein mit mehr Jugend- als Herrenmannschaften, die gerade allesamt Zwangspause haben, deren Spieler sich aber in der DSOL tummeln. Darunter Quentin Heiser, 12 Jahre jung, dem sich jetzt in der Online-Liga eine zauberhafte Rettungschance bot.

Johannes Alt (1433) – Quentin Heiser (1650)
DSOL Liga 7B

Die weißen Bauern in ihrem Lauf halten weder Springer noch König auf? Von wegen.

Schwarz zieht und rettet sich.
(Du willst lösen? Klick aufs Brett.)


Die besten Ideen sind meistens ganz einfach. „Heureka“ haben wir unlängst angesichts der Website des SC ML Kastellaun ausgerufen. Die Kastellauner bedienen sich eines einfachen Tricks, um Schachinteressierte aus dem Internet an ihren Verein zu binden: Oben auf ihrer Website prangt ein Link, der direkt zum Lichess-Team des Vereins führt.

Der Webmaster des SC 1948 Ersingen aus dem Schachbezirk Pforzheim ist einer von denen, die sich dieses Rezept zu Eigen gemacht haben👍 Jetzt müsste er nur noch nachschauen, was ein Call to action ist und wie man den einsetzt. Stünde auf der Seite „Spiel mit uns!“ statt, gähn, „Direktlink in die virtuelle Schachburg“, würden mehr Leute klicken.

Einen Link zur DSOL brauchen die Ersinger jedenfalls nicht. Dort sind sie längst angemeldet, und Gäste dürfen in dieser geschlossenen Gesellschaft nicht mitspielen, bevor nicht ihre Meldung für den Spielbetrieb bei der Schachverwaltung eingegangen ist.

Ersingens Adrian Scheuer wäre prädestiniert dafür, Neuzugänge des Vereins vor ihrem ersten DSOL-Einsatz mit dem Matt des Damiano vertraut zu machen.

Kay Hoffmann (1692) – Adrian Scheuer (1600)
DSOL Liga 6D

Schwarz zieht und gewinnt.


Der FC Lachendorf zählt zur Minderheit deutscher Vereine, die sich ihr virtuelles Vereinsheim bei chess.com eingerichtet haben. Warum auch nicht? Auch dort gibt es eine Clubliga, auch dort wird nach den gleichen Regeln gespielt wie anderswo.

Die Schachsparte des FC ist 1989 aus einer Initiative von denksportbegeisterten Fußballern entstanden. Einige Fußballer des Vereins spielten gerne Schach, und sie trauten sich zu, in Ligawettkämpfen gegen Vereinsspieler zu bestehen. Also wurden sie selbst welche.

Lachendorfs Roberto Robertson bot sich jetzt in der DSOL die Gelegenheit, gegen einen nominell überlegenen Vereinsspieler den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Um zu sehen, wie das ging, bedarf es allerdings eines veritablen Vereinsspielers mit ein bisschen Zeit auf der Uhr.

Roberto Robertson (1607) – Johannes Obermeier (1784)
DSOL Liga 7D

Lösbar, aber nicht trivial. Das wahrscheinlich schwierigste der heutigen Taktikhäppchen.

Weiß am Zug rettet sich.


Zu Beginn der DSOL-Serie fiel der Vorsitzende des Brackweder SK mit einer veritablen Tirade gen Hamburg auf, so sehr hatte ihn das erste virtuelle Ligatreffen genervt:

Und dann versagte auch noch die Technik, sodass ChessBase der Liga eine Zwangspause verordnete, um erst einmal einen möglichst störungsfreien Spielbetrieb sicherzustellen. Der hakt und ruckelt dem Vernehmen nach zwar immer noch gelegentlich, manches ist umständlich gelöst, was einfach sein könnte, aber im Prinzip läuft die Sache, und die Spieler haben sich damit arrangiert, sodass jetzt nicht die Begleitumstände, sondern der Wettkampf im Fokus steht.

Am virtuellen Brett bekam in der dritten Liga Brackwedes Werner Brakemann einen Elfmeter serviert, den zu verwandeln er sich weigerte. Aber siehe da, im Zug danach legte ihm sein Gegner den Ball gleich noch einmal auf den Punkt.

Werner Brakemann (1830) – Ulrich Mittelbachert (1822)
DSOL Liga 3B

Wie verwandelte Weiß am Zug den Elfmeter?


Dr. Irmin Meyer. | Foto: SV Werder Bremen

Wo wir schon bei Elfmetern sind: Irmin Meyer, Schriftführer in der Schachabteilung des SV Werder Bremen, bekam den Traumelfmeter eines jeden Schachspielers aufgelegt, jenes Mattbild, das jeder Taktik-Schüler als erstes lernt.

Irmin Meyer (1872) – Gerhard Müller (1996)
DSOL Liga 1C

Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt.


Kennst du eines kennst du alle? Von wegen. Jon Edwards hat sich für dieses E-Buch Partien angeschaut, in denen das Matt des Damiano vorkommt, mal in Reinform, mal in komplexer Abwandlung. 180 Partien hat er gefunden. Das Mattbild, bekannt seit 1512, ist eines der ersten in der Schachliteratur erwähnten, siehe dieser Beitrag über das Superturnier Madrid 1575.

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