Auf Kollisionskurs mit der FIDE? Der Weltmeister und das Glücksspiel

Magnus Carlsen hat einen neuen Hauptsponsor, den schwedischen Sportwetten- und Glücksspielkonzern Unibet, der mit gut tausend Mitarbeitern jährlich einen Umsatz von gut 400 Millionen Euro erwirtschaftet. 2020 und 2021 wird Carlsen als „Unibet-Botschafter“ durch die Welt reisen und mit dem Unibet-Logo auf dem Sakko auftreten.

Wenn man ihn denn lässt. Der Deal war gerade verkündet, da tweetete FIDE-Direktor Mohamed Al-Mudahka (der mit FIDE-Schatzmeisterin Zhu Chen verheiratet ist): „Bei FIDE-Veranstaltungen kannst du das vergessen.“

Und so steht ein erstes Fragezeichen über dem WM-Match Ende 2020, dessen Ausrichter immer noch nicht feststeht. Allerdings hat FIDE-Chef Arkadi Dvorkovich in der Zwischenzeit angedeutet, dass das Match mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach Dubai geht (Perlen-Leser wussten das längst). Laut Dvorkovich sind nur noch einige vertragliche Details zu klären.

Konflikt mit der FIDE und dem norwegischen Gesetz

Sollte Carlsen darauf beharren, während des WM-Kampfs das Logo seines Sponsors zu tragen, wird es wahrscheinlich zu einem Konflikt mit der FIDE kommen. Der Weltmeister hat sich dafür verbal schon gerüstet. In einem Interview in Norwegen ließ Carlsen jetzt durchblicken, er habe noch nicht entschieden, das Match zu spielen: „Es wäre eine schlechte Strategie, sich vor Verhandlungen Optionen zu nehmen.“

Auch bei norwegischen Veranstaltungen wird sein Auftritt als Unibet-Sponsor nicht gern gesehen sein, könnte gar verboten werden. In Norwegen ist jede Art von Glücksspiel staatlich reglementiert und zwei staatlichen Gesellschaften vorbehalten. Privaten Unternehmen bleibt dieser Markt verschlossen, eine Regelung, die Carlsen aufweichen möchte, damit das Schach von Geldern solcher Unternehmen profitieren kann. Sein eigener Club „Offerspill“, den er während des Konflikts mit dem norwegischen Verband gegründet hatte, soll Unibet-Unterstützung erhalten.


Dieser Text ist ein erweiterter Auszug aus der Kolumne „Schachgezwitscher“ in der kommenden Ausgabe der RochadeEuropa.

Hinterlasse hier deinen Kommentar