Auf Kollisionskurs mit der FIDE? Der Weltmeister und das Glücksspiel

Magnus Carlsen hat einen neuen Hauptsponsor, den schwedischen Sportwetten- und Glücksspielkonzern Unibet, der mit gut tausend Mitarbeitern jährlich einen Umsatz von gut 400 Millionen Euro erwirtschaftet. 2020 und 2021 wird Carlsen als „Unibet-Botschafter“ durch die Welt reisen und mit dem Unibet-Logo auf dem Sakko auftreten.

Wenn man ihn denn lässt. Der Deal war gerade verkündet, da tweetete FIDE-Direktor Mohamed Al-Mudahka (der mit FIDE-Schatzmeisterin Zhu Chen verheiratet ist): „Bei FIDE-Veranstaltungen kannst du das vergessen.“

https://twitter.com/almodiahki/status/1222855322857017344

Und so steht ein erstes Fragezeichen über dem WM-Match Ende 2020, dessen Ausrichter immer noch nicht feststeht. Allerdings hat FIDE-Chef Arkadi Dvorkovich in der Zwischenzeit angedeutet, dass das Match mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach Dubai geht (Perlen-Leser wussten das längst). Dort ist Glücksspiel und Werbung dafür verboten. Trotzdem sind laut Dvorkovich nur noch einige vertragliche Details zu klären.

Werbung

Konflikt mit der FIDE und dem norwegischen Gesetz

Sollte Carlsen darauf beharren, während des WM-Kampfs das Logo seines Sponsors zu tragen, wird es wahrscheinlich zu einem Konflikt mit der FIDE kommen. Der Weltmeister hat sich dafür verbal schon gerüstet. In einem Interview in Norwegen ließ Carlsen jetzt durchblicken, er habe noch nicht entschieden, das Match zu spielen: „Es wäre eine schlechte Strategie, sich vor Verhandlungen Optionen zu nehmen.“

Auch bei norwegischen Veranstaltungen wird sein Auftritt als Unibet-Sponsor nicht gern gesehen sein, könnte gar verboten werden. In Norwegen ist jede Art von Glücksspiel staatlich reglementiert und zwei staatlichen Gesellschaften vorbehalten. Privaten Unternehmen bleibt dieser Markt verschlossen, eine Regelung, die Carlsen aufweichen möchte, damit das Schach von Geldern solcher Unternehmen profitieren kann. Sein eigener Club „Offerspill“, den er während des Konflikts mit dem norwegischen Verband gegründet hatte, soll Unibet-Unterstützung erhalten.


Dieser Text ist ein erweiterter Auszug aus der Kolumne “Schachgezwitscher” in der kommenden Ausgabe der RochadeEuropa.

4 1 vote
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

3 Comments
Most Voted
Newest Oldest
Inline Feedbacks
View all comments
trackback

[…] seitdem Magnus Carlsen sich zum Unibet-Botschafter hat ernennen lassen, eine Partnerschaft, die das WM-Match gefährdet. Seit Wochen schon verkündet die FIDE, der Vertrag mit der Expo in Dubai über das WM-Match sei so […]

trackback

[…] Auf Kollisionskurs mit der FIDE? Der Weltmeister und das Glücksspiel […]

trackback

[…] Auf Kollisionskurs mit der FIDE? Der Weltmeister und das Glücksspiel […]