World Cup 2023: der Ticker (Runde 1+2)

206 Spieler, 103 Spielerinnen, 2×3 Plätze fürs Kandidatenturnier, 2,5 Millionen Dollar Preisgeld. Der World Cup ist das größte, aufregendste Turnier, das der Schachkalender alle zwei Jahre zu bieten hat. Am Sonntag, 30. Juli, geht es in Baku/Aserbaidschan wieder los, diesmal mit einer neunköpfigen deutschen Delegation. So viele schwarz-rot-goldene Flaggen standen beim World Cup noch nie auf den Tischen.

Paarungen der dritten Runde am Samstag. | Grafik: DSB

Die Partien beginnen täglich um 13 Uhr deutscher Zeit. Gespielt werden Zwei-Partien-Matches und im Fall eines 1:1 ein Schnellschach-, dann ein Blitzschach-Stechen, bis es einen Sieger gibt.

Livepartien, Ergebnisse, Turnierbaum (offen)

Livepartien, Ergebnisse, Turnierbaum (Frauen)


“Grischuk und Lagno sind raus, Nakamura und So überleben”:
Bericht zum Tiebreak der 2. Runde bei chess.com

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|| Runde 3, Partie 1, 5. August

Zu fünf in der dritten Runde

■ Ein Rückblick auf den Tiebreak, eine Vorschau auf die Fünftrundenmatches und eine Partie von Matthias Blübaum, der seinen Tiebreak gegen David Paravyan vergleichweise glatt und souverän gewann:

|| Runde 2, Tiebreak, 4. August

Donchenko und Blübaum sind weiter

■ Glückwunsch Alexander Donchenko, Glückwunsch Matthias Blübaum! Diese beiden haben sich im Tiebreak durchgesetzt, der eine nach einem langen Match im sudden death, der andere glatt und souverän. Zu fünft stehen die Deutschen in er dritten Runde des World Cups, das ist nicht weniger als historisch. Und doch mochte weder am Bodensee noch beim auf Twitch live kommentierenden Bundestrainer Jan Gustafsson Euphorie aufkommen. Nicht wegen des Schachs, das war super, aber wegen der Ergebnisse. In den fünf Tiebreak-Matches wäre mehr drin gewesen als zwei Siege. Und es war ja sogar überragend losgegangen:

Leider nutzte Niclas Huschenbeth gegen David Navara die Chancen nicht, die sich ihm mehrfach boten, leider unterlag Dmitrij Kollars gegen Ruslan Ponomariov in einem Match zweier gleichwertiger Spieler im Blitz-Entscheid. Leider entglitt Frederik Svane gegen Ivan Cheparinov die Weißpartie, nachdem er zum Auftakt mit Schwarz das Angebot angenommen hatte, schon in der Eröffnung die Züge zu wiederholen. Schade. Aber auch diese drei können mit der Gewissheit nach Hause fahren, dass sie gegen Großmeister aus der 2650+-Abteilung auf Augenhöhe sind. Mindestens.

Revanche für Rasmus

Die zweite Partie seines Matches gegen Ivan Cheparinov durfte Frederik Svane keinesfalls verlieren. Er spielte Französisch. Und stand nach 13 Zügen platt.

■ Unvergessen, das World-Cup-Drama vor zwei Jahren, als Ivan Cheparinov im Armageddon Rasmus Svane rausgkegelte. Heute ab 13 Uhr kann Frederik Svane für seinen Bruder Revanche nehmen. Waurm er mit einem psychologischen Vorteil ins Match geht? Siehe Video oben.

!!

■ Stellen wir uns vor, Robert Hübner und KugelBuch bekämen eine Reihe von Kombinationen vorgesetzt und sollten bewerten, welche brillant sind. Wahrscheinlich würden die beiden Schachfreunde die Dinge ganz unterschiedlich einschätzen. Und nicht nur diese beiden. Um Magnus Carlsens finalen Ausknipser, ein fraglos sehr schönes, effektvolles Matt in 5, entbrannte gestern in der Schachblase eine Debatte, nachdem der chess.com-Algorithmus Carlsens Kombi per Doppelrufzeichen als “brillant” eingestuft hatte. Ist es das wirklich, oder eher ein hübsches Kombinatiönchen? Die Lesenden mögen selbst entscheiden. Aber erstmal, bitteschön, dürfen sie herausfinden, wie Carlsen seine Partie gewann und in die dritte Runde einzog:

Magnus Carlsen (2835) – Levan Pantsulaia (2564): Brillant? Weiß zieht und knipst es effektvoll aus. (Du willst lösen? Klick aufs Brett!)

39 Matches

■ 30 Tiebreaks im offenen Turnier, 9 bei den Frauen. Während einige Favoriten raus sind, Nodirbek Abdusattorov etwa, müssen andere heute in der Nachspielzeit ums Weiterkommen kämpfen. Wesley So gelang es gestern um Haaresbreite, sich in den Tiebreak zu retten. Maxime Vachier-Lagrave kann nicht behaupten, in den klassischen Partien gegen Valentin Dragnev aus Österreich dominiert zu haben, im Gegenteil eher. Auch Anish Giri muss heute ran, um die Chance zu erhalten, sich in drei Wochen den ersehnten Platz im Kandidatenturnier 2024 zu sichern. Im Frauenturnier stellt Weltmeisterin Ju Wenjun fest, dass nicht nur WM-Matches schwierig sind. Gegen Eva Repkova (48, Elo 2312) kam sie über ein 1:1 in den klassischen Partien nicht hinaus.

Die Weltmeisterin muss nachsitzen: Ju Wenjun beim World Cup. | Foto: Stev Bonhage/FIDE

|| Runde 2, Partie 2, 3. August

Drei weiter, einer raus, fünf im Tiebreak

Magnus Carlsen, der sein Match 2:0 gewann, versucht, das schwer durchschaubare Gefecht auf dem Brett von Matthias Blübaum zu verstehen. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Vincent Keymer, Rasmus Svane und Elisabeth Pähtz haben morgen frei. Nach 1,5:0,5-Matchsiegen ziehen sie in die dritte Runde des World Cups ein. Daniel Fridman fährt derweil erhobenen Hauptes nach Hause. Nach der Niederlage in der Schwarzpartie brachte der 47-Jährige mit den weißen Steinen Nikita Vitiugov arg ins Schwitzen. Aber es sollte nicht ganz reichen, der Nepo-Sekundant rettete sich in ein Dauerschach – und in die dritte Runde.

Alexander Grischuk, der gegen den Iraner Bardiya Daneshvar ins Stechen muss, stellt fest, dass Alexander Donchenko mit Schwarz zwar nichts anbrennen lässt, aber auch kaum in die Nähe von Gewinnchancen kommt. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Während Keymers und Pähtz’ Weiterkommen abzusehen war, ist Rasmus Svanes Endspieltriumph über Ex-Europameister Ivan Saric keine Sensation, aber überaus bemerkenswert. Es war ein typischer Sieg der “Technikmaschine” (DSB-Sportdirektor Kevin Högy) aus einer vereinfachten Stellung heraus, die unschuldig aussah, aber sich als überaus giftig für den Kroaten entpuppte. Alexander Donchenko, Matthias Blübaum, Frederik Svane, Dmitrij Kollars und Niclas Huschenbeth spielten remis, ihre Matches stehen nach den klassischen Partien 1:1. Morgen: Tiebreak.

Erhobenen Hauptes: Daniel Fridman ist raus. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Gukesh überholt Anand

■ Am 15. März 2016, nach 30 Jahren, war es zum ersten Mal passiert: Viswanathan Anand rutschte auf den zweiten Platz in der indischen Rangliste. Aber nicht für lange. Pentala Harikrishna, der ihn damals überholt hatte, ist gewiss ein formidabler Großmeister der 2700-Klasse, aber keiner, der sich in den Top 10 der Welt festbeißen kann. Anand stellte die Hackordnung bald wieder her. Am 8. August 2023 ist es zum zweiten Mal passiert, und diesmal könnte der Wechsel an der Spitze von Dauer sein. Gukesh hat sein Auftaktmatch 2:0 gegen den aserischen GM Misratdin Iskandarov gewonnen. Mit dem ersten Partiegewinn gestern enterte der 17-Jährige erstmals die Top 10 der Welt. Mit dem Sieg heute rückt er auf den neunten Rang vor – und lässt den Vater des indischen Schachwunders hinter sich.

Gukesh, Indiens neue Nummer eins. | Grafik via agadmator

World-Cup-Taktiken

Im Video: eine Auswahl der besten World-Cup-Kombinationen bislang (mit u.a. Vincent Keymer und Gukesh) und der Stand der Dinge bei der deutschen Delegation.

■ Das beste Schachtaktik-Portal der Welt? Chesspuzzle.net natürlich, allein schon, weil es nur dort Taktiken aus dem aktuellen Turniergeschehen zu sehen gibt. Aus dem World Cup zum Beispiel. Aus den Funden von Martin Bennedik, Macher der Seite, haben wir sechs Puzzles ausgewählt. Viel Spaß. Zum Überprüfen deiner Lösung einfach aufs Brett klicken!

GM Sam Shankland (2711) –
GM Ivan Schitco (2507)
GM Vincent Keymer (2690) –
GM Daniel Dardha (2600)
IM Alina Bivol (2371) –
IM Gunay Mammadzada (2448)
GM Vasif Durarbayli (2631) –
GM Jules Moussard (2654)
GM Dommaraju Gukesh (2744) –
GM Misratdin Iskandarov (2551)
GM Anton Korobov (2667) –
GM Eduardo Iturrizaga Bonelli (2617)
Martin Bennediks Taktikportal chesspuzzle.net gehört mittlerweile zu den größten Schachseiten der Welt.

Samurai Leko

Früher Schwertkampfschule, heute Quelle für Lebensweisheiten und Managementstrategien: Auf seine alten Tage wurde Miyamoto Musashi vor allem in den USA zum Bestseller.

■ Schachpräsentation orientiert sich zunehmend am Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit, und das hat zur Folge, dass wir immer seltener von schachlichen Instanzen erklärt bekommen, was auf den Brettern vor sich geht. Umso schöner war, zumindest aus Sicht halbwegs ambitionierter Schachfreunde, die Besetzung der Zweitrundenstreams. Auf dem FIDE-Kanal stieg Exweltmeister Viswanathan Anand ein, auf chess24 (dessen Mutter chess.com pogchamps5 überträgt) Peter Leko. Bevor der Ungar schachlich zur Sache kam, musste er erst einmal erklären, was das Samuraischwert hinter ihm zu bedeuten hat. Das Schwert repräsentiere seine Leidenschaft für die Werke des japanischen Schwertkämpfers Miyamoto Musashi (1584-1645), erklärte Leko. Neulich beim Neusortieren seiner Habseligkeiten sei es im Schachzimmer gelandet. Anders als Musashi, dessen Weg manche Leiche pflasterte, hat Leko sein Samuraischwert noch nicht im Kampf eingesetzt. Er schließt aber nicht aus, dass es dazu noch kommt, sollte sich eine Notlage ergeben.

|| Runde 2, Partie 1, 2. August

Gemischter Auftakt

■ Ein sehr gutes Ergebnis, ein sehr schlechtes und sechs, bei denen wir noch sehen werden, was sie wert sind: der Auftakt der acht Herren im offenen Turnier. Vincent Keymer, klarer Elofavorit, nahm Daniel Dardha mit den weißen Steinen flugs auseinander und war, eine Seltenheit bei selbstkritischen Schachspielern, sehr zufrieden mit sich und der Gesamtsituation. Die dritte Runde ist greifbar.

Keymers Partie war kaum beendet, da erschien schon das Video der Schachfreunde Greek und Gunny online.

Daniel Fridman hingegen hat gegen den klaren Elofavoriten Nikita Vitiugov nicht die Strategie durchziehen können, die Jonathan Carlstedt empfohlen hatte (siehe Video unten) und die er wahrscheinlich selbst verfolgen wollte: In den Turnierpartien zwei Remis machen, und dann im Tiebreak irgendwie weiterkommen. Die erste Turnierpartie, mit Schwarz, ging verloren, und Fridman muss morgen einen raushauen, damit Vitiugov nach verlorenem Tiebreak wieder so schön leidet wie beim World Cup 2019.

Die anderen sechs Herren: remis, speziell im Fall von Niclas Huschenbeth und Matthias Blübaum ein erkämpftes aus bedrängter Lage mit den schwarzen Steinen. Im World Cup der Frauen gelang der nominell klar favorisierten Elisabeth Pähtz ein Schwarzsieg zum Auftakt.

Keine Armenier

■ Nehmen wir doch den Tag, an dem die großen Namen des Schachs ins Geschehen eingreifen, zum Anlass zu beleuchten, wer nicht spielt, die Armenierinnen und Armenier nämlich, allen voran Levon Aronian. Wie üblich, wenn der Weltverband FIDE Schachturniere vergibt, wird unter der Fuchtel eines mindestens autoritären, gelegentlich diktatorischen Regimes gespielt. Aserbaidschan passt in dieses Schema.

Aserbaidschan bedarf freilich keines Schachturniers, um sich zu legitimieren. Diktator Ilham Alijev besticht für Einfluss und Anerkennung im In- und Ausland munter Leute, dafür besonders empfängliche deutsche Abgeordnete etwa, und die Europäische Union stört sich in ihrer Sorge um die Energie trotzdem nicht daran, sich an des Autokraten Gashahn zu hängen.

Der Kontext des Fehlens der Armenier im World Cup ist allerdings ein anderer, die undurchsichtige Situation um den von Aserbaidschan blockierten Latschin-Korridor, der in die Region Bergkarabach führt, die eher zu Aserbaidschan gehört, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt ist. Levon Aronian hat schon vor Monaten auf die sich zuspitzende Notlage der Bevölkerung hingewiesen. Und wenig später darauf, dass er sich derzeit in Aserbaidschan nicht sicher fühlt. Das sehen seine Landsleute offenbar genauso.

Charmant vergiftete Mango

■ Was heute im World Cup passiert, wird sich der SC Viernheim genauso für die Bundesliga vorstellen: Hikaru Nakamura spielt, und auf seinem Streaming-Kanal wird die Partie live übertragen.

In den World Cup ist der Weltranglistenzweite auf kuriose Weise geraten: Er hatte erst abgesagt, es sich dann anders überlegt – und FIDE-Chef Arkady Dvorkovich um einen Freiplatz gebeten. Dvorkovich entsprach dieser Bitte.

https://twitter.com/GMHikaru/status/1686692568464048128

Vor seiner ersten Partie gegen den Inder Venkataraman Karthik sandte Nakamura per Twitter ein charmant vergiftetes Dankeschön an den FIDE-Chef – in Form von Sonnenblumen, der ukrainischen Nationalblume, und einer Mango, eine Anspielung auf einen Mango-Zwischenfall in Singapur, wo sich Dvorkovich offenbar Mangos vom thailändischen Schachpräsidenten in den Transitbereich des Flughafens bringen lassen wollte, anstatt einfach selbst Mangos zu kaufen. Eine kuriose Randgeschichte, die zum #MangoGate aufzublasen dem Schachfunktionär-Wendehals Ignatius Leong bislang nicht gelungen ist. Aber vielleicht klappt das ja mit Nakamuras Hilfe.

|| Runde 1, Tiebreaks, 1. August

Carlstedt kommentiert

IM Jonathan Carlstedt beleuchtet Daniel Fridmans Schwarzsieg in der zweiten Partie – und erklärt am Beispiel des 47-Jährigen, warum Erfahrung im Schach ein wichtiger Faktor sein kann.

Armageddon abgeschafft

160 Züge verteidigt, dann war Valentin Dragnev weiter. | Foto: Lennart Ootes/FIDE

■ Außenseitersiege waren das Salz in der Suppe der ersten Partien. In den zweiten am Montag schlugen einige Favoriten zurück. Velimir Ivic etwa, der in der ersten Runde gegen den jüngsten Teilnehmer des Wettbewerbs Opfer der Kombination des Tages wurde, hat einen Tiebreak erzwungen, einen von 33, die heute ausgespielt werden. Aus deutscher Perspektive können wir dem Spektakel ganz entspannt zuschauen, aus österreichischer auch: 160 Züge wehrte sich Valentin Dragnev gegen Ori Kobo, am Ende mit Turm gegen Turm und Läufer, bevor der für den Matchsieg erforderliche halbe Punkt verbucht war.

Im Vergleich zum Tiebreak vergangener World Cups hat sich der Modus geändert. Wenn jeweils zwei Schnellpartien, 25+10 und 10+10, dann zwei Blitzpartien 5+3 unentschieden ausgegangen sind, wird nicht mehr eine Armageddon-Partie das Match entscheiden. Stattdessen werden so lange einzelne Blitzpartien 3+2 gespielt, bis es einen Sieger bzw. eine Siegerin gibt.

|| Runde 1, 2. Partie, 31. Juli

Alle neune!

■ So darf das weitergehen! Bravo! Die fünf deutschen Großmeister haben ihre Erstrundenmatches schon in den klassischen Partien entschieden. Rasmus Svane, Dmitrij Kollars und Niclas Huschenbeth, die jeweils einen halben Punkt brauchten, holten eben diesen, ohne in Gefahr zu geraten. Frederik Svane und Daniel Fridman, die gewinnen mussten, um ein Stechen zu vermeiden, taten eben das auf souveräne Weise. Alle fünf haben jetzt einen Ruhetag, bevor es am Mittwoch mit der zweiten Runde weitergeht, in der die vier Gesetzten dazustoßen und die neunköpfige deutsche Delegation an den Brettern komplett machen. Auch Amerikameister Georg Meier steht in der zweiten Runde.

Nach einem wenig ereignisreichen Schwarzremis in der ersten Partie zeigte Frederik Svane heute dem südkoreanischen IM Jun Hyeok Lee (Nummer eins Südkoreas mit 2378 Elo), wer der bessere Schachspieler ist. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Fridman, fabelhaft

■ Warum denn, mit Ausnahme von Daniel Fridman (47), die deutsche Delegation nur aus jungen Leuten bestehe, fragte die Detektei Schütt. Wollen etwa die Alten nicht?

“Sie können nicht”, antwortete das vermeintliche Fachmagazin vom Bodensee, das leider einräumen muss, den Routinier Fridman als ersten Kandidaten hinsichtlich eines möglichen Scheiterns in der ersten Runde eingestuft zu haben. Und diese Einschätzung hatte sich verfestigt, als Fridman gestern gegen IM Stamatis Kourkoulos-Arditis mit Weiß so gar nichts rauszuholen vermochte. Wie falsch sie dennoch war, demonstrierte Fridman heute. Als erster der fünf Deutschen an den Brettern stand Fridman auf Gewinn. Mit Erscheinen dieses Beitrags (16.45 Uhr) spielt er zwar noch, aber es steht außer Frage, dass er gewinnen wird und in die zweite Runde einzieht. Dort wartet ab Mittwoch mit Nepo-Sekundant Nikita Vitiugov ein veritabler Brocken aus der 2700-Abteilung.

Mit Routine und Erfahrung: Daniel Fridman steht in der zweiten Runde. | Foto: Maria Emelianova/chess.com
Der fabelhafte Fridman: Wir wollen mal nicht vergessen, wie Daniel Fridman Ende 2018 mit einer Fabelleistung das deutsche Team ungeschlagen durch die Schacholympiade gezogen hat. Ob die nächste Generation so etwas wiederholen oder gar übertreffen kann, muss sie erst noch zeigen.

Roberto Carlos, Emre Can und Stau in Baku

■ Der türkische Großmeister Emre Can ist nicht der einzige World-Cup-Teilnehmer, der sich den Namen mit einem Fußballer von Weltrang teilt. Roberto Carlos spielt auch mit, heißt allerdings beim Schach noch länger. Roberto Carlos Sanchez Alvarez dient der komplette Name der brasilianischen Rechtsverteidiger-Legende nur als Vorname. Ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet der IM aus Panama jetzt, weil sein Match an Brett 38 als erste Tiebreak-Begegnung feststeht. Zwar hatte Sanchez Alvarez die erste Partie gegen den aserischen GM Eltaj Safarli verloren, gewann aber heute die zweite kampflos. Safarli hatte in Baku im Stau gestanden und es nicht rechtzeitig ans Brett geschafft, wie seine Lebensgefährtin Josefine Heinemann auf Anfrage dieser Seite verriet.

Roberto Carlos (der Fußballer) bei der Arbeit.

Donchenkos Ukraine-Koffer

■ Der Adler ist gelandet. Ein von der polnischen Nummer eins und World-Cup-Sieger 2021 Jan-Krzysztof Duda geposteter Clip zeigt, die Schachfreunde Donchenko, Keymer und Blübaum sind in Baku eingetroffen. Die drei Führenden der deutschen Rangliste werden ab Mittwoch ins World-Cup-Geschehen eingreifen. Auffällig: Alexander Donchenko, 1998 in Moskau geboren und 2002 mit seinen Eltern nach Gießen gezogen, präsentierte einen unübersehbar in den ukrainischen Landesfarben lackierten Koffer (mit einem grünen Streifen dort, wo sich das Blau und das Gelb gemischt haben).

|| Runde 1, 1. Partie, 30. Juli

Alle neune?

Niclas Huschenbeths Start in den World Cup 2023: Weiß zieht und setzt matt.

■ Teil eins der World-Cup-Mission der neunköpfigen deutschen Delegation: zu neunt in die zweite Runde einziehen. Möglich ist das. Aber für diejenigen, die nicht per Rating für die zweite Runde gesetzt sind, bedeutet das: Siege müssen her. Rasmus Svane, Dmitrij Kollars, Frederik Svane, Niclas Huschenbeth und Daniel Fridman stehen ab dem heutigen Sonntag vor schwierigen, aber machbaren Aufgaben. Am mutmaßlich schwierigsten wird es für Routinier Daniel Fridman, dessen Gegner, der 2500-IM Stamatis Kourkoulos-Arditis, dank einer bärenstarken EM jetzt World Cup spielen darf. Gleich in der ersten klassischen Partie hat der Grieche angedeutet, dass er nicht leicht zu bezwingen sein wird. Mit Weiß holte Fridman nichts heraus – remis. Auch Frederik Svane musste sich, mit Schwarz allerdings, mit einem Remis begnügen.

Ob Niclas Huschenbeth den Rasierer daheim vergessen hat? Oder ist das der neue Look? | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Niclas Huschenbeth steht nach seinem hübschen Mattfinale (Diagramm) gegen IM Anteniana Rakotomaharo (Madagaskar) mit mehr als einem Bein in der nächsten Runde. Dasselbe gilt für Rasmus Svane, dem ausgangs der Eröffnung sein Vorteil gegen den thailändischen FM Prin Laohawirapap entglitt, dem es aber im Endspiel gelang, die Partie ein zweites Mal zu gewinnen. Als Marathonmann entpuppte sich Dmitrij Kollars, dem wie Svane sein anfänglicher Vorteil gegen Enamul Hoassain (Bangladesch) entglitten war, der aber aus einem ausgeglichenen Turmendspiel doch noch den vollen Punkt herausknetete. Nach 101 Zügen war die Schlacht geschlagen.

Mühsam, aber egal. Punkt ist Punkt. Auch Dmitrij Kollars ist auf bestem Wege in die zweite Runde. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Keine Verspätung?

■ Waren wir uns nicht einig, dass der Kampf gegen Betrug beim Schach ein elementarer, sogar ein existenzieller ist? Und dass es zumindest ein ganz einfaches Mittel gibt, Betrügern das Leben schwer zu machen? Die zeitversetzte Liveübertragung nämlich.

Supergroßmeister Maxime Vachier-Lagrave, der für die zweite Runde gesetzt ist und deswegen Zeit hat, das Reglement zu studieren, dürfte bei weitem nicht der Einzige sein, der erstaunt zur Kenntnis nimmt, dass das bei fast allen Spitzenturnieren etablierte “Delay” ausgerechnet beim Spitzenspitzenturnier nicht zu Anwendung kommt. Warum? Noch hat es darauf keine Antwort gegeben.

Der doppelte Ivic-Bezwinger

■ Die Freude war groß, als der türkische IM Ediz Gurel in der letzten Runde der EM den starken serbischen GM Velimir Ivic bezwang. Dank dieses Siegs war der 14-Jährige für den World Cup qualifiziert, wo er der jüngste Teilnehmer sein würde. Als solcher trifft er in der ersten World-Cup-Runde – auf Velimir Ivic! Und schlug ihn gleich in der ersten Partie schon wieder!

Die Kombination der ersten Runde, nicht leicht, aber ganz toll: Ediz Gurel mit Weiß zieht und gewinnt. Du willst lösen? Klick aufs Brett!

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acepoint
acepoint
6 Monate zuvor

Danke für Deinen Ticker! Gerade aus dem Urlaub zurück, eine hervorragende Quelle, um sich mal schnell auf den aktuellen Stand zu bringen.

PS. Ist die Flagge der Ukraine nicht Blau-Gelb (also genau umgekehrt)?

killi
killi
6 Monate zuvor

Aber in Nakamuras Tweet ist doch eine Ananas und keine Mango zu sehen?

von und aus dem Walde
von und aus dem Walde
6 Monate zuvor

Die beiden chess.com-Links am Anfang auf Livepartien etc. laufen bei mir in eine Sackgasse. Die URLs jeweils ohne /games?ref_id=43524416 funktionieren dann und gehen auf die richtige Eventseite.

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Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor

“Um Magnus Carlsens finalen Ausknipser, ein fraglos sehr schönes, effektvolles Matt in 5, entbrannte gestern in der Schachblase eine Debatte, nachdem der chess.com-Algorithmus Carlsens Kombi per Doppelrufzeichen als “brillant” eingestuft hatte. Ist es das wirklich, oder eher ein hübsches Kombinatiönchen?” Wo in der “Schachblase” wurde das diskutiert? Und war es wirklich ein Algorithmus, der diese Kombination unter vielen Partien (alle aus dem laufenden Weltcup oder gar alle aus der Datenbank) als sehr bemerkenswert einstufte? Und zwar “anonym”, d.h. ohne die Spielernamen zu berücksichtigen? Ich vermute eher, dass ein Mensch das dringende Bedürfnis hatte, dem im Zitat fettgedruckten Spieler Carlsen zwei Ausrufezeichen… Weiterlesen »