Elisabeth Pähtz und der GM-Titel: eine Lektion für die FIDE

Bei der Generalversammlung des Weltverbands FIDE am Rande der Schacholympiade in Chennai hat sich jetzt angedeutet, dass Elisabeth Pähtz den GM-Titel verliehen bekommt. Der Fall der deutschen Schachmeisterin stand im Zentrum einer 15-minütigen Aussprache. Allgemeiner Tenor: Spielerinnen können nicht für Fehler von Offiziellen verantwortlich gemacht werden. FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich schlägt seinem Präsidium vor, ihr den Titel ungeachtet einer ungültigen Norm zu verleihen.

FIDE-Generalversammlung, Tag zwei, die Pähtz-Debatte.

Elisabeth Pähtz wäre die 40. Frau überhaupt und die erste Deutsche mit GM-Titel. Um diesen Titel zu bekommen, sind laut FIDE-Reglement drei “GM-Normen” notwendig. Als Pähtz im November 2021 beim Grand Swiss in Riga die vermeintlich dritte Norm erzielt hatte, begann eine Debatte um die Gültigkeit ihrer zweiten Norm, erzielt im Juni 2016 bei der Europameisterschaft, von neuem. Erst im Mai 2022 hat die Titelkommission der FIDE diese Angelegenheit geklärt – mit dem Ergebnis, die Norm von 2016 war keine. In den Jahren zuvor hatte die FIDE Pähtz und den Deutschen Schachbund allerdings in dem Glauben gelassen, die Norm sei gültig.

Ullrich Krause. | via FIDE

“Spieler und Spielerinnen sollten sich auf offizielle Mitteilungen verlassen können”, steht im Appell von Ullrich Krause an die Generalversammlung, den der DSB-Präsident zu Beginn der Aussprache präsentierte. Das Schreiben an die FIDE-Delegierten hatte Krause schon im Juni abgesandt, nachdem die Titelkommission der FIDE den GM-Antrag des deutschen Verbands abgelehnt hatte. Seine ursprüngliche Position, die umstrittene zweite Norm sei gültig, hat der DSB nach dieser Entscheidung offenbar aufgegeben. Krause argumentiert jetzt im Sinne einer Wiedergutmachung.

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Die öffentliche Debatte um die Gültigkeit ihrer Norm habe Elisabeth Pähtz stark belastet, hat der DSB an die Delegierten geschrieben. Krause rief die Versammlung auf, Ruf und Karriere der deutschen Topspielerin zu schützen – zumal im Jahr der Frauen im Schach.

„Elisabeth hat verbreitet, sie würde jetzt GM werden“, sagte Krause vor der Weltschachversammlung – eine Aussage, die nicht nur die Betroffene mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen wird. Das Gegenteil ist der Fall: Pähtz hat mehrfach betont, sie habe nie gesagt, sie werde GM.

Allerdings hat sie auch nie widersprochen oder um Einhalt gebeten, nachdem FIDE und DSB voreilig die kommende Titelverleihung verkündet hatten und sie als GM Pähtz in Funk und Fernsehen herumgereicht wurde. Im Gespräch mit Erfurts Stadtsprecher Daniel Baumbach anlässlich des Eintrags ins Goldene Buch der Stadt für den „Titelgewinn ‚Großmeister der Männer‘“ ist ihr das Unbehagen anzumerken.

Das kann wahrscheinlich so stehenbleiben: Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Erfurt. Auch das Simultan auf dem Erfurter Fischmarkt gegen die “einzige deutsche Großmeisterin” am 20. August (Anmeldungen noch möglich!) könnte sich im Nachhinein als ein solches erweisen. | via erfurt.de

Auf die Problematik der umstrittenen zweiten Norm von 2016 hatte Pähtz Arkady Dvorkovich schon bei der Siegerehrung des Grand Swiss Anfang November aufmerksam gemacht. Er habe persönlich geprüft, was passiert sei, erklärte Dvorkovich jetzt. Seine Erkenntnis: Offizielle der FIDE hätten Fehler gemacht, als sie die Norm seinerzeit abzeichneten und später auf Anfrage des damaligen DSB-Sportchefs Klaus Deventer ihre Gültigkeit bestätigten. „Spieler sollten dafür nicht verantwortlich gemacht werden“, sagt Dvorkovich.

Die FIDE-Führungsriege steht nun vor einem Dilemma. Aufgrund der ungültigen Norm war die Entscheidung der FIDE-Titelkommission, den Pähtz-Antrag zurückzuweisen, formal korrekt. Andererseits hatte die FIDE es in den Jahren zuvor trotz Nachfrage aussehen lassen, als sei die Norm gültig. „Darum sind wir im Präsidium zu keiner Entscheidung gekommen, haben die Entscheidung vertagt und bringen die Sache vor die Generalversammlung“, sagt Dvorkovich.

Abgesehen von einer Stimme, die besagte, der Fall Pähtz sei nicht der einzige dieser Art, schien die überwältigende Mehrheit der Versammlung sich der Sichtweise Dvorkovichs anzuschließen. „Wir haben falsch informiert und die Falschinformation bestätigt“, sagte Anastasia Sorokina. „Jetzt müssen wir die Verantwortung dafür übernehmen und in diesem Fall eine Ausnahme machen“, ergänzte die in Australien lebenden weißrussische WIM und Schiedsrichterin.

Ähnlich der Tenor des Franzosen Bachar Kouatly, der am Tag zuvor seine Kandidatur als FIDE-Präsident mangels Erfolgsaussicht zurückgezogen hatte: „Ich kenne Elisabeth als Sportlerin und Kämpferin. Sie hat ihr Leben diesem Ziel gewidmet. Was jetzt passiert ist, war nicht ihr Fehler.“ Kouatly unterstützte ausdrücklich den Appell des DSB.

Die FIDE steht jetzt laut Dvorkovich vor der Herausforderung, einen Weg zur Titelverleihung zu finden, der sich mit dem gegebenen Reglement vereinbaren lässt. Den Fall Pähtz sieht der FIDE-Präsident als „Lektion für uns“, eine Lektion, die zu einer Reform des Norm- und Titelverfahrens führen wird. Um Sicherheit für Spielerinnen und Spieler zu schaffen, sollten Normen möglichst bald geprüft und bestätigt werden, nachdem sie erzielt worden sind.  

“Becomes GM”: Die FIDE-Chefetage vor einem der voreiligen Beiträge, die der Weltverband anlässlich Pähtz’ GM-Norm in November 2021 in den Sozialen Medien verbreitet hat. | via FIDE
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Kommentator
Kommentator
1 Monat zuvor

Diese Titelverleihung wäre von Anfang an mit einem Makel behaftet. Frau Pähtz verhält sich des Titels unwürdig, wenn sie darauf besteht, ihn zu erhalten, obwohl sie die erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt.

Neandertaler
Neandertaler
1 Monat zuvor
Reply to  Kommentator

Wie verhält man sich den “des Titels würdig”?

Das ganze ist ja ganz offenkundig ein Grenzfall. Und Frau Pähtz tritt halt für ihre eigene Sache ein.

Ich glaube, Elisabeth Pähtz hätte sich den Titel vermutlich auch auf anderem Wege gewünscht.

Kommentator
Kommentator
1 Monat zuvor
Reply to  Neandertaler

Wo siehst du da einen Grenzfall? Die Bundesliga 2010/11 und Riga 2021 sind eindeutig gültige GM-Normen, die Frauen-EM 2016 ist ebenso eindeutig keine gültige GM-Norm (nur 2 Partien gegen GM statt der erforderlichen 3), damit hat sie nicht genügend Normen für die Titelverleihung. Von einem “Grenzfall” könnte m.E. allenfalls dann die Rede sein, wenn eine Gegnerin bei der Frauen-EM de facto, aber noch nicht de jure GM gewesen wäre (sprich, die Voraussetzungen für die Titelvergabe wären zum Zeitpunkt der Partie bereits erfüllt gewesen, aber die Verleihung erfolgte erst später). Dies ist definitiv nicht der Fall, alle ihre Gegnerinnen von damals… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Kommentator

“Grenzfall” kann sich allenfalls darauf beziehen, dass früher mal eine “GM performance” (TPR 2600+, aber nicht alle anderen Voraussetzungen für GM-Norm erfüllt) doch als GM-Norm anerkannt wurde. Das wurde dann abgeschafft, wann kann ich nicht rekonstruieren. Warum scheint mir klar: es gibt mittlerweile schon “zu viele” GMs. Ursprünglich als der Titel eingeführt wurde war er ja gleichbedeutend mit “Weltklassespieler”, aber die Anforderungen wurden nicht an Elo-Inflation (was auch immer sich dahinter verbirgt) angepasst. Früher war Elo 2600 Weltklasse, heutzutage ist es nicht einmal top100.

Vielleicht wurden Sonderregelungen relativ kurz vor 2016 abgeschafft, und es hatte sich noch nicht herumgesprochen.

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Neandertaler

Grenzfall ist es wohl nicht, oder nur weil falsche Gerüchte verbreitet wurden: die Regeln sind eindeutig. Grenzfall wäre, ob ein 100m Weltrekord trotz Rückenwind anerkannt wird – da gibt es vielleicht Spielraum betrift Ungenauigkeit der Windmessung. Oder ob man eine Führerschein-Prüfung gerade so besteht (allerdings gibt es klare Kriterien für “durchgefallen”).

Der “andere Weg” – drei reguläre GM-Normen – bestand und besteht weiterhin. Kann dann noch etwas dauern, und vielleicht ist das Schachleben in ihrem Fall dafür zu kurz. Wer sich das kurz- bis mittelfristig zutraut (und nach Erwerb des GM-Titels auch “weitere GM-Normen”) verzichtet eher auf “Theater”?!

Neandertaler
Neandertaler
1 Monat zuvor
Reply to  Thomas Richter

Warum nur glaube ich, dass wenn es nicht um Frau (!) Pähtz ginge, dass Eintreten die eigene Sache nicht so schnell als “Theater” bezeichnet würde?

Männer vertreten Standpunkte, Frauen machen Theater, in der Männerwelt des Schachs vermutlich auch 2022 noch so.

Es war nicht Frau Pähtz, die mit dem errungenen Großmeistertitel an die Öffentlichkeit gegangen ist…

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Neandertaler

Bei Christian Seel oder Ilja Schneider, Nachbarn von Paehtz in der Eloliste, gäbe es wohl gar keine Diskussionen ob eine ungültige GM-Norm doch anerkannt werden sollte. Falls jemand das täte würde ich es ebenso als Theater bezeichnen.

Auf höherem Niveau: Vincent Keymer hatte mehrere “Fast-Normen” (wenn ich es richtig in Erinnerung habe: zweimal TPR 2599 und einmal 2600+ aber zu niedriger Gegnerschnitt beim Open in Wien). Niemand hat da “Kulanz” eingefordert. Man konnte ja davon ausgehen, dass er demnächst, eher früher als später, drei gültige GM-Normen erzielen wird

Martin
Martin
1 Monat zuvor
Reply to  Neandertaler

Tatsächlich ist es doch eher so, dass bei einem exbeliebigen Mann mit Elo 2400 niemand auf die Idee käme, eine ungültige Norm anzuerkennen. Das Schach braucht mehr Frauen, mehr Großmeisterinnen als Aushängeschild und darum sagt man jetzt halt: Lasst ihr doch den Titel. Das ist aber keine Frauenförderung, sondern eine herablassende Art, mit Frauen umzugehen. Als selbstbewusste Frau (!) sollte man sich so nicht behandeln lassen, den geschenkten GM-Titel ablehnen und sich die dritte Norm regulär erkämpfen.

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
1 Monat zuvor
Reply to  Martin

Ich hätte auch nicht gedacht, dass sich ein Weltverband so komisch anstellt.
Hat man sonst nichts zu tun?
Die Lösung ist doch denkbar einfach.

Philipp
Philipp
1 Monat zuvor
Reply to  Martin

Wäre Pähtz jetzt unter 30 hätte sie das wohl ernsthaft in Erwägung gezogen.
Aber sie hat ihr ganzes Leben lang ihren Unterhalt mit Schach verdient und ein GM Titel hilft halt ungemein bis zum Rentenalter ihr Geld allein mit Schach zu verdienen.

Kommentator
Kommentator
1 Monat zuvor
Reply to  Philipp

Ich behaupte mal, dass Elisabeth Pähtz vor allem die sehr lukrative Einnahmequelle “Frauenschach” dabei hilft, ihr Geld allein mit Schach zu verdienen – etwaige Mehreinnahmen durch einen GM-Titel dürften im Vergleich dazu vernachlässigbar sein.
Im übrigen gibt es durchaus einige Spieler, die erst mit über 40 Jahren ihre finale GM-Norm erfüllt haben (z.B. Stern oder Womacka) – ganz zu schweigen von der Möglichkeit, durch den Gewinn einer Senioren-WM den Titel zu bekommen.

TomKrabat
TomKrabat
1 Monat zuvor

Welch ein Normentheater! Unwürdig und rufschädigend! Will Pähtz wirklich einen Titel, dem “der FIDE sei Dank” der Makel eines Fehlers anhaftet? Welch ein Kasperle-Verein, der sein kompliziertes Normenverfahren nicht klar und für alle nachvollziehbar deklariert und überprüft.

Last edited 1 Monat zuvor by TomKrabat
Stefan Joeres
Stefan Joeres
1 Monat zuvor
Reply to  TomKrabat

Was genau ist kompliziert? Die Normen werden von den Turnierleitungen oder Föderationen bei der FIDE eingereicht und registriert. Sobald ein Antrag auf einen Titel gestellt wird, werden die eingereichten Normen überprüft. Das spart das Überprüfen vieler irrelevanter Normen. Das ist explizit so auf der FIDE Webseite angegeben: “The norms have been sent by the federations/organisers, but the norms have not yet been checked, they may not be valid.“ Das Verfahren ist allgemein bekannt und auch explizit beschrieben.

Higamato
Higamato
1 Monat zuvor

Es gibt in dem Fall eine große Merkwürdigkeit, die leider auch von Conrad nicht mehr thematisiert wird (bit.ly/3pl7JL2): Demnach soll Werner Stubenvoll 2016 beim Einreichen der Norm sehr wohl klar gewesen sein, dass die Norm nicht erfüllt war; es habe aber “eine Extraregel gegeben, nach der eine besonders gute Performance als GM-Norm gewertet werden kann”. Nach dieser Extraregel wurde angeblich dann 2021 auch gefahndet. Mittlerweile ist dieser Aspekt aber geheimnisvoller Weise völlig im Dunkel verschwunden. Jetzt sagt Stubenvoll, bei der Beantwortung der E-Mail von Deventer sei ihm nicht klar gewesen, dass bei reinen Frauenturnieren drei GM-Gegnerinnen notwendig seien. Eine solche… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Higamato

Ich hatte es bereits erwähnt, Du hast es gefunden: Es gab tatsächlich mal eine “title performance” (TPR 2600 ohne dass u.a. Artikel 1.45 erfüllt ist (“For a GM norm, at least 1/3 with a minimum 3 of the opponents (MO) must be GMs.”). Das hatte aber laut dem damaligen Regelwerk anscheinend nur bei Olympiaden angenehme Konsequenzen – “GM performance” zählte als GM-Norm über 13 Partien, GM-Norm gar als Norm über 20 Partien. Idee war wohl “Entwicklungshilfe” für Spieler aus z.B. afrikanischen Ländern, die sonst kaum internationale Turniere spielen (können). Es gab und gibt offenbar immer noch Sonderregeln für “kleine” Titel,… Weiterlesen »

Higamato
Higamato
1 Monat zuvor
Reply to  Thomas Richter

Elo 2500, OK, aber die Turnierleistung von 2600 und das gegen mindestens 3 GM ist meiner Meinung nach die höhere Hürde. Nach der Sache mit Meier ist Frau Pähtz nun wahrlich nicht mein Liebling, dennoch würde ich mich über den GM für sie freuen und fände auch nicht, dass dies ein Titel 2. Klasse wäre. Man muss auch sehen, dass die Bedingungen verschärft worden sind: 2016 hatte sie eine Turnierleistung von deutlich unter 2600, aber damals durfte man noch die ersten 9 Partien werten (aus den letzten beiden holte sie ½ aus 2). Die dritte, verschärfte, aktuelle Norm ist aber… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Higamato

Was die höhere Hürde ist, ist wohl individuell unterschiedlich – liegt auch daran, wie oft man Turniere mit Normchancen spielt. Thies Heinemann hatte etwa gleichzeitig mit Caruana drei GM-Normen, Elo 2500 hatte er erst etwa 10 Jahre später und dann bekam er den GM-Titel. Aktuell hat Jonathan Carlstedt drei GM-Normen (relativ fix: 2015, 2017 und Bundesliga 2017/2018) und wartet noch auf Elo 2500 (maximal war es 2475, live vielleicht noch ein bisschen mehr). Dagegen hat Maximilian Berchtenbreiter mittlerweile Elo 2500+ aber anscheinend noch gar keine GM-Norm [er spielt offenbar kaum Turniere, tendenziell nur Mannschaftskämpfe]. Normen über z.B. 9 von 11… Weiterlesen »

kleineme
kleineme
1 Monat zuvor
Reply to  Higamato

|> damals durfte man noch die ersten 9 Partien werten

Das ist heute auch noch so, wenn alle anderen Kriterien erfüllt sind (Title Regulations § 1.4.1 e.): “a player who has achieved a title result at any time before the last round may ignore all games played subsequently”, was vor allem verhindert, dass man nach Erfüllung der Normvoraussetzungen aus dem Turnier aussteigt.

Jörg Sonnenberger
Jörg Sonnenberger
1 Monat zuvor
Reply to  kleineme

Es gibt auch noch die zweite Variante bei 10+ Runden, dass man Siege streichen kann. Das kann es ermöglichen, sowohl die Prozent-Kriterien zu erfüllen (wie Anteil Titelträger) als auch die Performance zu erhöhen (Erste Runde gegen eine 1200 gewonnen?).

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor

Wobei die Elo des schwächsten Gegners für GM-Normberechnungen auf 2200 angehoben wird (“rating floor”), allerdings nur für einen Spieler im Turnier. Das erklärt auch, warum chess-results (das diese Feinheit nicht berücksichtigt) mitunter suggeriert, dass eine Norm verfehlt wurde.

In Mannschaftskämpfen wird durch diese Regel auch das Problem eliminiert, ob man nach erreichter Titelnorm weiterhin aufgestellt werden sollte – Teaminteresse vs. eigenes Interesse. Zuletzt erzielte Frederik Svane eine GM-Norm _während_ der noch laufenden Bundesliga-Saison.

Kommentator
Kommentator
1 Monat zuvor
Reply to  kleineme

…allerdings seit 1.1.2022 mit der kleinen Einschränkung: “In tournaments with pre-determined pairings, a norm must be based on all scheduled rounds.” (ebenfalls Title Regulations § 1.4.1 e.)

kleineme
kleineme
1 Monat zuvor
Reply to  Kommentator

Stimmt, aber Higamato hatte sich ja auf die ungültige “Norm” von 2016 bezogen, die aus einem Schweizer-System-Turnier stammt.

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Kommentator

Das mag Sinn machen – in Rundenturnieren sollten Normchancen nicht von der (zufälligen, eventuell auch manipulierten) Auslosung abhängen. Aber es kann zukünftig für Verwirrung sorgen – vor allem, wenn es einen populären Spieler oder eine Spielerin (z.B. Elisabeth Paehtz) betrefen sollte.

Wie ist es dann eigentlich bei Mannschaftskämpfen im Rundensystem? Da sind die beteiligten Vereine (oder Länder) vorab bekannt, aber nicht die Spieler/innen. Muss man dann nach Erreichen einer Norm während der Saison/während des Turniers (denkbar auch z.B. World Team Championship) in den verbleibenden Runden sicherheitshalber pausieren?

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
1 Monat zuvor

Dass ging aber schnell nach der Wiederwahl vom FIDE-Präsidenten.

Gnampf
Gnampf
1 Monat zuvor

Ich glaube das es hier nicht nur um den GM Titel geht.
Für manch einen ein weiterer Grund für die gepflegte und unverhohlene Abneigung der Person.
Frau Pähtz sollte den Grenzwertigen Titel ablehnen. Sie schafft bestimmt auch die reguläre 3 Norm.
Regularien stehen eh fest, und wenn man Profi ist, hätte man damals schon wissen müssen, dass das nichts taugt.
Ich drücke Ihr weiterhin die Daumen , und hoffe das sie dem Schach noch lange erhalten bleibt. So oder so.

Higamato
Higamato
1 Monat zuvor
Reply to  Gnampf

Bei einem Interview zur Olympiade hat sie davon gesprochen, in absehbarer Zeit aufzuhören. Und innerhalb der FIDE gibt es ganz offensichtlich keinerlei Abneigung gegen ihre Person.

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Higamato

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe sagt Paehtz seit einigen Jahren, dass sie “in absehbarer Zeit” aufhören wird. Wenn man will, dass sie “dem Schach noch lange erhalten bleibt”, sollte man vielleicht hoffen, dass sie den GM-Titel doch nicht bekommt – da sie im Schachleben noch GM werden will und demnach weitermachen müsste?

gnampf
gnampf
1 Monat zuvor
Reply to  Higamato

ich meine nicht die Fide. Aber die ständige öffentliche maulerei ist doch ein Elend. Wir sollten uns über die tollen Spiele,und die großartige Leistung, freuen.

Chris
Chris
1 Monat zuvor

Kann jemand offizielles mir ein paar GM normen inoffizielles bescheinigen?

Ich bräuchte auch nur 3 Stück.

Wie ist das dann für Leute die ähnlich auf der Grenze stehen, müssen die sich ärgern das bei ihnen niemand etwas falsch gemacht hat?

Ist das eine Lösung für die Titelflut?

Higamato
Higamato
1 Monat zuvor
Reply to  Chris

Selbstverständlich wird die FIDE dir drei GM-Normen bescheinigen. Kleine Frage: Dein Elo ist doch über 2500? Und deine Elo-Leistung war doch in drei Turnieren mit mindestens 9 Partien über der geforderten Norm?
Die “Titelflut” kommt übrigens (auch) daher, dass sich die Zahl der Schachspieler mit FIDE-Rating enorm erhöht hat.

Kommentator
Kommentator
1 Monat zuvor

In der Normenübersicht (https://ratings.fide.com/title_norms.phtml) steht unübersehbar der Hinweis “The norms have been sent by the federations/organisers, but the norms have not yet been checked, they may not be valid.

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor
Reply to  Kommentator

Recht hast Du, und soo kompliziert ist das Normenverfahren nicht: es gibt klare Regeln, die bei ihrer zweiten Norm definitiv nicht erfüllt wurden. Aber wen interessieren schon Fakten wenn es Emotionen gibt: Frau Paehtz ist eben beliebt – beim Schachbund, einem Teil der deutschen Schachszene und auch international. Ein paar Bemerkungen: Wenn/falls Frau Paehtz eine vierte (und dritte gültige) GM-Norm erzielen sollte, wird dann erwähnt “nun erfüllt sie die Anforderungen für den Titel, den sie schon zuvor bekam”? “Abgesehen von einer Stimme, die besagte, der Fall Pähtz sei nicht der einzige dieser Art ….” – wer war das denn, generell… Weiterlesen »

Meriten
Meriten
1 Monat zuvor

Wenn der GM-Titel unter diesen Voraussetzungen verliehen wird, dann wird immer diese Geschichte im Hintergrund mitschwingen und man wird denken “Eigentlich wurde der Titel nur geschenkt, um Ruhe ins Fahrwasser zu bringen.”

Markus Schirmbeck
1 Monat zuvor

Ich finde die Lösung gut, man hat zum jetzigen Zeitpunkt das beste aus der Situation gemacht. Nun muss daraus gelernt und an den Strukturen gearbeitet werden, damit so ein Schlamassel nicht noch einmal passiert. Dies unterbleibt erfahrungsgemäß aber leider zu oft.

Last edited 1 Monat zuvor by Markus Schirmbeck
Stefan Joeres
Stefan Joeres
1 Monat zuvor

Es liegt kein Schlamassel vor. Die FIDE hatte immer schon das Prozedere, dass Normen erst überprüft werden, wenn ein Titel beantragt wird, sonst prüft man ohne Ende Normen, die am Ende ohnehin irrelevant sind. Das Risiko, auf einer fehlerhaften Norm zu sitzen, gab’s daher auch schon immer und dementsprechend gibt es auch nichts, was die Vergabe des GM Titels rechtfertigen würde. (Wie auch ein anderer Kommentator anmerkt, steht auf der FIDE Webseite explizit: “The norms have been sent by the federations/organisers, but the norms have not yet been checked, they may not be valid.“) Es gibt hier keinen strukturellen Fehler,… Weiterlesen »

Markus Schirmbeck
1 Monat zuvor
Reply to  Stefan Joeres

Meiner Meinung nach kann sollte man nicht nur juristische Argumente bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen. Formal hast du sicher recht, dass die Anforderungen nicht komplett erfüllt wurden. Der Imageschaden, der Elisabeth entstanden wäre, wenn ihr der Titel jetzt verwehrt worden wäre, wäre aber erheblich, da sie dann in der breiten Öffentlichkeit als Hochstaplerin dagestanden hätte. Dass das nicht ihre Schuld ist und sie dabei auch Opfer der Umstände und der Fehler des Systems ist, hätte daran nichts geändert. Es wäre in der öffentlichen Wahrnehmung mindestens teilweise auf sie zurück gefallen und es wäre etwas negatives an ihr hängen geblieben. Der strukturelle… Weiterlesen »

Stefan Joeres
Stefan Joeres
1 Monat zuvor

Die Peinlichkeit liegt eher bei der FIDE, die selber getweetet hatte, dass Pähtz den Titel bekommt. Wenn man einigermaßen gute Kontakte zur Presse hat, ließe sich die korrekte Version der Ereignisse sicherlich vermitteln. So blöd die Situation ist, wie stellen Sie sich das vor? Die FIDE verleiht den Titel still und heimlich, sodass niemand in der Presse drüber schreibt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass “FIDE verleiht Titel, um Imageschäden für alle Beteiligten zu vermeiden” imagefördernd ist. Sicherlich kann man anfangen, jede einzelne Norm sofort zu überprüfen, das wäre dann ein Zugeständnis an die Leute, die sich nicht um Hinweise… Weiterlesen »

Markus Schirmbeck
1 Monat zuvor
Reply to  Stefan Joeres

Kurz nach Erreichen der letzten Norm wurde Elisabeth in diverse Talkshows eingeladen, trat dort eloquent und sympathisch als erste deutsche Schachgroßmeisterin auf und machte dabei Werbung in eigener Sache und für den Schachsport an sich. Sie hatte dabei schon größte Mühe den anwesenden Diskutanten und den Zuschauern zu erklären, welchen Unterschied es zwischen dem WGM Titel, den sie schon ewig hält, und dem frisch erworbenen GM Titel gibt. Die Komplexheit des Normensystems, geschweige denn Details zum Prüfprozess der FIDE sind der breiten Öffentlichkeit meiner Meinung nach unvermittelbar. Niemand außerhalb des interessierten Fachpublikums wird sich damit beschäftigen. Was hängen bliebe wäre,… Weiterlesen »

Last edited 1 Monat zuvor by Markus Schirmbeck
Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor

Wie soll man das Normensystem denn vereinfachen, hast Du einen konkreten Vorschlag? Was womöglich auch zur Verwirrung beigetragen hat: einige (auch einer in diesem Thread) kennen den (großen) Unterschied zwischen GM und WGM nicht. Paehtz hatte 2016 in 9 Runden 7 WGMs, aber nur zwei hatten auch den GM-Titel (die vermeintliche Norm war wohl über 9 von 11 Runden, ohne 0.5/2 zum Abschluss). Egal warum der WGM-Titel eingeführt wurde: man kann ihn nun nicht – rückwirkend oder für die Zukunft – abschaffen. Und auch nicht ändern in WM (das steht schon für Weltmeister), und WIM müsste dann z.B. WT (weibliches… Weiterlesen »

Markus Schirmbeck
1 Monat zuvor
Reply to  Thomas Richter

Ohne mich damit eingehend beschäftigt zu haben und mir daher ein fundiertes Urteil erlauben zu wollen, bin ich doch sicher, dass es gute Gründe dafür gibt, dass das Normensystem so ist, wie es ist. Man kann es immer irgendwie anders machen und würde damit andere Ungerechtigkeiten erzeugen. Mein Kritikpunkt ist eher, dass solch ein jahrelanger Schwebezustand (gültig oder eben doch nicht gültig) gerade für Profispieler einfach inakzeptabel ist, da dies im Zweifelsfall große Auswirkungen auf die berufliche Existenz haben kann. Ein konkreter Vorschlag wäre, dass es eine Möglichkeit geben sollte Normen auf Antrag der betroffenen Spieler proaktiv prüfen zu lassen… Weiterlesen »

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
1 Monat zuvor

Der Fall ist klar, die FIDE hat Fehler gemacht und sollte dazu auch stehen.
Dieses Rumgeeiere ist mehr als peinlich.
Ullrich Krause hat vollkommen recht, Spieler und Spielerinnen sollten sich auf offizielle Mitteilungen verlassen können.

Anton Poels
Anton Poels
1 Monat zuvor

Jetzt GM honoris causa (honorary GM) und GM wenn Frau Pähtz eine dritte Norm erfüllt genau wie die Leute die jetzt schon GM sind.

trackback

[…] Elisabeth Pähtz und der GM-Titel: eine Lektion für die FIDEDie Lektion für die FIDE ist offenbar nicht überall angekommen: Bestätige Spielern und Spielerinnen nicht leichtfertig, dass sie eine Norm erzielt haben! […]

Verena Meier
Verena Meier
1 Monat zuvor

Kriegsgewinnler gibt’s eben nicht nur in der Wirtschaft … frisch im Amt bestätigter russischer FIDE-Präser nebst russischem Bundestrainer … da ist ein bißchen Dankbarkeit ja wohl das Mindeste. 😉

… und Caissa verhüllte ihr Angesicht

Juka
Juka
1 Monat zuvor

Melanie Lubbe ist bereits Großmeisterin

Luca
Luca
1 Monat zuvor
Reply to  Juka

Sie ist WGM, also Frauengroßmeisterin. Pähtz würde den regulären GM Titel erhalten.

Philip
Philip
1 Monat zuvor
Reply to  Luca

Lang lebe der reguläre, der einzig wahre Männersport, wo man gefälligst gepflegt mit Anzug und Krawatte beim Sitzen schwitzen soll.