Im World Chess Club brennt noch Licht

Spielt Daniil Dubov den Grand Prix, der am Freitag im World Chess Club Berlin beginnt? Mittlerweile erscheint das wahrscheinlicher als nach seinem positiven Covid-Test unlängst in Wijk an Zee, der dazu geführt hat, dass Dubov aus dem Superturnier ausschied. Seitdem sind weitere Tests negativ ausgefallen. Außerdem zeige Dubov keine Symptome, teilt die FIDE auf Anfrage dieser Seite mit. Eine Entscheidung, ob er spielt, gebe es noch nicht.

Laut ChessBase steht Andrey Esipenko als Nachrücker bereit. Damit konfrontiert, bestreitet ein FIDE-Sprecher, dass schon feststeht, wer ins Feld rutscht, sollte World-Chess-Wildcard Dubov doch noch kurzfristig ausfallen. Es gebe zwar “einen Plan B und C”, aber ein Nachrücker sei noch nicht nominiert. Müsste kurzfristig einer gefunden werden, obläge es laut Reglement FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich, ihn zu benennen.

Daniil Dubov hat jetzt im Gespräch mit Peter Svidler und Jan Gustafsson auf chess24 offenbart, wie sehr er sich um seine Teilnahme sorgt. Und dass er mit seiner Entscheidung hadert, nach Wijk zu fahren.

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Hätte er sich nicht den Organisatoren verpflichtet gefühlt, die ihn nach der coronabedingten Absage vor einem Jahr gerne im Feld sehen wollten, er hätte sich womöglich dagegen entschieden, um vor dem Grand Prix in Berlin keine Infektion zu riskieren. Aber ein Gespräch mit den Grand-Prix-Organisatoren unmittelbar nach dem positiven Test sei “inspirierend” gewesen, es habe ihn optimistisch gestimmt, trotzdem mitspielen zu können.

Früher Samstagabend, Berlin, Mittelstraße/Unter den Linden: Im World Chess Club wird noch gearbeitet, um das Objekt für den am Donnerstag (wahrscheinlich mit Daniil Dubov) beginnenden Grand Prix zu präparieren. “Es geht gut voran”, teilt World Chess auf Anfrage dieser Seite mit. | Fotos: Bernhard Riess/Perlen vom Bodensee, Tata Steel Chess

Anders als Daniil Dubovs Teilnahme ist der Spielort sicher. Erste Fotos durch die Tür des World Chess Club vor knapp zwei Wochen hatten in erster Linie Gerümpel offenbart und Zweifel über den Zustand der Räumlichkeiten geweckt. Aber nun haben die Bauarbeiten begonnen, um das gut 1.000 Quadratmeter große ehemalige Vapiano-Restaurant in eine Schach-Spielstätte zu verwandeln.

Der eigentliche World Chess Club Berlin soll erst daraus werden, wenn das dritte Grand-Prix-Turnier im April gespielt ist. Für die Dauer des Grand Prix würden die Räumlichkeiten neu aufgeteilt und abgetrennt, teilt World Chess auf Anfrage dieser Seite mit. Erst wenn diese neu geschaffenen Räume wieder abgebaut sind, wird das Etablissement seine eigentliche Form annehmen. Wann der World Chess Club Berlin in seiner endgültigen Form offiziell eröffnet wird, steht noch nicht fest.

Für die Grand-Prix-Spieltage (4. bis 7., 8. und 9. Februar) sind online Tickets zum Tagespreis von 25 Euro erhältlich. Aufgrund der Hygieneauflagen werden pro Tag nur 30 Tickets verkauft. Außerdem ist der Zutritt nur nach der 2G+-Regel möglich: “Vollständige Impfung mit EU-zertifiziertem Impfstoff oder ein Genesungsnachweis und zusätzlich eine Auffrischungsbescheinigung oder ein negatives Testergebnis.

Gegen seine Gruppengegner Vidit Gujrathi und Daniil Dubov hat Vincent Keymer noch keine Turnierpartie gespielt. Gegen Levon Aronian durchaus, 2019 beim Grenke Chess Classic als 14-Jähriger. Und das lief sehr ordentlich.

Peter Svidler hat auf chess24 jetzt prognostiziert, die in Berlin versammelten Großmeister würden vorsichtig zu Werke gehen, da bei nur sechs zu spielenden Partien in der Vorrunde eine Niederlage ausreiche, um praktisch keine Chance mehr auf den Gruppensieg zu haben. Vincent Keymer geht allerdings davon aus, dass die Schachfreunde Aronian, Vidit und Dubov gegen ihn als nominell klar schlechtesten Spieler in der Gruppe die Vorsicht nicht übertreiben werden. “Sie werden probieren, gegen mich zu gewinnen”, erklärte Keymer im Gespräch (hinter der Bezahlschranke) mit Ulrich Stock.

“In Deutschland nur Hobby”

Dass die Favoriten gegen ihn potenziell etwas mehr Risiko nehmen als unter ihresgleichen, könnte wiederum Keymers Chance sein, selbst zu punkten. Das Rezept, Spieler aus der 2700+-Liga gelegentlich zu besiegen, funktioniere so: “Ich probiere, hauptsächlich solide zu sein, und wenn ich Chancen kriege, dann nehme ich sie, so gut ich kann.” Allerdings erwartet Keymer auch, dass die Gegenspieler nicht ins offene Messer laufen werden. Früher hätten ihn die Gegner noch gelegentlich unterschätzt. “Mittlerweile ist das nicht mehr der Fall”, sagt der Vize-Europameister.

Abseits von schriftlichem Abitur (gut gelaufen) und Grand Prix dreht sich das ausführliche Gespräch um die nun beginnende Profikarriere des 17-Jährigen. Mit der ist er hierzulande ein Exot: “Schachspieler als Beruf ist in Deutschland nicht vorgesehen”, sagt Keymer. Und zieht Stimmen aus seinem Umfeld sowie die Profi-Attitüde beim DSB heran, um das zu belegen. “In Deutschland wird Schach oft nur als Hobby angesehen, und entsprechend sind auch die Einstellung und die Förderung des Verbandes.”

Die Zahl der extrem starken Schach-Wunderknaben, nicht nur aus Indien, ist höher denn je, die Konkurrenz stärker denn je. Vincent Keymer will trotzdem in die Top 10 der Welt. “Ich probiere es, ich arbeite dafür gern und viel, aber die Frage ist natürlich, für was es letztlich reicht. Das kann niemand beantworten”, sagte er jetzt im Interview mit der Zeit. | Fotos: David Llada

Um sein Potenzial auszureizen, sei in allererster Linie harte und zielführende Arbeit erforderlich. Beispiele dafür, dass es ohne Arbeit nicht geht, könnte Keymer leicht benennen: Viele talentierte Spieler seien “an sich ganz gut”, aber arbeiteten entweder zu wenig oder falsch. Und dann “bringt das nichts. In diesem Sinne ist Schach brutal.”

“Niemand kann das allein”

Wohin ihn sein Potenzial führen wird, weiß Keymer nicht, aber er kann sein Ziel benennen: die Top 10 der Welt. Die breite Anteilnahme an seinem schachlichen Aufstieg freut ihn, unter Druck gesetzt fühlt er sich davon nicht: “Ich brauche Unterstützung auf so einem Weg, niemand kann das allein.” Allerdings kann Keymer mit der Erwartung mancher, die mit ihm den kommenden Weltmeister heranreifen sehen, wenig anfangen.

“Man muss sich einmal überlegen, wie viele junge Spieler es weltweit gibt, die extrem stark sind, allein aus den Jahrgängen 2003 bis 2006”, sagt Keymer, der in diesen Jahrgängen an die zehn Spieler mit Top-Ten-Potenzial sieht. Einer von denen ist der junge Saulheimer selbst. “Ich probiere es, ich arbeite dafür gern und viel, aber die Frage ist natürlich, für was es letztlich reicht. Das kann niemand beantworten.”

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Die Grand-Prix-Teilnehmer. | via chess.com
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Krennwurzn
Krennwurzn
3 Monate zuvor

Keymer könnte es schaffen, denn er ist ein Typ und er ist bodenständig und kein Träumer und Luftschlossbauer.

keymerfan
keymerfan
3 Monate zuvor

Es wird sich nun auch zeigen, ob Keymer gegen die Weltelite mithalten kann, seine Prüfungen hat er ja jetzt geschrieben. Er hat eigentlich schon Nervenstärke…
Ich wünsch ihm viel Glück!

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[…] zurück nach Berlin und holte die ersehnten Bretter. Am Abend des heutigen Mittwochs will er sie im World Chess Club Unter den Linden den Grand-Prix-Machern übergeben. Freitag, 15 Uhr, beginnen darauf die Partien […]

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