World-Cup-Implikationen

Wettkampfpraxis für die Kaderspieler: Der Deutsche Schachbund will in den kommenden Wochen zwei Rundenturniere, eines für Herren, eines für Damen, mit den besten deutschen Spielern und Spielerinnen ausrichten. „Wir stehen kurz vor dem Abschluss der Planung“, bestätigte der DSB auf Anfrage dieser Seite.

Hintergrund sei der Wunsch, den Spielern und Spielerinnen vor dem anstehenden World Cup im Juli bzw. der Qualifikation dafür im Mai Spielpraxis zu verschaffen. Die Turniere seien als „Training unter Wettkampfbedingungen“ zu betrachten. Details würden veröffentlicht, sobald die Planungen abgeschlossen seien. Nach Informationen dieser Seite sollen, Stand jetzt, beide Turniere mit jeweils zehn Spielern Anfang April in Magdeburg stattfinden.

Womöglich kommt noch ein weiteres Turnier dazu, ein nationales Auswahlturnier, dessen Ausgang darüber entscheidet, welche Spieler Deutschland in die europäische World-Cup-Qualifikation entsendet. „Das wird gerade geklärt“, teilt der DSB mit.

In der zweiten Runde des World Cups 2019 sorgte Liviu Dieter Nisipeanu (vorne) für Aufsehen, indem er Hikaru Nakamura aus dem Turnier kegelte. Nisipeanu hatte auch in der dritten Runde gegen Peter Svidler beste Chancen, sollte aber im Tie-Break ausscheiden. | Foto: FIDE

Neben den schon vorberechtigten Spielern werden sich 36 Europäer für den im Juli geplanten World Cup der FIDE qualifizieren. Die Finalisten des World Cups sind fürs Kandidatenturnier qualifiziert, in dem der WM-Herausforderer ermittelt wird. Dieser Herausforderer wird voraussichtlich 2023 (und womöglich in München) ein WM-Match gegen den Titelträger spielen: denjenigen, der das WM-Match Ende 2021 zwischen Magnus Carlsen und seinem noch zu bestimmenden Herausforderer gewonnen hat.

Die europäische Qualifikation für den World Cup soll Ende Mai in einem Hybrid-Turnier ausgespielt werden (siehe dieser Bericht): Die Spieler werden an unterschiedlichen Orten am Brett sitzen, beaufsichtigt von Schiedsrichtern, mit ihren Gegner via Internet verbunden.

Wird das Masters verlegt?

Der Europäische Schachverband ECU hatte jetzt die nationalen Verbände aufgefordert, Spielorte und Schiedsrichter für die hybride World-Cup-Qualifikation zu organisieren. Wo und unter welchen Umständen die Deutschen spielen werden, steht noch nicht fest. In Anbetracht der sich stetig ändernden und regional unterschiedlichen Corona-Lage „bestimmen wir das möglichst kurzfristig“, heißt es.

Wie berichtet, drohen die für den Juli geplanten World Cups (ein offener, einer für Frauen) einigen Turnierveranstaltern in die Quere zu kommen, denen in Dortmund etwa oder denen in Biel. Auch eine Überschneidung mit dem in den Juli verlegten Schachgipfel droht. Der Gipfel ist schon ein wenig zerfasert, weil der Kongress des Schachbunds separat in der ersten Jahreshälfte 2020 abgehalten wird. Nun könnten auch die beiden Masters wegen der drohenden World-Cup-Überschneidung aus der Veranstaltung herausgelöst werden.

Nicht zur Debatte steht laut DSB, diese Wettkämpfe der nationalen Elite ausfallen zu lassen. Aber eine Verlegung sei möglich, abhängig davon, wie sich die World-Cup-Situation entwickelt.

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