Lichess unter Feuer

In einem der Gebäude von OVHcloud, einem auf Computerserver spezialisierten Unternehmen in Straßburg, ist in der Nacht zu Mittwoch ein Feuer ausgebrochen, das sich schnell zu einem Großbrand ausweitete. Verletzt wurde niemand. Nach einem mehrstündigen Kampf gegen die Flammen war die Feuerwehr am Mittwochmorgen weiterhin damit beschäftigt, das erneute Aufflammen und Übergreifen des Brands auf benachbarte Gebäude zu verhindern.

Indirekt betroffen sind zahlreiche Unternehmen, deren Daten das abgebrannte Rechenzentrum beherbergte, darunter die zweitgrößte Schachseite der Welt. Im Gebäude arbeiteten mehrere tausend Server, über die Websites liefen und auf denen die Daten dieser Websites gespeichert waren. Einige dieser Server hatte Lichess gemietet. Für die Schachwebsite kam es nicht zur Totalkatastrophe, weil Lichess seine Daten über mehrere Rechenzentren verteilt hat. Gleichwohl waren für mehrere Stunden Puzzles, der Puzzle-Sturm, das Eröffnungsbuch und einige weitere Funktionen außer Betrieb.

Nicht zu retten: Bald ging es für die Wehrleute in erster Linie darum zu verhindern, dass die Flammen benachbarte Gebäude erfassen. | Fotos (4): Feuerwehr Kehl

Die französischen Feuerwehrleute wurden nach eigenen Angaben am Mittwoch um 0.42 Uhr wegen des Brands alarmiert. Ihnen offenbarte sich unmittelbar das gewaltige Ausmaß des Feuers. Die französische Wehr mobilisierte 115 Einsatzkräfte und 44 Fahrzeuge, außerdem ersuchte sie bei deutschen Feuerwehrleuten im benachbarten aus Kehl um Hilfe.

Die “Europa 1”. | Foto: SDIS

Der Brand war im Quartier „Port du Rhin“ (Rheinhafen) ausgebrochen, das die benachbarten Städte Kehl und Straßburg miteinander verbindet. Die Kehler Feuerwehr schickte unter anderem das deutsch-französische Löschboot „Europa 1“, das bei Bränden in Ufernähe zum Einsatz kommt. Die „Europa 1“ kann pro Minute 14.000 Liter Wasser durch die Rohre jagen, etwa das 14-Fache der Durchlaufkapazität eines normalen Hydranten. Die „Europa 1“ hilft beim Löschen und ist obendrein in der Lage, leere Tanks von Löschfahrzeugen schnell aufzufüllen.

Die Metallstruktur des brennenden Gebäudes begünstigte nach Einschätzung der Feuerwehr ein schnelles Ausbreiten der Flammen. Trotz der geballten Löschpower offenbarte sich den Einsatzkräften schnell, dass das auf fünf Etagen brennende Rechenzentrum nicht zu retten ist.

Bald ging es in erster Linie darum, ein weiteres Ausbreiten des Brands zu verhindern – nicht nur auf die anderen OVH-Rechenzentren in der Nachbarschaft. Im Industriestandort am Ufer des Rheins sind nach den Daten französischer Behörden sieben sogenannte „Seveso-Standorte“ registriert, an denen „gefährliche Produkte verwendet werden oder die ein erhebliches Brand-, Explosions- oder Dispersionsrisiko für giftige Substanzen darstellen“.  

Gegen 6.30 Uhr war das Feuer eingedämmt, aber die Löscharbeiten noch lange nicht beendetet. Auch ein benachbartes Rechenzentrum ist teilweise zerstört, der Strom auf dem Gelände abgeschaltet. Was den Brand ausgelöst hat, ist vorerst unklar.

Der Datenverlust bei Lichess hält sich in Grenzen. Dank der regelmäßigen Backups der Administratoren seien lediglich 24 Stunden Puzzle-Historie verlorengegangen. Bis auf eines seien alle zeitweise ausgefallenen Features wieder hergestellt, teilte Lichess am Mittwochmorgen auf Twitter mit.

Nur das Eröffnungsbuch funktioniert nicht, und das wird sich erst einmal nicht ändern. „Der Eröffnungs-Explorer besteht aus mehreren Terrabyte Daten. Diese Daten wiederherzustellen, wird einige Zeit dauern.“

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