Lokalmatador besiegt Sowjet-Meister: „Ich hab‘ gedacht, wie toll und gut ich doch bin.“

Du bist ein schachbegeisterter 15-Jähriger und meldest dich im Verein an. Vier Jahre später wirst du Vereinsmeister und darfst fortan Brett eins in der Bezirksklasse hüten. Gleichzeitig wird dein Club 50 Jahre alt, schenkt sich selbst zum Geburtstag ein geschlossenes Topturnier mit fünf Großmeistern. Du bekommst einen Freiplatz – und dann besiegst du den amtierenden Co-Sieger der sowjetischen Einzelmeisterschaft!

„Man muss sich das mal vorstellen, ich war damals knapp zwanzig und hatte Erfolg auf Erfolg und hab gedacht, wie toll und wie gut ich doch bin“, berichtet der Schachaussteiger Manfred Kern, als ich ihn über 50 Jahre später aufgestöbert und um einen gemeinsamen Turnierrückblick gebeten habe.

Steigen wir in eine Zeitmaschine:

„Zur 50-Jahr-Feier des Schachvereins Ludwigsburg hatte sich der Vorstand des rührigen Klubs sehr viel vorgenommen. Für ein Werbeturnier, das vom 18. bis 26. April ausgetragen wurde, waren fünf Großmeister gewonnen worden, darunter die beiden Sieger der 36. UdSSR-Landesmeisterschaft, Lew Polugajewski und Alexander Saizew.“

Manfred Kern heute.

Auf diese Sätze von Theo Schuster in der Juni-Ausgabe 1969 der „Deutschen Schachblätter“ war ich beim Stöbern für meine Mohrlok-Artikel gestoßen und wurde hellhörig. In der Teilnehmerliste stieß ich neben großen Namen starker Spieler auf einen Unbekannten: Manfred Kern. Der laut Schuster „20-jährige Ludwigsburger Lokalmatador“ hatte im Turnier einen großmeisterlichen Mitfavoriten bezwungen und damit trotz seines hinteren Ranges entscheidend in den Kampf um die Preisgeldränge eingegriffen. Wer war dieser Favoritenschreck? 

Eine Anfrage bei der SG Ludwigsburg führte mich nicht weiter. Auch in meinem eigenen Verein konnte sich von den Älteren niemand an diesen Namen erinnern (geschweige denn an das Turnier!), obwohl Ludwigsburg fast ein Nachbarort ist. Schließlich entsann sich der bereits in meinem vorigen Artikel aufgetauchte Dieter Migl an einen Fernschachmeister Manfred Kern, mit dem er mal die Klingen gekreuzt hatte – allerdings einen Bayern. Trotzdem führte mich dieser Tipp ans Ziel, kurz darauf hatte ich eine Telefon-Verabredung: 

Guten Tag, Herr Kern. Ich möchte Ihnen ein paar Fragen zum Schachturnier 1969 in Ludwigsburg stellen.

Sehr gerne. Das ist ja schon ewig her und ich bin seit 25 Jahren praktisch raus aus dem Schach. Was wollen Sie denn wissen?

Wie kamen Sie zu der Ehre, an diesem starken Turnier teilnehmen zu dürfen? Und an was erinnern Sie sich als Erstes, wenn Sie zurückdenken? 

Mein damaliger Verein veranstaltete das Turnier zu seinem 50-jährigen Jubiläum. Ein Glück war, dass kurz darauf ein GM-Turnier in Büsum stattfand. Die beiden Veranstalter konnten sich die Kosten für die Großmeister teilen, so dass es für alle etwas billiger wurde. Für die Großmeister war das Turnier eigentlich nur so ein Durchgang, eine Art Training für das Turnier in Büsum. Es gab einen Veranstalterfreiplatz. Und obwohl ich erst zwanzig war, hat man diesen mir gegeben, weil ich Vereinsmeister war und am ersten Brett spielte. 

Wie lange waren sie da schon im Verein, bzw. wie war ihr Weg zum Schach?

Mit 13 oder 14 Jahren spielte ich oft mit zwei Schulfreunden. Bald war ich so fasziniert, dass ich das „Lehrbuch des Schachspiels“ von Dufresne regelrecht verschlang. Als ich 16 Jahre alt war, veranstaltete ein Schüler der Abi-Klasse, welcher bereits in der ersten Mannschaft eines Bezirksligavereins spielte, ein Schulschachturnier. Ihn besiegte ich im Finale. Danach trat ich Ende 1965 den Ludwigsburgern bei. Meine erste Partie in der dritten Mannschaft gewann ich in sieben Zügen mit dem berühmten Seekadettenmatt. Bei der Vereinsmeisterschaft belegte ich auf Anhieb den zweiten Platz. 1968, mit neunzehn Jahren, gewann ich die Vereinsmeisterschaft und spielte fortan am 1. Brett in der Bezirksklasse.

Arturo Pomar.

Springen wir direkt ins Turnier 1969. Wie war Ihr Auftakt?

Ich startete mit Schwarz gegen den spanischen GM Arturo Pomar Salamanca, der ja in seiner Jugend als Wunderkind galt und zeitweise von Weltmeister Aljechin trainiert worden war. Ich kam gut rein und hatte sogar bald etwas Vorteil. Es gab einige nette taktische Varianten zu berechnen, die alle besser für mich erschienen. Sein Remisangebot war wohl eine Art Notbremse. Leider stieg Pomar krankheitsbedingt nach der zweiten Runde aus, wodurch mir dieser halbe Punkt in der Endabrechnung nichts brachte.

Außer Ihnen gab es zwei weitere deutsche Teilnehmer…

Ja. Dieter Mohrlok hat kurz darauf in Büsum sein bestes Turnier gespielt. Den Grundstein dafür legte er in Ludwigsburg, wo er hinter Polugajewski Zweiter wurde. Man muss sich nur mal anschauen, wie er mich in wenigen Zügen gemattet hat. Eine Hinrichtung! 

Ein Jahr später spielte ich nochmals gegen ihn, bei der Stuttgarter Meisterschaft. Ich hatte Weiß in einem Königsinder mit frühem Damentausch. Kein Problem, remis zu halten, dachte ich. Allmählich verschlechterte sich aber meine Stellung, ohne dass ich etwas grob falsch gemacht hätte, und ich verlor schließlich. „Dieses Endspiel habe ich ja richtig misshandelt“ entfuhr es mir frustriert. Mohrlok zuckte bedauernd die Schultern und meinte: „Herr Kern, da kann ich ihnen leider nicht widersprechen“. Später wurden wir Mannschaftskollegen. Er war wirklich ein sehr feiner Mensch. Spott oder abschätzige Reden über andere gab es bei ihm nie. 

Dieter Mohrlok (r.) gegen Lew Polugajewski in Ludwigsburg 1969.

Und was wissen Sie noch zu Großmeister Helmut Pfleger?

Pfleger war damals noch kein GM. Trotzdem bin ich gegen ihn kläglich eingegangen. Wir haben auch heute noch leicht freundschaftlichen Kontakt. Er lebt wie ich in München und spielt alle paar Wochen in einem Café einen Blitz-Nachmittag mit dem Hajo Hecht. Die alten Knaben spielen noch immer ganz hervorragend, ich hab auch mal zuschauen dürfen. Pfleger kam übrigens in Begleitung seines Freundes Klaus Klundt zum Turnier. Dieser blitzte regelmäßig nach Rundenende mit den Großmeistern, hauptsächlich mit Polugajewski und Istvan Bilek um harte D-Mark. Klundt muss ziemlich viel Geld verloren haben, soweit ich das gesehen habe. Besonders Polugajewski blitzte wie eine Maschine.

Apropos Polugajewski, was können Sie über diesen Weltklassemann sagen, der das Turnier gewonnen hat?

Gegen ihn hatte ich eigentlich keine Chance, aber zunächst einmal habe ich ganz frech einen Bauern auf b2 geopfert. Der Kerl hat dann 40 Minuten überlegt, ob er ihn nehmen soll. Als er’s dann tat – ab da ging’s Schlag auf Schlag! Er hat mich praktisch in einer Art Blitzpartie fertiggemacht (lacht).

Wie haben Sie die beiden ungarischen Großmeister in Erinnerung?

László Szabó und István Bilek waren beide sehr freundlich und sprachen perfekt deutsch. Bilek hat mit mir ausführlich unsere Partie analysiert. Es ging ihm um die Korrektheit seines Qualitätsopfers …Txf3. 

[Event „Ludwigsburg“] [Site „?“] [Date „1969.??.??“] [Round „?“]

Heutzutage ist so etwas in ähnlichen Stellungen Standard, zum Beispiel in der sizilianischen Drachenvariante mit …Txc3. Damals war das allerdings völlig neu für mich, ich glaubte eher an meinen Materialvorteil. Aber auch Bilek war sich nicht ganz sicher und er hat die Partie danach über eine Stunde mit mir angeschaut. Gegen Szabó war ich chancenlos, aber auch mit ihm war das Analysieren aufschlussreich. Beide Großmeister zeigten mir Varianten, die ich nie im Leben gesehen hätte. Da wurde mir dann klar, dass ich niemals Großmeister werden kann oder auch niemals den Gedanken haben darf, das zum Beruf zu machen. 

UdSSR-Meister Alexander Saizew hielt gegen Manfred Kern nur 24 Züge durch.

So jung war Ihnen das schon klar? Obwohl Sie den anderen russischen Großmeister und Turnier-Mitfavoriten Alexander Saizew in 24 Zügen zertrümmert haben?

Tja (denkt nach), Saizew hat in dieser Partie einen schlimmen Fehler gemacht. Wobei ich dachte, er stand da sowieso schon schlecht. Als Saizew aufgab, kam Polugajewski ans Brett gerannt und hat ihm völlig erbost irgendwas ins Ohr geflüstert. Dann hat Polugajewski die Figuren genommen und eine Stellung aufgebaut. Er knallte ein paar schnelle Züge aufs Brett und zeigte Saizew, wo der hätte besser spielen können! Der arme Saizew lief total rot an (lacht). Weil er dann auch gemerkt hat, dass er eine gute Möglichkeit ausgelassen hat. Und dann hat Polugajewski Varianten rumgewirbelt – ich hab das alles gar nicht verstanden (lacht wieder). Alexander Saizew ist wenige Jahre nach diesem Turnier nach einer Operation an seinem Klumpfuß oder nach einem Motorradunfall gestorben. Es gibt da unterschiedliche Quellen, soweit ich weiß.

Theo Schuster hat diese Partie sogar in zwei verschiedenen Schachzeitungen mit Analyse veröffentlicht. Das muss toll gewesen sein! 

Herr Hahn, die Partieanalyse von Schuster kenne ich erst durch Ihre E-Mail, ich habe sie erstmals jetzt vor unserem Gespräch angeschaut und möchte ein paar Dinge anmerken. Natürlich war der Zug 14…Sd5 von Schwarz ein grober Fehler und stattdessen hätte 14…Sh5 Saizew im Spiel gehalten. Aber soweit mir erinnerlich, habe ich damals bei der Analyse 15.Lh4+ vorgeschlagen, was Polugajewski a tempo mit 15…g5!? „widerlegt“ hat. Damals habe ich das dem großen Polu aufs Wort geglaubt. Das ist aber wohl nicht ganz überzeugend. Nach 16.Le2 Se3 17.Lf2 bestimmt Weiß das Spiel, denke ich. 

Sie sind also trotz Ihres Sieges nicht glücklich mit der veröffentlichten Analyse?

Früher gab es für westliche Amateure so gut wie keine Gelegenheit, gegen russische Spitzenspieler anzutreten und dementsprechend auch kaum Resultate, wie dieses. Heutzutage ist das durch die vielen Open nicht mehr so. Mein Sieg gegen Saizew war vielleicht keine wirkliche Glanzleistung, aber damals eine Sensation in Schachkreisen. Und was schreibt Schuster dazu? Überschrift: „Fehler geschickt ausgenützt“. Er führt die Rangliste der Teilnehmer auf und beendet den Satz reichlich distanziert mit „…und dem 20-jährigen Ludwigsburger Lokalmatador, der einen Zähler verbuchen konnte.“ Bei der Kommentierung verliert er kein einziges Wort zu meinen Zügen! Auch die Aussage zu Saizews Fehler spricht für sich:   „…Ein   grober Fehler. Mit 14… Sh5! konnte, wie Polugajewski nachwies, Schwarz ein gutes Spiel erhalten.“ Diesen Nachweis erbringt Schuster aber nicht. Und welches „gute Spiel“ konnte Saizew denn „erhalten“? 

Klingt nach Verärgerung. Schuster hat also geschludert, meinen Sie?

Vielleicht hatte er auch einen Generationenkonflikt oder ein Problem damit, dass ich damals ein aufstrebender Nachwuchsspieler war. Zu ihm kann ich eigentlich nur sagen, dass er nie ein Wort mit mir gesprochen hat, obwohl ich ein Jahr später sein Mannschaftskollege wurde. Für ihn, den großen alten Meister, war ich Luft. Aber wohl gemerkt: wir hatten niemals irgendwelchen Streit. Ich blieb für ihn einfach ein Niemand, obwohl ich sein Mitspieler war. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass Schuster doch etwas Löbliches zu meiner Partie geschrieben hat. Nämlich, dass durch meinen Überraschungssieg gegen Saizew der Mohrlock 1.000 Mark Preisgeld kassieren durfte.

Gab es außer gegen Saizew noch andere aufsehenerregende Partien in Ihrer Laufbahn?

In der Tat (lacht nun wieder). Und auch hier hatte Schuster wieder seine Finger im Spiel.  

Schießen Sie los.

Bei der Württembergischen Einzelmeisterschaft 1969 in Aalen, nur drei Monate nach dem Ludwigsburger GM-Turnier, spielte ich gegen Dieter Hottes, einen deutschen Meisterspieler der 60er-Jahre. Ich verlor in nur 10 Zügen! Natürlich wurde auch diese Partie von Schuster veröffentlicht. Allerdings hat er die Namen verwechselt! Nicht ich, sondern Helmut Sölch, ein anderer Teilnehmer des Meisterturniers, führte im Zeitungsbericht die schwarzen Steine! Schachfreund Sölch aus Sindelfingen lebt zwar nicht mehr, aber jetzt kann ich seinem Namen in dieser Sache trotzdem nachträglich Gerechtigkeit widerfahren lassen.


Nach dem Interview übersandte uns Manfred Kern besagte Partie gegen Dieter Hottes mit einigen Anmerkungen:

[Event „Aalen“] [Site „?“] [Date „1969.??.??“] [Round „?“]

Meine kürzeste Verlustpartie

Württembergische Einzelmeisterschaft in Aalen. 1969. Ich hatte mich als 20-jähriger Jungspund unter die „TOP 12″ qualifiziert. Mein nächster Gegner war Dieter Hottes, ein deutscher Meisterspieler der 60er Jahre.“Was soll ich gegen Hottes spielen?“ fragte ich meinen jungen theoriebeflissenen Zimmerkollegen Rapp, der im B-Turnier spielte. „Spiel doch angenommenes Damengambit“ riet er mir. „Hottes spielt immer 1.d4“. Und flugs zeigte er mir einige schöne Varianten für Schwarz. Die Partie nahm dann auch folgenden Verlauf: 1.d4-d5 2.c4-dxc4 3.Sf3-Sf6 4.Sc3 hoppla, den hatte mir mein Freund Rapp nicht gezeigt. Nach einigem Nachdenken spielte ich wie vorgesehen 4. – c5, stand auf und wandelte im Saal herum. Ein älterer Mann sprach mich an: „Sehr mutig junger Mann. Sie spielen gegen die Spezialvariante von Hottes. Damit hat er schon manche Kurzpartie gewonnen“.

Nachdenklich ging ich an mein Brett zurück und fand den Zug 5. d5 vor. Jetzt wurde es mir zwar mulmig, aber damals war ich jung und frech und spielte 5.–e6 Es folgte 6.e4-exd5 7.e5-d4 8.Lxc4! Und jetzt kam ich ins Grübeln. Mehr noch, ich war nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Mir klangen immer die Worte des alten Mannes im Ohr. Natürlich sah ich dass nach 8.- dxc3 9.Lxf7+ folgt. Aber wäre das nach 9.- Ke7 wirklich so schlimm gewesen? Nach langem Nachdenken entschloss ich mich zu 8.- Le6? und nach 9.Lxe6-fxe6?? (noch immer hätte mich 9.-dxc3 im Spiel gehalten aber ich war einfach mit den Nerven am Ende) 10.exf6 musste ich aufgeben, denn jetzt verliert nach 10.- dxc3 der Zug 11.f7+ wirklich die Dame.  1-0


Zurück nach Ludwigsburg: welche Erkenntnisse zogen Sie aus Ihrem Abschneiden bei diesem starken Jubiläumsturnier?

Als Fazit kann ich sagen, dass ich gegen Pomar, Saizew, Polugajewski und Bilek zum Teil recht gut gespielt habe. Gegen Mohrlok, Szabo und Pfleger bin ich dagegen ganz kläglich eingegangen. Ich habe dort sehr viel gelernt – und die Erkenntnis gewonnen, dass ich niemals Schachprofi werde. Nebenbei bemerkt: ich habe bei zwei Württembergischen Meisterschaften (1969 und 1970) in 19 Partien nur 4x Remis gespielt. Gegen alle württembergischen Meister, die Brüder Wolfgang und Hartmut Schmid, Seeger, Steglich und Hottes habe ich ziemlich chancenlos verloren, gegen alle anderen meistens gewonnen. Das heißt, für wirkliche Schachmeister war ich einfach nicht gut genug. Diese Leute spielen anders. Da bekommt man als Normalsterblicher nie eine Initiative. Die lavieren mit ständigen subtilen Drohungen und sind im Endspiel bärenstark. Zu Ludwigsburg möchte ich noch sagen, dass ich es schade finde, dass die 2019 zu ihrem Hundertjährigen gar nichts gemacht haben. Aus der Ferne habe ich jedenfalls nichts mitbekommen.

Wie ging es für Sie persönlich danach weiter? 

Später bin ich aus Württemberg weggezogen und habe zehn Jahre für den Schachclub Wolfratshausen gespielt …

… auf dessen Internetseite Sie Ihre Spuren hinterlassen haben, über die ich Sie schließlich gefunden habe (Anm. d. Autors: vielen Dank an Stephan Balder vom SC Wolfratshausen für die Hilfe beim Aufstöbern!)

Als ich nach Wolfratshausen kam, habe ich auch noch bei der Bayerischen Meisterschaft mitgespielt. Später habe ich geheiratet, verlegte mich voll aufs Fernschach und zog nach München. 1982 wurde ich Deutscher Meister im Fernschach. Und ich bin darin auch Internationaler Meister. Mitte der 90er kamen die starken Schachcomputer, da machte es mir dann keinen Spaß mehr. Fernschach ist ja damit praktisch tot, man hat als Mensch keine Chance mehr. Übrigens: es ist nie wirklich bekannt geworden, aber Stuttgart und sein Umland hat früher viele starke Fernschachspieler hervorgebracht. Über Mohrloks EM-Titel haben sie ja schon geschrieben, auch der Ex-Ludwigsburger Wilfried Sauermann (Stuttgarter Schachfreunde) war 1980 Europameister, punkt- und Wertungsgleich mit dem Balten Ougele. Auch in Sindelfingen gab es einen sehr guten Spieler, dessen Name mir allerdings gerade nicht einfällt.

Welche schachlichen Aktivitäten betreiben Sie aktuell noch?

Seit 25 Jahren spiele ich nicht mehr wirklich Schach. Nur noch ein paar Fernpartien auf der Schacharena. In einem Verein bin ich auch nicht mehr. Ich interessiere mich trotzdem noch sehr für das nationale und internationale Schachleben, verfolge Partien im Internet oder in Schachzeitschriften. Und auch alles, was in München passiert.

Sie erwähnten, dass Sie nach 1969 mit Schuster zusammengespielt haben – und auch mit Mohrlok. Für welchem Verein war das?

Im Jahr 1970 „kaufte“ der damalige Sponsor vom SK Bad Cannstatt die Spieler Mohrlok, Eppinger, Pflichthofer und Schurr von den Stuttgarter Schachfreunden weg und machte auch mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte: für jeden Mannschaftsieg 30 Mark und freie Kost. Ich erinnere mich noch an eine vom Sponsor finanzierte Faschingsveranstaltung, wo der Schampus in Strömen floss. Und an eine Party mit der ganzen ersten Mannschaft bei ihm zuhause nach dem Gewinn der Württembergischen Meisterschaft. Damals spielten Promille beim Autofahren noch nicht die Rolle wie heute.

Herr Kern, vielen Dank für das Gespräch.


Weil ja gerade das Damengambit en vogue ist und weil dem Leser nicht so ein Debakel passieren möge wie Manfred Kern in seiner kürzesten Verlustpartie, hier ein Leitfaden für Leute, die es besser machen wollen.
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