Den Freibauern zur Rakete machen: Die Bücher des Jahres

So viele Neuerscheinungen, viele davon hochwertig und unbedingt lesenswert, wer soll da den Überblick behalten? Glücklicherweise zeichnet der Weltschachverband FIDE jedes Jahr das beste Werk des Vorjahres mit dem „Awerbach-Boleslawsky-Preis“ aus, benannt nach zwei Riesen der Schachliteratur.

Die Jury wird angeführt von zwei ebensolchen Riesen: Artur Jussupow und Nigel Short. Traditionell veröffentlicht die Jury Mitte des Jahres eine Vorauswahl, die „Shortlist“. Gegen Ende des Jahres wird der Gewinner gekürt.

Die Shortlist für das Buch des Jahres 2019 ist jetzt da, drei Bücher stehen darauf. Jussupow berichtet auf der FIDE-Website von einer schwierigen Entscheidung, weil das zu sichtende Material so gut war.

Diese Bücher blieben übrig:

Den Freibauern zur Rakete machen: Samuel Shanklands zweites Buch über Bauernführung.

Die Bauern machen nur kleine Schritte, aber die sind von großer Bedeutung. Sam Shanklands erstes Buch über die Bauernführung war ein auf dieser Seite mehrfach gerühmter Bestseller. Nun legt Shankland den zweiten Band vor, in dem er sich auf Freibauern fokussiert. Den Freibauern zum rechten Zeitpunkt vorpreschen zu lassen, ihm auf die rechte Weise zu helfen, macht oft den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage. Shankland gibt seinen Lesern eine Reihe klarer Richtlinien und Leitsätze an die Hand, mit denen sich Freibauern in Raketen verwandeln lassen.

Perlen-Leser kennen US-Großmeister Samuel Shankland anhand eines Interviews, in dem er unter anderem Einblicke in seine Trainingsarbeit gewährt:

AlphaZeros Erscheinen und die daraus folgende Revolution im Menschen- und Maschinenschach beschäftigt uns seit zwei Jahren. Auch das Buch dazu, ein Instant-Klassiker, haben wir schon oft vorgestellt, allerdings stets unter dem englischen Titel „Game Changer“. Übersetzt von Harald Keilhack, ist auch eine deutsche Ausgabe erschienen: „Zeitenwende im Schach“, auf die sei heute hingewiesen.

Und auch in diesem Fall kennen Perlen-Leser den Autor anhand eines Interviews, das wir mit ihm anlässlich des jüngsten Matches zwischen Stockfish und LeelaZero geführt haben:

Schach ist mehr als Material zählen: GM Davorin Kuljasevic über Kompensation.

Material ist eben nur ein Faktor. Zeit, Raum, Mobilität, Aktivität, Angriff, Initiative sind andere, aber die sind nicht so leicht zu bewerten wie das Material. Und darum fällt es uns so schwer zu erkennen, wann es angezeigt ist, Material zu geben, um dafür Zeit, Raum, Mobilität, Aktivität, Angriff, Initiative zu bekommen.

Großmeister Davorin Kuljasevic lehrt seine Leser, bei der Stellungsbewertung über den materiellen Tellerrand hinauszublicken. Anhand vieler Beispiele zeigt er, wie der tatsächliche Wert der Figuren während der Partie schwankt, abhängig von den oben aufgezählten Faktoren und einigen anderen.

Wer meisterhaft spielen will, muss Kompensation verstehen und oft immaterielle Kompensation und das kalkulierte Risiko suchen, um die Partie zu gewinnen. Kuljasevic gibt seinen Lesern das Handwerkszeug, um ihr Schach auf die nächste Stufe zu heben.

Ausführliche Rezension von Dirk Schuh.

Der Vollständigkeit halber das Gewinnerbuch des Vorjahres. In „Together with the Candidates“ begleitet Alexey Kuzmin den Leser auf einer Reise, die in Budapest 1950 beginnt und in Berlin 2018 endet.

Aus den Partien der Kandidatenturnier und -wettkämpfe bis 2018 hat Kuzmin Partien und Partiefragmente gefiltert, die er ausführlich kommentiert und mit allerhand Trainingsaufgaben garniert. “Zusammen mit den WM-Kandidaten soll der Leser über kritische Stellungen nachdenken, die Spannung des Wettkamps spüren und, am wichtigsten, versuchen, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Kuzmin über sein preisgekröntes Werk.

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