Elisabeth Pähtz und der Jodelkurs

Sie würde gerne Jodeln lernen, hat Elisabeth Pähtz unlängst gesagt (siehe Ende dieses Interviews). Nun lässt sie den Worten Taten folgen. Ende Juni besucht Deutschlands beste Schachspielerin einen Jodelkurs. Wer muss da nicht unweigerlich an Loriot und das Jodeldiplom denken?

Loriots Frau Hoppenstedt will das Jodeln erlernen, um „etwas eigenes zu haben“, um damit im Zweifel auf eigenen Füßen stehen zu können.

Elisabeth Pähtz steht längst auf selbigen. Aber tatsächlich hat ihr Jodeln einen beruflichen Aspekt. Wie manch anderer Schachspieler in den Corona-Monaten hegt und pflegt sie ihren Youtube- und Twitch-Kanal mit besonderer Hingabe. Was ihr angesichts der zunehmenden Menge von Schachkanälen fehlt, ist ein Markenzeichen, etwas, das ihre Kanäle unverwechselbar macht.

Ein Jodler, der besonders gute Züge kennzeichnet oder neue Abonnenten begrüßt, wäre so ein Markenzeichen. Und eben der wird demnächst wahrscheinlich zu hören sein. „Mein Vater hat vorgeschlagen, das Jodeln beim Streamen einzusetzen. Warum nicht?“, sagt Pähtz.

Vor allem aber will die passionierte Sängerin Jodeln lernen, um sich die Technik anzueignen: „Ich kann Kopfstimme und Bauchstimme singen. Beim Jodeln kommt es darauf an, beide miteinander zu verbinden, schnell zwischen den beiden hin- und herzuwechseln. Das finde ich spannend, diese Technik würde ich gerne beherrschen.“ Darum nun ein Jodelkurs.

Ein Dirndl trägt Elisabeth Pähtz schon, der dazu passende Gesang wird demnächst auf ihrem Twitch-Kanal zu hören sein.

Wir haben Elisabeths Jodel-Ambition zum Anlass genommen, mit ihr über Kunst und Musik zu sprechen – und über den Teil ihres musikalischen Werks, das in den Sozialen Medien zu sehen und hören ist.

Talent

„Künstlerisch-Kreatives liegt mir. Ob es jetzt Musik ist oder das Kochen, ich glaube, dass ich in dieser Hinsicht Talent geerbt habe, das mütterlicherseits in unserer Familie liegt. Meine Oma war Malerin, meine Mutter singt und spielt Gitarre, früher hat sie mich oft in den Schlaf gesungen. Ich habe schon als Kind Klavier gelernt, später dann Gitarre. Damit habe ich leider zu spät angefangen, Gitarre wäre mein Instrument gewesen, darauf wäre ich gerne richtig gut. Leider kann ich nur ein paar Akkorde spielen, da hört es schon auf.“

Ausbildung

„Um wirklich ambitioniert zu singen, fehlt mir die Atemtechnik. Das Volumen und die Kapazität habe ich, aber die Technik müsste ich verbessern. Das habe ich eine zeitlang sogar versucht, indem ich bei Isabel Werner in Hamburg Gesangsunterricht genommen habe, wann immer ich für ChessBase in Hamburg zu tun hatte. Aber beim Gesangsunterricht ist mir aufgegangen, wie viel Arbeit es wäre, meine Technik auch nur in die Nähe eines professionellen Levels zu bringen.“

Musikgeschmack

“Ich mag russische Rockmusik. ‚Kover Vertolet‘ von ‚Agata Kristi‘ zum Beispiel ist mein Lieblingslied beim Joggen wegen des schnellen Rhythmus‘. Aber sowas kann ich nicht singen, dafür passt meine Stimme nicht. Die ist eher lyrisch, mir liegen Balladen. Meine Liebe zu Opern geht noch auf die Schule zurück, wir hatten damals einen tollen Musiklehrer. In Hamburg hätte ich jetzt gerne ‚Carmen‘ gesehen, aber das ist wegen Corona ausgefallen. Mein Lieblingsmusical ist das ‚Phantom der Oper‘, das habe ich im Januar in London gesehen.“

Mit Nigel Short auf der Bühne

„Das Video ist 2014 beim FIDE-Kongress in Norwegen entstanden, als Garry Kasparov FIDE-Präsident werden wollte und gegen Kirsan Iljumschinov antrat. Kasparov hatte vor der Wahl zum Gala-Abend geladen – unter anderem mich. Ich wusste damals gar nicht, dass Nigel Short Gitarre spielt, aber das Kasparov-Team wusste, dass ich singen kann. Sie haben mich gefragt, ob ich etwas vortragen möchte, so kam es zu unserem Duo. Nigel war ziemlich nervös, an einer Stelle hat er sich verspielt, das ist auch an meinem Gesang nicht spurlos vorübergegangen.“

„My way“

„Mit zwei Freundinnen hatte ich zur EM 2012 in Plovdiv eine Wohnung gemietet, das war günstiger, als ins Hotel zu gehen. Leider lief das Turnier für uns, Anastasia Savina, Marina Brunello und mich, sehr schlecht, das haben wir abends beim Wein verarbeitet. Das Lied ist im Lauf des Abends aus seiner Partylaune heraus entstanden, Sinatras ‚My way‘ umgetextet auf eine Schachspielerin, die ihren Kummer im Wein ertränkt. Generell bedeutet Singen für mich Stressabbau. Wenn es mir schlecht geht, mache ich Karaoke, nehme ein paar Sachen auf, dann fühle ich mich besser.“

Finnische Aussprache

„Ich überlege schon seit langem, mal in ein Tonstudio zu gehen und ein paar Lieder in guter Qualität aufzunehmen. Im Internet finden sich ja einige Sachen von mir, aber bei denen hapert es am Ton. Das finnische Volkslied ist noch eine meiner besten Aufnahmen, entstanden beim Frauen-Grand-Prix in Monaco 2019. Auf Deutsch ist das Lied als ´Über den Berg ist mein Liebster geflogen‘ bekannt, mir gefiel das finnische Original besser. Finnisch spreche ich zwar nicht, aber ich habe es trotzdem zu singen versucht (lacht). Vorher hatte ich lange die finnische Aussprache geübt, Anna Muzychuk hat es dann aufgenommen. Finnische Freunde sagen, es klinge vernünftig und sei zu verstehen.“

https://www.instagram.com/tv/B58eoXWBkI7/

Emil und die Aufmerksamkeit

“Beim großen Turnier in Gibraltar gibt es traditionell die `Battle of sexes‘. Bei der 2017er-Auflage sollte ich zur Einstimmung auf dieses Duell Frauen gegen Männer singen, aber alleine vor großem Publikum war mir das nicht geheuer. Also habe ich Emil Sutovsky dazugebeten, der mag Aufmerksamkeit und steht gerne im Mittelpunkt, außerdem ist er im Gegensatz zu mir ausgebildeter Sänger.“

„Milen’kiy ty moy“ („Liebster, du gehörst mir“) ist ein russisches Volkslied, das ich zusammen mit Emil am Rande der Schnellschach-EM 2015 in Kutaisi, Georgien, zum Besten gegeben habe. Wenn Emil singen will und ich im Raum bin, dann stehen wir bald zu zweit auf der Bühne, das ist mittlerweile fast ein Automatismus.“

„Das Memory-Video ist bei derselben Gelegenheit entstanden. Für Emil mit seinem Bass-Bariton wäre das nichts, meinem Sopran kommt das Lied eher entgegen.“


Etwas mehr en vogue als dieses Werk ist wahrscheinlich Pähtz‘ aktuelle DVD über das Londoner System. Aber wer einmal die Spieler eines Bodenseeligisten mit elementarem strategischen Rüstzeug auszustatten versucht hat, der weiß, dass diese DVD über gute und schlechte Figuren und zielführendes Abtauschen (oder zielführendes Vermeiden von Abtäuschen) viel eher die zentralen Schwachstellen des Ottonormalschachspielers adressiert.
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