Wagner-Festspiele mit den Gast-Solisten Fridman, Pähtz und Keymer

Wen soll der Bundestrainer bloß für die Nationalmannschaft nominieren? Bevor das Turnierschach seinen Corona-Shutdown erlebte, haben wir diese Frage mehr als einmal dekliniert – und Namen wie Donchenko, Heimann, Huschenbeth genannt. Angesichts dieser Schlagzeile aus der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen haben wir Dennis Wagner womöglich unrecht getan:

Dennis Wagner. | Foto: G. Souleidis/Grenke Chess

Der Tageszeitung gegenüber formulierte der Großmeister aus Welleröde ambitionierte Ziele. In Richtung 2650 möge sich sein Elo bewegen, er peilt die Top 100 der Welt an – und einen Platz in der Nationalmannschaft, um den sich anno 2020 so viele aufstrebende Mittzwanziger bewerben wie nie zuvor. Zwölf Spieler mit Elo 2600+ finden sich an der Spitze der deutschen Rangliste – und dann ist da ja noch ein Teenager, der zwar derzeit bei 2558 steht, aber das Potenzial hat, dereinst die 2700 hinter sich zu lassen.

Physikstudent Wagner lässt durchblicken, dass er vor vier Jahren mit Erreichen der Volljährigkeit schachlich zu schnell zu viel von sich verlangt hat. Diesen Druck habe er jetzt herausgenommen. Nun spielt er eine Partie nach der anderen, jede davon so gut wie möglich, und „dann ist alles andere eine Frage der Zeit“.

Wie seine Kollegen spielt Dennis Wagner in diesen Wochen ausschließlich online, unter anderem den „Titled Tuesday“, der offiziell gar nicht mehr so heißt. In unserer heutigen Taktikauswahl aus den Partien heimischer Meisterspieler in Online-Turnieren ist Wagner öfter vertreten als jeder andere.

Dennis Wagners Spielerprofil auf chess.com.

Beginnen wir die Wagnerschen Taktik-Festspiele mit etwas Einfachem zum Aufwärmen:

Dennis Wagner – Elizaveta Malakhova

Weiß am Zug gewinnt. (Du willst lösen? Klick aufs Diagramm.)

Darf’s ein wenig trickreicher sein? Bitteschön:

Anatoliy Polivanov – Dennis Wagner

Schwarz am Zug gewinnt.

Einen Wagnerschen Fehlgriff haben wir auch im Angebot.

SL Narayanan – Dennis Wagner

Weiß am Zug gewinnt.

Hier wäre es beinahe um den deutschen Online-Meister Daniel Fridman geschehen gewesen, der sich auf chess.com den wenig schmeichelhaften Nickname „Tormoz“ gegeben hat.

Fridmans König ist schon arg in die Enge getrieben. Nun muss er noch ins Mattnetz bugsiert werden, aber wie das geht, ist gar nicht so einfach zu sehen. Dafür sehr hübsch.

Daniel Fridman – Tansel Turgut

Schwarz am Zug gewinnt.

Elisabeth Pähtz – Marina Martsynovskaya

Die Gewinnidee siehst du sofort. Die einzig korrekte Ausführung wahrscheinlich nicht.

Weiß am Zug gewinnt.

Zum Abschluss ein Werk besagten Teenagers:

Vincent Keymer – Andrii Palchuk

Weiß am Zug, Matt in sechs.

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