Und wieder war die Dame weg: zwei GM-Skalps in 15 Minuten

In der Quarantäne-Bundesliga zu bestehen, wird von Woche zu Woche härter. Zahlreiche Monstermannschaften, die spät in den Wettbewerb eingestiegen sind und unten anfangen mussten, schieben sich nach und nach der ersten Liga entgegen. Die helvetische Meisterriege von und um Sebastian Bogner zum Beispiel könnte dort in zwei Wochen ankommen, wenn sie dem jetzigen Aufstieg in Liga fünf vier weitere Aufstiege folgen lässt.

Sebastian Bogner. | Foto: Georgios Souleidis/Grenke Chess

Unmöglich ist das nicht. Mit drei Großmeistern im Team pflügten die Schweizer durch die sechste Liga. Eine solche vereinte Elo- und Titelpower haben die meisten Erstligateams nicht aufzubieten. Und doch waren Bogners Leute auch in Liga sechs nicht unverwundbar, wie speziell einer der drei GM erfahren musste.

GM ElHelvetico, wer immer sich hinter diesem Synonym verbergen mag, ließ sich in seiner Partie kurz vor Schluss gegen Brackwedes David Riedel die Dame weggabeln. Als er es Minuten später in der finalen Partie des Abends wieder mit dem jungen Ostwestfalen zu tun bekam, war bald wieder die Dame des Großmeisters weg, ein Fingerfehler dieses Mal. Und so sackte der 21-jährige Regionalligaspieler aus Bielefeld mit seiner vergleichsweise moderaten DWZ von 1940 zwei GM-Skalps binnen einer Viertelstunde ein.

Damit wird nicht Schach gespielt: Der dicke Turm in Esslingen, Teil der Esslinger Burg, ist Wahrzeichen der Stadt und Namensgeber des Schachclubs.
Wann spielte zuletzt ein Deutscher im Kandidatenturnier? Er war Mitglied eines der Vereine, die in der Quarantäne-Liga-6a auf den Plätzen 3 bis 5 landeten.

Hinter Bogners Schachelite und Riedels Brackweder Schachklub würden sich drei Vereine einreihen, die den Turm in Namen tragen, hätte der einstige Bundesligist PSV/Turm Duisburg diesen nicht im Lauf der vergangenen Jahre verloren. Anders als der SK Turm Euskirchen führt der SV Dicker Turm Esslingen sogar einen dicken Turm im Namen – was nichts damit zu tun hat, dass in Esslingen mit besonders voluminösen Türmen Schach gespielt wird. Vielmehr handelt es sich um das Wahrzeichen Esslingens. Der „dicke Turm“ ist Teil der Esslinger Burg.

Die Quizfrage des Tages

Die drei Turm-Vereine auf Platz drei bis fünf in dieser sechsten Liga führen uns zur Quizfrage des heutigen Tages:

Welcher deutsche Schachmeister hat zuletzt an einem Kandidatenturnier teilgenommen?

Kleine Hilfestellung: Er war Mitglied eines dieser drei Vereine. Wer es weiß, schreibt die Antwort in die Kommentare.

Diese nigerianischen Prinzen können besser Schach spielen als betrügerische E-Mails schreiben. Beim bis Sonntag amtierenden Meister KSK Dr. Lasker flossen dieses Mal Tränen statt Sekt.

Meister der Quarantäneligen wurden dieses Mal die nigerianischen Prinzen – und das sind ausdrücklich nicht jene, von denen wir regelmäßig ePost bekommen. Der Teamchef der nigerianischen Prinzen aus der Quarantäne-Bundesliga teilt mit: „Wir sind ein eingespieltes Team, das im festen Kern bereits seit ca. 10 Spielzeiten so vertreten ist. Wir sind junge Talente von der ganzen Welt und wollen uns mit der Zeit zum Monopol für die Top Spieler unter 20 entwickeln. Leider hatten wir in der 3B-Liga das Pech, immer die besten Mannschaften durchgeschleust zu bekommen. Dadurch sind wir erst jetzt zur Bundesliga dazugestoßen. Wir verständigen uns sehr gut innerhalb der Mannschaft, haben viele Freunde gefunden. Unsere Whatsapp Gruppe mit täglich je 500 Nachrichten macht auch abseits der Bundesliga Spaß.“

Als bestes deutsches Team reihte sich Quarantäne-Bundesliga-Dauerbrenner „Bierstube München“ auf Rang drei ein, angeführt vom unwiderstehlichen IM Maximilian Berchtenbreiter (Münchner SC 1836), der mit einer 2821-Performance zum besten Spieler der Liga avancierte – und das unter anderem vor GM Nils Grandelius, dem besten Spieler Schwedens, der zur Freude von Hamburgs Teamchef Andi Albers ebenso wie GM Rasmus Svane den Hamburger SK verstärkte. Trotzdem reichte es wie am Spieltag zuvor knapp wieder nicht für einen Platz auf dem Treppchen.

Die GM Nils Grandelius und Rasmus Svane Seite an Seite. Diese Konstellation kannten die beiden schon aus der Offline-Bundesliga. | Fotos(2): Wikipedia

Der Dalai Lama hat übrigens doch nicht zugeguckt. Als bekennender Fan der bayerischen Jugendauswahl unter dem Dach des FC Ergolding (wir berichteten) hatte seine Heiligkeit betrübt zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Mannschaft schon zum Zwangsabstieg verurteilt war, bevor die Wettkämpfe begannen. Bei einem bayerischen Spieler hatte der Cheating-Detektor angeschlagen, und das führte sogleich zum Spielverbot für einen Spieltag. Am Donnerstag kann die Jugendtruppe das Unternehmen Wiederaufstieg in Angriff nehmen.

Weil zuletzt ein Cheating-Fall zu beklagen war, steigen anstatt der ersten drei die ersten zwei der zweiten Liga auf. Dazu kommt der Viertplatzierte der zweiten Liga des vergangenen Spieltags, die „Oxfordgang“.

Wer statt zu spielen lieber live zugucken möchte, dem seien die „Chessbuddies“ Christian Braun und Patrick Zelbel empfohlen. Die beiden IM haben jetzt einen Twitch- und Youtube-Kanal aufgemacht, wo sie Spieltage live streamen und hinterher über den Stand der Dinge in den Quarantäneligen berichten:

Abschließend noch ein Hinweis an die Pressewarte/Öffentlichkeitsarbeiter der im Quarantäneschach aktiven Vereine und Bezirke: die Lokalsport-Redakteure eurer ortsansässigen Zeitungen wissen in Ermangelung jeglichen Sports gerade nicht, worüber sie berichten sollen. Wahrscheinlich sind sie sogar dankbar, wenn sie von Erfolgen heimischer Denksportler in der Quarantäne-Bundesliga hören.

Das Team Sauerland zum Beispiel hat einfach mal einen Bericht geschickt und, siehe da:

Wir empfehlen dringend, im Sinne unseres Sports dem Sauerländer Beispiel zu folgen.


(In einer früheren Version dieses Textes hieß es, der SV Mülheim Nord als Dritter der zweiten Liga steige auf. Das war falsch, es ist mittlerweile korrigiert.)

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