Luis Engel: Großmeister mit 16

Wenige Tage vor seinem 17. Geburtstag ist Luis Engel der neueste und jüngste deutsche Großmeister. Beim Christoph-Engelbert-Gedenkturnier „seines“ Hamburger SK teilte Luis Engel jetzt mit 6,5 Punkten aus 9 Partien den ersten Platz mit den GM Eduardas Rozentalis und Sipke Ernst. Das bedeutete für den deutschen U18-Meister eine Turnierperformance jenseits der 2600 und die dritte GM-Norm. Die FIDE wird ihm demnächst offiziell den Großmeistertitel verleihen.

Großmeister mit 16, das gelingt nicht vielen, erst recht nicht in Deutschland. In den Schach-Annalen finden sich nur drei junge Schächer, die sich den höchsten Titel eher gesichert haben als Luis Engel: Arkadi Naiditsch, David Baramidze und Falko Bindrich waren schneller, die ersten beiden waren sogar 15, als sie das „GM“ vor ihrem Namen platzieren durften.

Luis blickt schon jetzt auf ein titelreiches Jahr 2019 zurück. Am Spitzenbrett hat er die Jugend-Nationalmannschaft zum Europameistertitel geführt, und die Deutsche Meisterschaft U18 hat er ebenfalls gewonnen. Am Rande der Deutschen Meisterschaft hat Luis Engel gemeinsam mit seinem Bruder Robert „Chessy TV“ von der Deutschen Schachjugend ein ausführliches Interview gegeben. Wer mehr über die neben Schach auch Fußball spielenden Gebrüder Engel wissen möchte, schaut sich das knapp 20-minütige Gespräch an.

Luis Engel beim Grenke-Open in Karlsruhe. (Foto: Georgios Souleidis)

Luis‘ zentrale Aussagen in Sachen Schach haben wir ein wenig neu sortiert und hier zusammengefasst:

Deutsche Meisterschaften der Jugend

Zwar bin ich immer an eins gesetzt, trotzdem ist jede Jugendmeisterschaft ein schwieriges Turnier, gespickt mit jungen Spielern, die besser sind als ihre Zahl. Andere lassen gelegentlich eine Deutsche Meisterschaft aus, wahrscheinlich getrieben von der Sorge, Elo zu verlieren. Ich mache das nicht. Den Titel „Deutscher Meister“ zu gewinnen, ist eine Gelegenheit. So ein Titel bleibt, darauf schaut man später gerne zurück. So lange ich das noch darf, spiele ich alle Jugendturniere mit, das gilt auch für Schulschach oder für Mannschaftswettbewerbe mit dem Hamburger SK.

Wie Luis zum Schach kam

In der Grundschule. Ein Mitschüler von mir in der ersten Klasse spielte, und wir hatten drei Bretter im Klassenraum. Das führte dazu, dass ich das Spiel lernen wollte. Ich war dann Teil der Schach-AG an unserer Schule. Dort hat Christian Zickelbein Robert und mich entdeckt, und wir sind in den Hamburger SK eingetreten, der dringend Jugendspieler für ein Turnier brauchte. Damals war schon Felix Meißner unser Betreuer.

Freund, Vertrauter, Betreuer und Coach: „Luis wird Weltmeister“ hat Felix Meißner sein Luis-Engel-Blog genannt. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass Luis Jurist wird. Eine Karriere als Schachprofi schwebt ihm eher nicht vor, siehe unten. (Foto: Chess.com)

Training

Nicht jeden Tag. Seit zwei Jahren absolviere ich eine Einheit pro Woche mit Karsten Müller. Mit Felix Meißner trainiere ich jetzt schon seit acht Jahren. Früher am ehesten per Skype, heute treffen wir meistens beim HSK, analysieren Partien, lösen Aufgaben. Oft ist Robert dabei. Aus unserem Betreuer-Spieler-Verhältnis mit Felix ist längst eine Freundschaft gewachsen.

Schachliche Ziele

Großmeister zu werden, ist das unmittelbare Ziel. Danach? Mal gucken. 2020 mache ich schon Abitur, da muss ich erstmal sehen, wie viel Zeit für Schach bleibt. Wahrscheinlich werde ich einfach Turniere spielen und sehen, wie weit ich noch kommen kann. Konkrete Ambitionen, zum Beispiel die, dass ich unbedingt auf 2600 Elo kommen möchte, habe ich nicht.

Beruf und Perspektive

Ich überlege, Jura zu studieren, aber beschlossen ist das noch nicht. Schach sehe ich jedenfalls nicht als berufliche Option. Würde ich jetzt auf Schach setzen und in zehn Jahren feststellen, dass es mir nicht mehr so viel Spaß macht, dann wäre es ein Problem, keine reguläre Ausbildung zu haben. Ich könnte nicht wechseln. Darum will ich lieber etwas anderes machen. Schach soll mein Hobby bleiben, dem ich mich immer wieder widmen kann, das aber nicht mein Leben bestimmen soll.

Warum viel mehr Leute Schach spielen sollten

Schach ist toll! Keine Partie ist wie die andere, in jeder entdeckst du etwas Neues und lernst dazu. Schach ist auch abseits des Brettes eine tolle Sache. Ich mag die Gemeinschaft unter den Spielern. Beim Schach trifft man eigentlich nur nette Leute.

7 Kommentare zu „Luis Engel: Großmeister mit 16

  1. Gegen drei alternde Großmeister 50 Prozent geholt, gegen Vereiinskameraden ganze und halbe Punkte und zum Schluss ein Kurzremis gegen einen titellosen Spieler, der natürlich gerne wieder eingeladen werden und nicht als Spiel-, äh Normenverderber in die Klubannalen eingehen möchte. So wird man also Großmeister, und die „Gegner“ von eben stoßen mit Sekt an. Derartige Vereinsturniere mit vom Ausrichter abhängigen Spielern sollten nicht für Titelvergaben herangezogen werden dürfen. Daher ist Vincent Keymer hoch anzurechnen, dass er seine Titelnormen gegen ausnahmslos stärkste Gegnerschaft errungen hat.

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