Die DWZ: eine Kuh, die nicht gemolken wird

Das deutsche Schach pflegt eine Datenbank, in der mehr als 100.000 Menschen namentlich erfasst sind, mehrheitlich intelligent und allesamt einem spezifischen Interessengebiet zuzuordnen. Unternehmen lecken sich die Finger nach so etwas.

Beim Schachbund pflegen sie eine Website, über die sich auf diese Datenbank zugreifen lässt. Keine andere Rubrik dieser Website wird öfter besucht als die DWZ-Abfrage.

Die DWZ ist des Schachspielers Fetisch, auch wenn es viele nicht zugeben. Mancher behauptet gar, er wisse seine DWZ nicht genau, was in fast jedem Fall gelogen ist. Natürlich gucken wir nach jedem Turnier, wie sich die Zahl entwickelt hat.

Andere Sportverbände pflegen ebensolche Datenbanken. Und sie verstehen deren Wert. Wer sein Rating nachschaut, der schaut genau und mit einer gewissen Emotionalität hin. Solchen Leuten Werbung einzuspielen, lohnt sich.

Also lassen sich andere Sportverbände ihre Ranglisten bezahlen. „Präsentiert von…“ oder „Powered by…“ steht gleich neben der Spielersuche, und bei jeder Datenbankabfrage klingelt die Kasse.

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Powered by Deka: Beim Golf wird sogar die Jugendrangliste separat gesponsert. Beim Schach verweigern wir das Melken dieser Kuh. Warum?

Beim Schachbund steht so etwas nicht, und die Kasse bleibt stumm.

Vielleicht wäre es an der Zeit, diese offensichtliche Geldquelle anzuzapfen? Zumal ja ein Vorschlag in der Mache ist, die DWZ-Datenbank zu erweitern, um Nicht-Vereinsspieler nämlich. Der Vorschlag liegt nach dem DSB-Kongress in Magdeburg jetzt vorerst wieder in der Schublade, mag daraus aber jederzeit wieder auftauchen.

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Die DWZ-Suche nach Spieler und die nach Verein sind die meistgeklickten Seiten des DSB. Die vier DWZ-Kategorien zusammen kommen bisweilen auf mehr als 100.000 Klicks pro Woche. Der Schachbund könnte also gewährleisten, dass binnen einer Woche das Logo eines DWZ-Partners mehr als 100.000-mal gesehen wird, und das von intelligenten Leuten mit zumindest einem klar definierten Interesse. So etwas ist Geld wert. (Montage: Perlen vom Bodensee)

Schach unterscheidet von anderen Sportarten, dass es sich außerhalb von Verbands- und Vereinsstrukturen im Internet betreiben lässt. Leute, die Vereinen verloren gehen (in der Regel mit Beginn des Studiums), gehen dem Schach nicht verloren. Sie spielen weiter, nur halt beim SC Lichess statt beim SC Überlingen.

Um sie wieder einzufangen, hat DSB-Präsident Ullrich Krause die DWZ-Lizenz ersonnen. Wer eine solche erwirbt, dessen Turniere werden auch ohne Vereinsmitgliedschaft ausgewertet. Der DSB-Hauptausschuss in Eisenach hatte dieser Idee Ende 2018 knapp zugestimmt.

Beim DSB-Kongress in Magdeburg fiel sie nun durch. „Schade. Ich finde, wir hätten das ausprobieren sollen, weil ich nur Vor- und keine Nachteile sehe. Im schlechtesten Fall hätten wir keine Lizenz verkauft“, sagt Krause.

Um die DWZ-Lizenz möglich zu machen, hätte die Finanzordnung des DSB geändert werden müssen. Ein Antrag Krauses sah vor, eine jährliche Lizenzgebühr von 24 Euro festzuschreiben. Das hielt die Mehrheit der Delegierten für zu wenig, weil es allenfalls die Verwaltungskosten deckt. 72 Euro sei eher angemessen, hieß es.

Wäre das nicht zu happig? Die Lizenz sollte ja tendenziell deutlich günstiger sein als eine Vereinsmitgliedschaft, um ihren Zweck zu erfüllen. Beim SC Überlingen kostet eine solche Mitgliedschaft 48 Euro. Beim SC Lichess, na ja, lassen wir das.

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