DSB-Kongress: Deventers Ende?

Die Freude des Präsidenten, mit seiner gesamten Mannschaft gewählt worden zu sein, währte nicht lange. Was beim DSB-Kongress in Magdeburg anfangs nach einem gehörigen Warnschuss für Ullrich Krauses Stellvertreter Klaus Deventer aussah, könnte sich als dessen Ende im DSB-Präsidium entpuppen.

Die vom Schachbund verbreitete und von fast allen deutschen Schachmedien ungeprüft übernommene Nachricht, Deventer sei gewählt, stimmt so jedenfalls nicht. Seine Kontrahentin Olga Birkholz ficht das Ergebnis einer laienhaft abgehaltenen Wahl zum Vizepräsidenten Sport an.

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Einziger Tweet des DSJ-Chefs Malte Ibs während des DSB-Kongresses
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Ehrenpräsident Alfred Schlya gratuliert Ullrich Krause.

Nach dem ersten Wahlgang (99:98 für Deventer) stellte sich heraus, dass ein zweiter notwendig sein würde, weil es so knapp war. Diese zweite Wahl in endete laut Beobachtern kurios: 112:104 Stimmen für Birkholz hieß es zunächst, aber dann stellte sich heraus, dass ein Wahlzettel zu viel abgegeben worden war. Es folgte ein dritter Wahlgang, den Deventer für sich entschied.

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Birkholz hat nun ihren Anwalt eingeschaltet. Der vertritt die Auffassung, dass eine Wahl unabhängig von der Zahl der Wahlzettel gilt, wenn sie mit einem eindeutigen Ergebnis endet. Das sei hier der Fall gewesen. Damit sei der dritte Wahlgang ungültig, Birkholz neue Vizepräsidentin Sport des Deutschen Schachbunds und der Posten des Stellvertreters des Präsidenten vakant. Ein vom Schreiber dieser Zahlen befragter Fachanwalt sieht das auch so.

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Klaus Deventer (links) mit den Masters-Siegern Liviu Dieter Nisipeanu und Georg Meier. (Fotos: Deutscher Schachbund)

Wer sich gelegentlich rund um das deutsche Spitzenschach beider Geschlechter umhört, den verwundert nicht, dass eine Abstimmung Deventers selbst gegen eine kaum etablierte Kandidatin knapp wurde. Krauses Stellvertreter ist für viele Schach-Macher ebenso wie für einige Spitzenspieler ein rotes Tuch.

Als Jurist bewerte Deventer Vorgänge aller Art ausschließlich danach, ob etwas justiziabel ist, wie sie sich rechtlich darstellen, sagen Vertreter der Länder. Konflikte zur Zufriedenheit aller Seiten zu lösen, sei ihm eher nicht gegeben, Empathie auch nicht, heißt es. Außerdem sei er zu oft Konfliktbeteiligter.

Aus dem Trio der Vizepräsidenten beim Schachbund wird der Stellvertreter des Präsidenten gewählt. Traditionell hätten sich die drei Vizes stets geeinigt, wer es werden soll, und diesen Kandidaten habe der Kongress dann durchgewunken, erklärt ein Delegierter. Das sei dieses Mal anders gewesen, obwohl gerade dieses Mal ein sorgfältiges Abwägen angezeigt gewesen wäre.

Deventer als Stellvertreter habe von vornherein festgestanden, und das führe zu der heiklen Konstellation, dass nun eine umstrittene Persönlichkeit an der Spitze des DSB stehe, sobald Ullrich Krause verhindert sei oder Urlaub nehme.  Und das gilt zumindest so lange, bis Olga Birkholz nachträglich die Wahl gewinnt, was zumindest möglich zu sein scheint.

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Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Bleibt die Berichterstattung im Raum stehen ?
Was ist denn nun mit der Personalie, sind Anwälte aktiv, oder bleibt alles beim alten, drei Wochen nach der Wahlveranstaltung.
Was ist mit der Geschichte Dr. D. Jordan, Deckel darauf oder Aufklärung.
Wie geht es weiter alle Sonnen sich in großartige Turniere, sonst ist Schweigen.

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Irgendwo habe ich gelesen” Schachjournalist Conrad Schormann”. Entschuldigung wenn ich das oder die Seite falsch interpretiert habe.
Denke aber das allgemeines Interesse besteht wie es weitergeht beim DSV .
Gibt es nicht die Möglichkeit mit Werbung auf deiner Seite etwas Honorar zu generieren ?

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Sorry anmaulen im Sinn von Kritik sollte das nicht sein eher ein Anreiz für weitere Berichterstattung mit dem Thema DSB. Lese deine Berichte gern und interessiert, gute Arbeit mach weiter so.
Bin erst vor kurzem auf deine Seite gestoßen, habe mir ein Lesezeichen gesetzt und schaue jetzt regelmäßig rein.

Werner Berger
Werner Berger
3 Jahre zuvor

§ 11 Absatz 2 Satz 1 DSB-Satzung:

“Erhalten bei einer Einzelwahl mehr als zwei Kandidaten Stimmen, so ist im ersten Wahlgang nur derjenige gewählt, der die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat, wobei Stimmenthaltungen nicht mitgezählt werden.”

Somit wurde Deventer im 1. Wahlgang gewählt, falls das Ergebnis tatsächlich 99:98 bei x Enthaltungen war und es sonst keine Nein-Stimmen gegeben hat.

Daniel Hendrich
Daniel Hendrich
3 Jahre zuvor

weil es eben auch Nein-Stimmen gab…

Werner Berger
Werner Berger
3 Jahre zuvor

Das Fragezeichen kann durch ein Ausrufezeichen ersetzt werden:

https://www.schachbund.de/news/wahlanfechtung-durch-olga-birkholz-erfolgreich.html

Raymund Stolze
Raymund Stolze
3 Jahre zuvor

Wahlanfechtung durch Olga Birkholz erfolgreich 29.06.2019 19:10 Olga Birkholz hatte unmittelbar nach dem Kongress die Wahl zum Vizepräsidenten Sport angefochten. Das Schiedsgericht hat dieser Anfechtung heute stattgegeben und festgestellt, dass sie auf dem Bundeskongress vom 01.06.2019 in Magdeburg zur Vizepräsidentin Sport gewählt worden ist. Wir bedanken uns bei Klaus Deventer für seinen jahrzehntelangen Einsatz für den Deutschen Schachbund in unterschiedlichsten Funktionen und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute. Ullrich Krause Präsident des Deutschen Schachbundes 29.06.2019 19:10 // Archiv: DSB-Nachrichten – DSB // ID 23459 Diese quasi offizielle Verabschiedung von Klaus Deventer durch den wiedergewählten DSB-Präsidenten Ullrich Krause ist seit… Weiterlesen »

Werner Berger
Werner Berger
3 Jahre zuvor

“Ich möcht nicht mutmaßen, aber mir scheint im Übrigen der angesetzte dritte Wahlgang dann eher ein verzweifeltes Manöver gewesen zu sein, Klaus Deventer unbedingt doch im Amt halten zu wollen.”
Erst schreiben Sie, dass Sie nicht mutmaßen möchten, tun es dann aber doch. Ihre Mutmaßung ist nichts als eine ziemlich böswillige und ehrabschneidende Unterstellung, die sich nur gegen den Versammlungsleiter richten kann.

Raymund Stolze
Raymund Stolze
3 Jahre zuvor
Reply to  Werner Berger

Lieber Schachfreund Berger, also es liegt wirklich nicht in meiner Absicht, den DSB-Ehrenpräsidenten Alfred Schlya öffentlich zu diskreditieren. Aber der dritte „überflüssige“ Wahlgang lässt leider durchaus dann doch „Mutmaßungen“ oder vielleicht besser Meinungsäußerungen zu. Mag sein, dass der 83-jähige als Versammlungsleiter mit der plötzlich unklaren Situation ein wenig überfordert gewesen ist. Auf Klaus Deventer dürfte das wohl nicht in gleichem Maße zugetroffen haben, aber er hat halt nicht eingegriffen. Absolut unpassend finde ich in jedem Fall – ich würde aber nicht böswillig oder gar Ehren abschneidend sagen – den einzigen Tweet des DSJ-Chefs Malte Ibs. Zitat: “Wenn der Ehrehnpräsident die… Weiterlesen »

Gustaf M.
3 Jahre zuvor

Herbert ist vor zwei Jahren in einer Wahl unterlegen. Auch da hätte es einen zweiten Wahlgang geben sollen, aber er ist nicht erneut angetreten, vermutlich da er vom Ergebnis sehr enttäuscht war, was auch m. E. nachvollziehbar ist. Das würde ich von außen nicht als »vom Hof gejagt« bezeichnen.

Ich bewerte es positiv, wenn es für Ehrenämter mehrere Kandidaten gibt. Da gibt es auch Enttäuschungen, weil eine/r nicht gewählt wird. Aber das kann manchmal durchaus schützend wirken: Nicht jede/r ist für jedes Amt die richtige Besetzung.

Raymund Stolze
Raymund Stolze
3 Jahre zuvor

Lieber Schachfreund Gustav M., Sie haben völlig recht, dem ersten Wahlgang 2017, den Ullrich Krause mit deutlichem Vorsprung ( 99:77 bei 7 Enthaltungen und 42 Nein-Stimmen) gegen Herbert Bastian gewinnen konnte, aber dennoch die absolute Mehrheit verfehlte, folgte ein zweiter, wo dann die einfache Stimmenmehrheit laut Satzung ausreichend ist. Hier hatte sich aber der bisherige DSB-Präsident wohl aus persönlichen Gründen zurückgezogen, sodass der Lübecker dann erwartungsgemäß gewählt wurde. Was ich mit „vom Hof gejagt“ sagen will: Ich denke, dass die Leistungen von Herbert Bastian für das deutsche Schach in seiner sechsjährigen Amtszeit einfach nicht gebührend gewürdigt worden sind – und… Weiterlesen »

Gustaf M.
3 Jahre zuvor
Reply to  Raymund Stolze

Zwischen „vom Hof gejagt“ und „nicht gebührend gewürdigt“ gibt’s in meinen Sprachgebrauch einen erheblichen Unterschied. Letzteres gibt es leider immer wieder im Ehrenamt. Herbert Bastian hat z. B. 2017 vom Deutschen Olympischen Sportbund die Ehrennadel bekommen: https://www.dosb.de/ueber-uns/auszeichnungen/#c4891 Sein Nachfolger hat ihm auf der DSB-Website zum 65. Geburtstag gratuliert und gedankt: https://www.schachbund.de/news/herbert-bastian-vollendet-sein-65tes-lebensjahr.html – Kann natürlich immer mehr sein, aber sieht nicht so aus wie „vom Hof gejagt‘.

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Im Schachsport wird sehr viel geehrt von der Nadel bis zum Bundesverdienstkreuz , in vielen varianten.
Am liebsten sind mir die vielen hunderte nicht geehrten die über Jahrzehnte die Basisarbeit machen, meist kostenlos oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung und im stillen Kämmerlein.
Das man zum Geburtstag gratuliert gehört im jeden Verein zur Sozialarbeit und Mitgliederbindung.

Wenn man Arbeit im Ehrenamt nach Ehrungen beurteilt sind wir sicher FIDE-Weltmeister.

Raymund Stolze
Raymund Stolze
3 Jahre zuvor

Noch eine HInweis und eine Anmerkung: Was den diesjährigen DSB-Wahlkongress angeht, so hat in der aktuellen Ausgabe 7/2019 von SCHACH Herbert Bastian, DSB-Präsident 2011 bis 2017 und Teilnehmer an der 90. Deutschen Einzelmeisterschaft, einen lesenswerten und dazu ausgewogenen Beitrag geschrieben (Seiten 60-62). Ich bin im Übrigen gespannt, wer neuer Stellvertreter des in seinem Amt bestätigten DSB-Präsidenten Ullrich Krause wird. Bisher war das bekanntlich der Vizepräsident Sport Klaus Deventer. Da Olga Birkholz bei der juristischen Anfechtung des Wahlergebnisses aber zurecht erfolgreich war und nun in dieser Funktion Klaus Deventer ablöst, ist wohl ein neuer Stellvertreter zu benennen, oder wie wird diese… Weiterlesen »

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