Nicht umzustimmen: Magnus ist raus

Fangen wir mit dem an, was wir wissen. 1: Magnus Carlsen hat sich nach der dritten Runde aus dem Sinquefield-Cup zurückgezogen. Das Turnier wird mit neun Teilnehmern zuende gespielt. 2: Vor der vierten Runde sind die Anti-Cheating-Vorkehrungen beim Sinquefield-Cup verschärft worden.

Ob das eine mit dem anderen zusammenhängt? Es liegt nahe, aber nicht einmal das wissen wir.

Zum Rundenbeginn um Punkt 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Montag erklärte Magnus Carlsen via Twitter seinen Rückzug.

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Warum er sich zurückzieht, wissen wir nicht. Sicher ist, mit seinem mourinhoartigen Rückzug hat Magnus Carlsen anderen größeren “trouble” beschert, als ihn jemals ereilen könnte.

Offenbar keine spontane Entscheidung. Schon am Montagmorgen hatten Passanten Carlsen in Begleitung seines Vaters auf dem Weg zur Maryland Avenue gesehen, wo der “Saint Louis Chess Club” mit seinem Schachzentrum beheimatet ist. David Sedgwick, Schiedsrichter beim Sinquefield-Cup, hat durchblicken lassen, dass Carlsens Entscheidung eine Debatte mit den Organisatoren vorausging. Der Versuch, den Weltmeister im Turnier zu halten, scheiterte:

Bild

In der gestern zum ersten Mal 15 Minuten zeitversetzten Liveübertragung führte das Ausscheiden Carlsens in letzter Minute zur einer bizarren Sprachlosigkeit. Die Moderatoren waren über die Entwicklung hinter den Kulissen nicht informiert. Als feststand, Carlsen scheidet aus, wussten weder Peter Svidler und Yasser Seirawan noch Alejandro Ramirez, wie sie damit umgehen sollten.

Wie immer sich die Geschichte entwickeln mag, welcher Grund Carlsens sich offenbaren mag, für das Schach war der Montag, 5. September 2022, ein schlechter Tag. Nicht so für den Twitter-Account @ChessRumors, der eine halbe Stunde vor Carlsens Verkündung dem weiteren Verlauf der Geschichte den Weg bereitete. Um 19.30 mitteleuropäischer Zeit twitterte @ChessRumors:

Binnen eines Abends sollte sich danach die Followerzahl des neuen, bis dahin kaum beachteten Accounts etwa verzwanzigfachen. Und die Schachgemeinde hatte ein Objekt ihrer Spekulation gefunden: Schach-Aufsteiger Hans Moke Niemann, der am Tag zuvor mit den schwarzen Steinen Magnus Carlsen überzeugend geschlagen hatte.

Eine halbe Stunde später Carlsens Erklärung, dann nahm die Angelegenheit Fahrt auf, anfangs befeuert von Hikaru Nakamura, der im Stream sogleich suggerierte, Carlsen könne seinen Rückzug erklärt habe, weil Niemann betrogen haben könnte. Wenig später legte Nakamura nach – und strich alle Konjunktive: Der US-Großmeister nimmt jetzt ganz offiziell an, Magnus habe wegen eines Cheating-Verdachts gegen Niemann zurückgezogen. Nakamura bekräftigt, Niemann sei in der Vergangenheit auf chess.com wegen Cheatings gesperrt worden. Die US-Schachseite äußert sich dazu in ihrer eigenen Berichterstattung nicht.

Nakamura ist nicht der einzige, der Niemann beim Onlineschach für einen Cheater hält. Ian Nepomniachtchi hat das in einem seiner Streams ebenfalls in aller Deutlichkeit gesagt. Nach der vierten Runde in Saint Louis drückt sich Nepo zum Niemann am Brett verklausuliert, aber nicht minder deutlich aus: “Mehr als beeindruckend” sei Niemanns Sieg über Carlsen gewesen:

Eher keine Mehrheitsmeinung. Gerade zum Schwarzsieg Niemanns über Carlsen scheint unter Großmeistern eher die Auffassung verbreitet, dieses sei eine beiderseits sehr menschliche Partie gewesen.

Großmeister Rafael Leitao hat die Siege Niemanns über Shakriyar Mamedyarov und Magnus Carlsen unter die Lupe genommen, unterstützt von zwei starken Engines. “Ich habe keinen Hinweis auf Hilfe von außen gefunden.”. Niemann habe mit seinen Entscheidungen an Stellen falsch gelegen, “wo Menschen falsch liegen würden”.

Niemanns Sieg über Shakhriyar Mamedyarov.

Levon Aronian bietet eine andere Perspektive an: „Wenn junge Spieler sehr gut spielen, kommt es ziemlich oft vor, dass ihnen Vorwürfe gemacht werden. Alle meine Kollegen sind ziemlich paranoid. Oft war ich derjenige, der ihnen gesagt hat, kommt schon, Leute. Ich gehe immer erstmal davon aus, dass junge Spieler sehr gut spielen können.”

Verpasste Chance: Der vor der Partie gründlichst gefilzte Niemann war in der vierten Runde gegen Alireza Firouzja nahe am dritten Sieg.

Im St.-Louis-Schach-TV hatte sich derweil Alejandro Ramirez vorgenommen, Niemann nach dessen Remis in der vierten Runde zu grillen. Bei ausgeschalteter Engine sollte Niemann Varianten und Einschätzungen zum vorangegangenen Gefecht liefern. Überzeugend gelang ihm das nicht, eher im Gegenteil. Die auf Twitch live zuschauenden und kommentierenden Nakamura und der kanadische Großmeister Eric Hansen fielen sogleich über den 19-Jährigen her: “Inkohärent” sei Niemanns Vortrag gewesen, so Hansen.

Hikaru Nakamura amüsiert sich.

Nach allem, was sichtbar ist, blickt Niemann auf eine unrühmliche Vergangenheit beim Online-Schach zurück (“Deswegen spreche ich nicht mehr mit ihm“, US-Großmeister und Bullet-Spezialist Andrew Tang). Verdachtsmomente für Betrug beim Schach am Brett sind allenfalls vage, aber in Kombination mit der Online-Vergangenheit ausreichend, um die Hyänen zu wecken, angeführt von den Onlineschachspielern und Klickjägern Nakamura und Hansen.

Allemal ist Niemanns Aufstieg am Brett, seitdem er sich gegen eine Twitch-Karriere entschieden hat, erstaunlich. Die Seite Pawnalyze hat die größten Elo-Aufsteiger von Januar 2021 bis September 2022 miteinander verglichen:

NameCurrent EloRating Change
Niemann, Hans Moke2688204
Mishra, Abhimanyu2549192
Pranav, V2530182
Erigaisi Arjun2725166
Gukesh D2726163
Svane, Frederik2566145

Eigentlich liest sich Niemanns Geschichte wie die eines Aufsteigers, der sich in einem früheren Leben in einer anderen Welt so oft unbeliebt gemacht hat, dass andere nun die Chance wahrnehmen, ihn zurechtzustutzen, seine Karriere zu zerstören womöglich. Eigentlich. Nur hat die aktuelle Affäre jemand ausgelöst, der kaum seine eigene Reputation mit unbegründeten Anschuldigungen gefährden wird, um jemandem sein falsches Spiel beim Online-Bullet heimzuzahlen.

Und das führt zurück zur eingangs gestellten Frage:

Warum hat Magnus Carlsen aus dem Sinquefield-Cup zurückgezogen? Mit Sicherheit gibt es dafür einen substanziellen Grund, aber den kennen wir nicht. Kann sein, dass es etwas mit Hans Moke Niemann zu tun hat.


Nachtrag, 6. September:

Ein Eröffnungsleak? Sollte wirklich jemand Niemann gesteckt haben, was Magnus gegen Nimzo-Indisch plant? Wer soll das gewesen sein? Und das war dann der Grund, warum Niemann bestens präpariert war? Wegen “unvorstellbar” kommt dieses Szenario im Text oben nicht vor, aber der geschätzte Leonard Barden stellt es in der “Financial Times” in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Also sei es hier nachgetragen:

Nachtrag II, 6. September:

Jacob Agaard über seine Zusammenarbeit mit Hans Moke Niemann:

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Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor

Ich möchte über drei Menschen schreiben: Hans Moke Niemanns Erfolge mögen einen gewissen Verdacht erwecken, seine mindestens mal merkwürdigen Analysen nachher mögen diesen erhärten und Vorfälle auf einer Online-Plattform ein gewisses Bild abrunden: Erwiesen ist gar nichts, und solange das so ist, sollte man Vorsicht walten lassen. Mehr Vorsicht, als einigen anscheinend zumutbar ist. Hikaru Nakamura ist, man verzeihe mir dieses Urteil, ein Widerling. Er lebt von Klicks, was keine Schande ist, aber er heimst diese mit allen Mitteln ein. Alles an seinen Beiträgen zum Thema ekelt mich an, vom gekünstelten Lachen bis hin zu Ankündigungen, nichts weiter zu sagen,… Weiterlesen »

Micha
Micha
27 Tage zuvor
Reply to  Neandertaler

Naka braucht solche Skandale doch gar nicht, um Klicks zu generieren. Er ist seit Jahren der erfolgreichste Streamer im Chess-Business. Er ist Multimillionär und auf ein paar tausend Klicks mehr mit Sicherheit nicht angewiesen. Am Ende sagt er nur seine Meinung. Bei deinem Kommentar scheinen persönliche Symphathien stark im Vordergrund zu stehen. Für Niemann, der immerhin durch diverse Merkwürdigkeiten auffällt und mit polarisierenden Interviews nicht spart, gilt die Unschuldsvermutung. Aber Naka hast du schnell als ein Widerling identifiziert. Naja, es jeder soll ja seine Meinung haben. Hat es jetzt irgendwas besser gemacht Naka öffentlich zu haten? Damit bist du radikaler… Weiterlesen »

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor
Reply to  Micha

Ich halte es für eine Trugschluss, jemanden, der mit Streaming Multi-Millionär geworden ist, deshalb vom Motiv des Geldverdienens freizusprechen. “Merkwürdigkeiten” reichen eben nicht, um jemanden vorzuverurteilen. Und ja, die Unschuldsvermutung gilt auch für jemanden, den du nicht magst. Und ob ich Nakamura nun “hate” oder aber es einfach nur unerträglich finde,wie er eben diese Unschuldsvermutung mit Füßen tritt, das mag man ja nun auch unterschiedlich bewerten. Klar ist, dass unklar ist, ob Niemann betrogen hat. Klar ist, dass klar ist, dass Nakamura unbewiesene Vermutungen in die Welt bläst. Z.B. die, dass Carlsen wegen Betrugs seitens Niemann zurückgetreten ist. Widerling ist… Weiterlesen »

Micha
Micha
27 Tage zuvor
Reply to  Neandertaler

Bitte sachlich bleiben.
Wenn ich das Wort “Merkwürdigkeiten” benutze, habe ich niemanden verurteilt. Was ist das für ein Verständnis der deutschen Sprache?

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor
Reply to  Micha

Ich beziehe mich auf diesen Absatz: “Für Niemann, der immerhin durch diverse Merkwürdigkeiten auffällt und mit polarisierenden Interviews nicht spart, gilt die Unschuldsvermutung. Aber Naka hast du schnell als ein Widerling identifiziert.” Du kannst oder willst anscheinend nicht verstehen, dass es einen ganz erheblichen Unterschied gibt zwischen dem Vorwurf, jemand sein ein Betrüger und der Wertung, jemand sei ein Widerling. Einen juristischen Unterschied, einen rein logischen Unterschied – und obendrein auch einen, der mit Reichweite zu tun hat. Nakamura’s Aussagen hört eine ganze Schar gläubiger Follower. Nakamura muss wissen, dass er Niemann damit zerstört, und das dauerhaft. Entweder will er… Weiterlesen »

Micha
Micha
26 Tage zuvor
Reply to  Neandertaler

Da du dich ja drauf eingeschossen hast: Zeig mal an wecher Stelle Naka Niemann Betrug unterstellt. (Video mit Timestamp bitte…)
Ansonsten reden wir über etwas, was du einfach in den Raum stellst, aber nicht weiter belegen kannst oder willst.

Nach meiner Wahrnehmung hat er sich genauso vage wie alle anderen Kommentatoren und Berichterstatter geäußert. Kann man alles reininterpretieren, aber konktret geäußert: Nein.

Neandertaler
Neandertaler
26 Tage zuvor
Reply to  Micha

Nakamura vermeidet das Wort, das ist richtig. Vermutlich weil er weiß, dass das juristische Konsequenzen haben kann.

“Vage” ist an dieser Inszenierung hier aber gar nichts:

https://www.youtube.com/watch?v=5qTs-eFgLqc

Spindoc
Spindoc
27 Tage zuvor
Reply to  Micha

Natürlich äußert Nakamura nur seine Meinung. Aber er hat keinerlei Beweise und bringt als größter Meinungsmacher der weltweiten Schachszene dennoch Dinge vor, die die Karriere eines anderen Menschen unwiderruflich sehr negativ beeinflussen können. Auch ich empfinde das als widerlich.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie Niemann seine Unschuld beweisen könnte. Auch wenn niemals Beweise geliefert werden, wird Niemann ab nun immer von Zweifeln begleitet werden.

Ludger Keitlinghaus
Ludger Keitlinghaus
27 Tage zuvor
Reply to  Neandertaler

Es wird halt nicht gewusst, was andere wissen (aber unzureichend belegen können), es wird dann von den Spitzenkräften des Schachs “gemunkelt und geraunt”, die wissen mehr.
Sympathisch müssen sehr sehr gute Schachspieler nicht sein, manchmal sind sie es, manchmal eher weniger.
Ich könnte noch einige Tonnen Schutt auf anders betrogen habende Schachspieler, der Weltklasse auch, abwerfen, tue es nicht, will sozusagen sympathisch bleiben.
Anders formuliert : Abwarten?!

Hans Moke Niemann ist entweder sehr gut für das Schach oder das Gegenteil davon.

MFG
LK

Joschi
Joschi
27 Tage zuvor
Reply to  Neandertaler

“Ich möchte über drei Menschen schreiben”
Niemann, Carlsen, Nakamura, Nepo.
Sind das nicht vier?

Nebenbei: völlig irrelevant, wen Du sympathisch findest und wen nicht. Bleib doch bei den Fakten!

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor
Reply to  Joschi

Danke, dass du für mich zählst.

Was sind denn in deinen Augen “die Fakten”?

(Und wenn ständig irgendwer darauf hinweis, dass Niemann ja auch unsympathisch rüberkommt, darf ich wohl durchaus auch eine Meinung haben, wenn ich unsympathisch finde. Mir ist aber klar, dass das im Falle Nakamuras für viele einer Majestätsbeleidigung gleichkommt.)

Taktikfuchs2000
Taktikfuchs2000
27 Tage zuvor

Den Text, den Herr Aagaard verfasst hat, muss man mit Vorsicht genießen. Er ist offensichtlich persönlich intensiv mit Hans Niemann bekannt und hat Sympathien für den Jungen. Seine Meinung dürfte nicht sonderlich objektiv sein. Ein paar Beobachtungen: Dass Niemann ein Cheater ist, scheint unter Topspielern eine erhärtete und verbreitete Vermutung zu sein. Nepo, So, Naka, Carlsen sind nur ein paar Beispiele. Was mich wundert: Einige sind offenbar der Meinung, dass, wenn jemand keine absolut perfekte Partie abliefert, es keine Cheaterpartie sein kann. Das ist nicht der Fall. Viele Cheater bauen absichtlich kleine Fehler ein, um es nicht zu auffällig zu… Weiterlesen »

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor

Wieso sollte ein derartiger, auf Dauer durchgeführter Betrug nicht beweisbar sein? Deiner Logik nach täte Niemann das doch häufiger.

Ich weiß nicht, ob Aagard objektiv ist. Ich weiß aber, dass Formschwankungen und ungeschicktes Auftreten in Interviews nicht strafbar sind, nicht haltbare Anschuldigungen aber sehr wohl. Und gerade Nakamura tanzt da auf einem recht dünnen Seil.

Thomas H
Thomas H
27 Tage zuvor

Jacob Aagaard hier mangelnde Objektivität vorzuwerfen impliziert ja, dass er wider besseres Wissen für Niemann Partei ergreift, es dehnt also die Vorwürfe indirekt auf Aagaard mit aus. Sehr gewagt.

Wolfgang Kuechle
Wolfgang Kuechle
27 Tage zuvor

Vielen Dank für diesen Artikel, insbesondere der Artikel von Aagaard im Anhang stellt doch einiges klar. Ich bleibe mehr denn je bei meiner Meinung, dass hier ein unsportliches Verhalten von Magnus Carlsen vorliegt. Wenn er Beweise für irreguläres Verhalten seines Gegners hat, kann er offiziellen Protest gegen die Wertung der Partie einlegen. Ein bloßer Verdacht ist kein Grund für den Rückzug aus einem Turnier und die Verunglimpfung des Gegners.

Markus Schirmbeck
27 Tage zuvor

Ich habe begründete Zweifel an der Schuld Niemanns und finde das Verhalten von Carlsen sehr fragwürdig. Sein “Gefühl” reicht mir da bei weitem nicht aus. Entweder gibt es da noch mehr, dann soll er sofort damit rausrücken. Derzeit bewegt er sich durch seine Andeutungen im Bereich der Rufschädigung.

Micha
Micha
27 Tage zuvor

schöner Artikel. Auch wenn es keine Beweise zu den Vorwürfen gibt, ist es gut zusammengetragen was die derzeitige Lage so hergibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Carlsen vielleicht auch einfach abwarten möchte wie die verschärften Anti-Cheating-Regeln wirken. Ob Niemann das hohe Level halten kann oder bricht er ein? Ich persönlich finde Niemanns Werdegang sehr bemerkenswert. Er war bis vor 2 Jahren nahezu unbekannt. Mit 17 Jahren und einer Elo unter 2500 fällt man im Spitzenschach eben nicht besonders auf. Großmeister wurde er erst als er fast 18 Jahre alt war. Ganz anders als die anderen aufstrebenden Youngster, die mit… Weiterlesen »

Fernando Offermann
27 Tage zuvor

Etwas ernüchternd zu sehen, wie autoritätsgläubig doch so viele auf den Zuschauerbänken sind. Wenn ein Weltklassespieler wie Nakamura etwas sagt/glaubt/tut, dann beruft man sich gern darauf. Dass solche Leute, die ihr Leben dem Schach gewidmet haben, ohne eigene Familie leben und sozial häufig eher weniger kompentent sind, in der Krise ihre Schwächen zeigen, ist für mich eher normal und erwartbar, für andere aber undenkbar. Nakamura zeigt die gleiche Inkompetenz wie viele andere Menschen auch, die den Umgang mit Lästereien nicht erlernt haben. Schade nur, dass niemand Nakamura berät oder schützt, denn Beratung und Schutz (vor sich selbst) könnte er gut… Weiterlesen »

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor

Nakamura ist eben für viele, gerade Jüngere, die größte Autorität in Sachen Schach. Er hat die größte Reichweite. Leider ist es eben heute so, dass man diese Reichweite auch bekommen kann ohne die erforderliche Reife, mit dieser verantwortungsbewusst umzugehen. Nakamura scheint nicht klar zu sein, welche Tragweite das hat, was er da äußert – oder es ist ihm schlicht egal. Er sitzt da, lacht hämisch, stichelt, hetzt, letztlich dirigiert er einen Mob. Ich wünsche dem Schach, dass Niemann sauber ist. Und dann wünsche ich es mir für die Seele, dass er sich einen Anwalt nimmt und gegen mindestens mal Nakamura… Weiterlesen »

chessseb
chessseb
26 Tage zuvor

Rumors are carried by haters, spread by fools, and accepted by idiots.

Daniel Hendrich
Daniel Hendrich
22 Tage zuvor
Reply to  chessseb

Der beste Beitrag, den ich zu dieser ganzen Angelegenheit bislang gelesen habe 🙂

Matthias Ruf
27 Tage zuvor

Was mich in dem Interview von Hans Niemann nach seinem Sieg gegen Magnus Carlsen gestört hat war, wie überheblich er sofort nach der Weltmeisterkrone getrachtet hat. Es reichte ihm als Ziel nicht aus, lediglich Top 10 Spieler zu werden. Woher kommt dieser Hochmut und diese Siegesgewissheit? Die Manipulation beim Schach hat etwas von Zauberei. Die Menschen sehen beim Tricksen zu, aber sie verstehen nicht die verborgene Übermittlung der besten oder zweitbesten Züge. Hans Moke ist ein großer Magier in seinen Auftritten, der trotzdem bei der Partieanalyse seine Schwächen offenbart. Die bisherige Geschichte der Chess Cheater untersuchend fällt auf, dass diese… Weiterlesen »

Ludger Keitlinghaus
Ludger Keitlinghaus
27 Tage zuvor
Reply to  Matthias Ruf

Großes Talent kommt nicht selten mit großem Geschwätz, Matthias, an sich ist so einer für das Schach gut, nicht wahr?

Den Betrugsvorwürfen ist nachzugehen, es wäre sehr schade, wenn sie zutreffen.
Es gibt Betrug im Schach, online sowieso und kaum nachweisbar, aber der Turniersaal sollte bei großen Turnieren bestens kontrolliert sein.

MFG
LK

trackback

[…] in der Partie gegen Carlsen gewonnenen Elopunkte wird Niemann behalten. Zwar zählt die Partie nach Carlsens Rücktritt nicht für den Sinquefield-Cup, aber für die Elozahl ausgewertet wird sie […]

Manfred Menacher
Manfred Menacher
27 Tage zuvor

Solange die Schuld nicht bewiesen ist, ist er wie ein Unschuldiger zu behandeln und jede Spekulation ist unseriös, wenn auch menschlich. Man muss aufpassen die Psyche eines Unschuldigen nicht zu zerstören, weil man es aufregend findet ihn verdächtig erscheinen zu lassen. Er führt das Turnier an und wurde schon gefilzt. Ich hoffe er wird Weltmeister und zeigt es Allen. Großspurig daher zu reden ist im Boxgeschäft völlig normal und sogar von den Fans gewünscht. Auch das darf ein selbstbewusster junger Mann mit ehrgeizigen Zielen!

Manfred Menacher
Manfred Menacher
27 Tage zuvor

Ich empfehle diesen Beitrag von gothamchess. https://www.youtube.com/watch?v=x-q64bPo0J0 Wie um alles in der Welt könnte einer bei einem Live-Turnier am Brett betrügen? Die Anschuldigungen sind auch meines Erachtens völlig haltlos und absurd.
Carlsen hat schlicht und einfach eine schlechte Partie gespielt.

Last edited 27 Tage zuvor by Manfred Menacher
nobody
nobody
26 Tage zuvor

bißchen naiv zu denken, dass man bei einem turnier nicht betrügen könnte, da es schon zig fälle gegeben hat, wo gerade dieses stattgefunden hat. in dem fall, sage ich aber explizit, dass ich zu der sache keine meinung habe, bzw. mich der von MVL anschließe, der meint er selbst könne kein cheating erkenne, aber gleichzeitig anerkennt, dass carlsen auch nicht einfach so aus dem blauen himmel solche vorwürfe äußern würde, er aber bevor er sich abschließend zu dem fall äußern würde, sich dessen argumente einmal anhören würde. 99% der spieler hier, haben keinerlei ahnung und können es auch gar nicht… Weiterlesen »

Manfred Menacher
Manfred Menacher
25 Tage zuvor
Reply to  nobody

nobody, dann erkläre mir wie das gehen könnte? Niemann kann sich nicht unsichtbar machen und auch keine Gedanken lesen. Hat Lewandowski betrogen, weil er Müllers Torrekord geknackt hat? Das wären ebenso irre Vorwürfe. Man sollte hier gesunden Menschenverstand einsetzen und die Unschuldsvermutung gelten lassen. Es ist an Carlsen oder dem Großmaul Nakamura Beweise vorzulegen.

Ludger Keitlinghaus
Ludger Keitlinghaus
27 Tage zuvor

Sehr schön zusammengefasst, der aktuelle Stand zum Carlsen-Rückzug ist gemeint, danke.
Hans Niemann macht auf mich einen guten Eindruck, die kleinen Betrügereien online sind verachtenswert und vielleicht entschuldbar, beim Turnierschach müsste anders vorgegangen worden sein, betrügerisch, es müssten sich da Indizien im oder beim Turniersaal finden lassen.
Mitarbeiter zum Beispiel.

MFG
LK

Chris
Chris
27 Tage zuvor

Gestern hat sich Niemann nach der Partei ausführlich zum Geschehen geäußert. Ich mag nicht darüber spektulieren. Hoffe es ist in Ordnung den Link hier reinzusetzten. Sehr gefallen hat mir am Schluss die Reaktion von Hr. Svidler.

https://www.youtube.com/watch?v=CJZuT-_kij0

Bernd Schneider
Bernd Schneider
26 Tage zuvor

Ich halte die ganze Angelegenheit für ein absolut unfaires Spiel von Magnus Carlsen. Gibt es einen begründeten Verdacht, dann muss dieser auch klar benannt werden. Er schwafelte zwar etwas davon, es nicht benennen zu können, aber dies macht die Sache noch unangenehmer, noch ekeliger. Leider war ich in der Vergangenheit 2x Opfer von Betrügern am Brett und am Computer. Selbstverständlich habe ich jeweils meinen begründeten Verdacht öffentlich gemacht, bzw. den Turnierorganisatoren / verantwortlichen Funktionären zur Kenntnis gebracht. Auch wenn ich aus dem Umfeld der “Unschuldslämmer” viel Kritik ertragen musste, die Wahrheit siegte in beiden Fällen. Magnus Carlsen hat einen anderen… Weiterlesen »

acepoint
acepoint
26 Tage zuvor

«Gäbe es konkrete Hinweise, die Carlsens Meinung stärken, hätten die Organisatoren sicherlich Maßnahmen ergriffen.»

Es gab Veränderungen zwischen Runde 3 und 4. Die auffälligste war, dass die Übertragung bzw. öffentliche Kommentierung um 15 Minuten verzögert, die Kommentatoren davon aber augenscheinlich nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt wurden. Steht übrigens auch so oben im Bericht von Conrad.

Auch hatte ich den Eindruck, aber da mag ich mich täuschen, dass die Prozedur mit dem Detektor zu Beginn der vierten Runde ziemlich gründlich war. Ich habe dazu allerdings nur einen kleinen Filmausschnitt gesehen.

Edit: und gerade ist Dein Paket hier angekommen, danke ;-).

Last edited 26 Tage zuvor by acepoint
Bernd Schneider
Bernd Schneider
26 Tage zuvor
Reply to  acepoint

Das Prozedere ab Runde 4 ist mir bekannt, bzw. habe ich ebenfalls den kleinen Filmausschnitt gesehen. Mir geht es darum, dass die Turnierorganisatoren nicht auf evtl. Forderungen von Carlsen eingegangen sind. Zum Beispiel die Disqualifikation des vermeintlichen Betrügers. Deshalb sah sich Carlsen scheinbar genötigt, vom Turnier zurück zu treten und eben zum Vorwurf nicht konkretes zu sagen. Wäre der Fall deutlich gewesen, so hätte die Turnierleitung mit Sicherheit eine Pressekonferenz abgehalten und den zu prüfenden Fall geschildert. So wie es vor Jahren in Dortmund beim Open im Fall Koitany passiert ist. Es gibt ja inzwischen reichlich Computeranalysen zur Partie. Selbst… Weiterlesen »

acepoint
acepoint
26 Tage zuvor

Ok, Du hast allgemein von «Maßnahmen» gesprochen, das war dann etwas verwirrend.

«Es gibt ja inzwischen reichlich Computeranalysen zur Partie»

Ohne Niemann jetzt irgendetwas zu unterstellen: Dir als IM brauche ich doch hoffentlich nicht erklären, dass man ab einem gewissen Spielverständnis – für den Fall, dass man tatsächlich betrügen will – eine Schachengine ganz anders nutzt? Oder glaubst Du etwa, wie viele andere Poster in diversen Foren auch, dass eine Erkennung durch einfachen Abgleich von Zügen von Erfolg gekrönt ist?

Ludger Keitlinghaus
Ludger Keitlinghaus
26 Tage zuvor

Man weiß halt nicht, was andere wissen.
Sicherlich droht so dem Schach ein großer Schaden.
Interessant, dass Sie auch Dich zweimal betuppt haben.
MFG
LK

Matthias Ruf
22 Tage zuvor

Im Interview von Hans Moke Niemann gestand er ein, einmal als 12-Jähriger und einmal als 16-Jähriger bei Online-Schach Computerhilfe benutzt zu haben. Dazu möchte ich anmerken, dass wenn jemand beim Ladendiebstahl zweimal vom Kaufhausdetektiv ertappt wird, es umso wahrscheinlicher ist, dass er an anderen Tagen noch mehr Ware entwendet hat. Als Ratschlag für das Leben sollte man Menschen, die schon mehrfach betrogen und gelogen haben, eher meiden und keinesfalls vertrauen. In unserer Gesellschaft spielt das aber immer weniger eine Rolle. Da ChessBase und Bundestrainer Jan Gustaffson passend aus Hamburg stammen sei ein anderes Beispiel zum Cheating im Sport angeführt. Es… Weiterlesen »

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
22 Tage zuvor
Reply to  Matthias Ruf

Ich denke, dass Sie da viele Dinge durcheinanderbringen, die nichts miteinander zu tun haben.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass Sie sich selbst in den Vordergrund drängen, indem Sie andere schlecht darstellen.
Hans Moke Niemann steht zu seinen Jugendsünden und bereut diese. Das finde ich auf jeden Fall gut.
Ihrem Beitrag kann ich gar nichts abgewinnen, dieser ist durchgängig schlecht.

Matthias Ruf
22 Tage zuvor
Reply to  Klaus Zachmann

Lieber Schachfreund Zachmann, vielleicht ist es einfach so, dass Sie Hans Niemann mögen und verteidigen, und meine Sympathien mehr für den Weltmeister sind. Zum Vorwurf ich würde Dinge durcheinanderbringen, die nichts miteinander zu tun haben, äußere ich mich folgendermaßen. Bezüglich des Kaufhausdetektivs, der einen Dieb zweimal beim Stehlen erwischt, aber wahrscheinlich viel öfters geklaut hat, dachte ich es wäre verständlich, dass Hans Moke zweimal beim Betrug ertappt wurde, aber wahrscheinlich viel mehr Partien im Online-Schach manipuliert hat. Sie mögen das bezweifeln und auf lediglich zwei Jugendsünden reduzieren. Bekanntlich gibt man vor Gericht nur soviel zu, was sowieso schon bewiesen ist.… Weiterlesen »

Martin Rieger
Martin Rieger
27 Tage zuvor

Das jetzt mit den nachträglichen Analysen ist schon krass. Am Brett sieht er fast alles und in der Analyse wie ein IM. Mag auch Zufall sein aber das gepaart mit seinen Aussagen und seinem Verhalten ergibt schon ein sonderbares Bild. Ich habe seine Partien mit diversen Engines gecheckt und jeder der sich halbwegs mit Cheating auskennt wird darin zweifelsfrei die Handschrift des 2./3. Zuges erkennen. Mehr sage ich dazu nicht mehr.

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor
Reply to  Martin Rieger

Schade. Dabei hat die Welt doch genau darauf gewartet.

Joschi
Joschi
27 Tage zuvor
Reply to  Martin Rieger

Ich finde, Niemann wirkt ein bißchen wie auf Drogen nach den Partien. Schon klar, er ist müde, aber er wirkt regelrecht verwirrt …

Neandertaler
Neandertaler
27 Tage zuvor
Reply to  Joschi

Du hast die Stirn, mir an anderer Stelle zu sagen, ich solle mich an die Fakten halten, während du hier dem vermeintlichen Betrüger dann auch noch Drogen andichtest?

Last edited 27 Tage zuvor by Neandertaler
joschi
joschi
26 Tage zuvor
Reply to  Neandertaler

“Vermeintlicher Betrüger” ist Deine Formulierung.
Ich kann nichts zum Betrug sagen; allerdings mutet er bei den Interviews bemerkenswert schwach und verwirrt an. Ein Faktum.