Kein Schwarz, kein Weiß, kein Richtig oder Falsch: Michael S. Langer im Interview

Russen ausschließen oder nicht? Als Privatmann findet Michael S. Langer keine eindeutig richtige Antwort auf diese Frage. Aber der Niedersächsische Schachverband, dem Langer als Präsident vorsteht, hat sich am 3. März in aller Klarheit zum Krieg und seiner Bedeutung für den Sport geäußert. Seine Forderung: russische und weißrussische Sportler von internationalen Wettbewerben ausschließen. Wir haben Langer gefragt, was internationaler Spitzensport mit Niedersachsen zu tun hat, wie er den heute in Berlin beginnenden Grand Prix mit fünf Russen im Feld sieht – und ob FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich sich erneut zur Wahl stellen sollte. Nicht zuletzt darüber sollte vor der FIDE-Wahl im deutschen Schach geredet werden, findet Langer.

“Den Grand Prix in Berlin werde ich ignorieren, so gut es geht”: Michael S. Langer. Der unten links abgebildete Dmitry Andreikin hat “aus persönlichen Gründen” zurückgezogen. Statt seiner spielt ab morgen Andrey Esipenko. | via FIDE

Michael, Niedersachsen hat als erster Schach-Landesverband eine Erklärung zum Krieg abgegeben. Ihr findet, russische und weißrussische Spieler sollten bis auf Weiteres von internationalen Turnieren ausgeschlossen werden. Was hat der Niedersächsische Schachverband mit internationalem Spitzensport zu tun?

Spieler ukrainischer, russischer und weißrussischer Herkunft gibt es auch in Niedersachsen. Aber ein anderer Teil der Erklärung ist mir wichtiger. Als Landesverband wollten wir vor allem verhindern, dass der Krieg in unsere Spielsäle einzieht. Darum haben wir dazu aufgefordert, es nicht an den Brettern auszutragen, sondern, falls nötig, verbal in Umfeldern, in denen das mehr Sinn ergibt. Diese Aufforderung haben wir mit einer Aussage verknüpft, die sich mit der vom Landessportbund, DOSB, Athleten für Deutschland und der damaligen vom Deutschen Schachbund deckte: Auf der Ebene des internationalen Spitzensports, wo es Ländern darum geht, Erfolge für sich zu reklamieren, sollten russische und weißrussische Sportler und Sportlerinnen keine Möglichkeit bekommen, ein zynisches und marodes System durch sportliche Erfolge zu unterstützen.

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Eine Aussage, die euren Sport nicht berührt.

Stimmt. Wir sind für Amateursport zuständig, Landesliga und abwärts plus die gemeinsame Oberliga mit Bremen. Die dürfte im Putinschen System keine Rolle spielen, insofern sehe ich, sollten in der Oberliga Russen oder Weißrussen antreten, keinen Widerspruch zu unserer Erklärung.

Die Position des Berliner Verbands und seines Präsidenten hat sich parallel zu der des deutschen Verbands und dessen Präsidenten entwickelt. Nun, da der Grand Prix in Berlin ansteht, wird die eben noch mutig gehisste ukrainische Flagge eingeholt.

Unter den Ländern ist Niedersachsen das einzige mit einer wahrnehmbaren Position zum Spitzensport – neben Berlin, das erst vorgeprescht war und dann zeitgleich mit dem DSB seine Position geändert hat.

Was die anderen Schach-Landesverbände machen, war für uns kein Maßstab. Wir haben gesehen, was im niedersächsischen Sport passiert – dort gab es, vor allem übergeordnet, eine Reihe solcher Erklärungen – und haben entsprechend gehandelt. Aber nochmal, uns war und ist vor allem wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir am Brett wertschätzend und nachsichtig miteinander umgehen. Ich finde, dieser Text gehört in diesen Zeiten auf unsere Homepage. Den anderen Landesverbänden habe ich ihn per AKLV-Verteiler zur Kenntnis gegeben.

Reaktionen?

Bisher keine.

Auch wenn die Russen und Russinnen ihre Medaillen unter neutraler Flagge gewonnen haben: So lange sie eine Möglichkeit bekommen, Medaillen zu gewinnen, benutzt sie das System als Aushängeschilder.

Die Spitzensport-Debatte läuft, seitdem der russische Überfall begonnen hat. Ich finde beide Positionen respektabel: Russen ausschließen, damit ihr System sich nicht in ihren Erfolgen sonnen kann, oder Russen spielen lassen, zumindest die Nicht-Karjakins, weil sie eben Sportler sind und keine Kriegsherren. Abseits eurer Verbandserklärung: Was ist deine persönliche Meinung dazu?

Schwierig. Ich ertappe mich dabei, dass ich meine Auffassung sogar binnen eines Tages zumindest in Nuancen justiere. Über allem steht aber meine grundsätzliche Überzeugung, dass der Krieg zu verurteilen ist. Von allen, die für den russischen Einmarsch Verständnis äußern, distanziere ich mich. Danach wird es komplex. „Athleten für Deutschland“ hat noch vor den leider zaudernden Verbänden eine Erklärung abgegeben, der ich persönlich nahestehe. Ich weiß, dass Gruppenstrafen immer einzelne benachteiligen, ich weiß aber auch, in welchem Maß autoritäre Systeme sportliche Erfolge für ihr Image missbrauchen. Sie dort zu treffen, halte ich für einen vernünftigen Ansatz. Aber es gibt eben auch Argumente dagegen, denen ich mich nicht verschließen kann. Ein klares „richtig“ oder „falsch“ sehe ich nicht. In der Tendenz bin ich sicher näher bei der Gruppenstrafe.

Am Dienstag beginnt in Berlin der Grand Prix, ein internationales Spitzenturnier mit fünf Russen im Feld. Das müsstest du in der Tendenz für falsch halten.

Den Grand Prix in Berlin werde ich ignorieren, so gut es geht. Mir fällt es in diesen bedrückenden Wochen generell schon schwer, mich für Sport zu begeistern und Schachpartien zu verfolgen. Vom Grand Prix in Belgrad habe ich nichts mitbekommen außer dem Ergebnis, das mir zwangsläufig irgendwann auf Twitter begegnet ist.

Bild
Die DSB-Position vom 28. Februar hätte zum Berliner Grand Prix mit fünf Russen im Feld einen DSB-Präsidenten als Vorsitzenden des Schiedsgerichts, einen Grand-Prix-Hauptschiedsrichter aus den Reihen des DSB oder ein DSB-Rahmenprogramm unmöglich gemacht. Wenige Tage vor Beginn des Grand Prix änderte der DSB seine Position – klammheimlich. Eine Erklärung gab es nicht, und wer nur die DSB-Kanäle verfolgt, der muss annehmen, dass weiterhin gilt, was der Verband am 28. Februar in großen Lettern verkündet hat. Tatsächlich aber gilt jetzt etwas anderes. DSB-Präsident Ullrich Krause hat den Sinneswandel und die Erklärung dafür in einem Gespräch mit TV ChessBase versteckt. | via Deutscher Schachbund

Die erste Position des Deutschen Schachbunds war nah an der von „Athleten für Deutschland“ und lief der der FIDE zuwider. Dann rückte der FIDE-Grand-Prix in Berlin näher, und der DSB hat seine alte Position aufgegeben und eine neue in der Nähe der FIDE eingenommen. Was hältst du von diesem Hin und Her?

Gerade in solchen Fragen, wo es kein Schwarz und Weiß, kein Richtig und Falsch gibt, sind klare öffentliche Positionen heikel. Gleich zwei davon zu beziehen, ist eine erstaunliche kommunikative Leistung. Natürlich beneide ich Ullrich Krause nicht um seine schwierige Position, in der er rund um den Grand Prix Entscheidungen treffen muss. Aber wenn du erst ganz klar „A“ sagst und zehn Tage später ganz klar „B“, dann wirft das unvermeidlich Fragen auf.

Neben dem Hauptschiedsrichter Klaus Deventer werden wir einen zweiten Deutschen im Organisationsstab rund um den Grand Prix haben: Ullrich Krause hat die Entscheidung getroffen, beim Grand Prix den Vorsitz des Schiedsgerichts anzunehmen. Deine öffentliche Reaktion: „Kopfschütteln“. Warum schüttelst du?

Weil ich dieses Amt nicht angenommen hätte.

Du bist 2014 nach wenigen Tagen von einem FIDE-Amt zurückgetreten.

Das war kurz nach der Annexion der Krim, auch damals spielte die Frage nach der russischen Dominanz innerhalb der FIDE eine Rolle. Konkret ging es um pro oder contra Iljumschinow. Ich war beim FIDE-Kongress 2014 zum Kassenprüfer gewählt worden, eine Kampfabstimmung gegen die Präsidentin des US-Verbands. Mit dem Amt war ich aus sportpolitischen Gründen schon vor Ort in Tromsö nicht glücklich, aber ich wollte eine Eskalation in der deutschen Delegation vermeiden. Nach dem Kongress habe ich nach einigen Tagen intensiven Nachdenkens dann doch persönlich reagiert und mein Amt niedergelegt, bevor ich es hätte antreten müssen.

Sollte Arkady Dvorkovich 2022 als FIDE-Präsident wiedergewählt werden?

Von seiner Amtsführung, auch von manchen Inhalten bin ich angetan. Deutlich besser als viele Vorgänger. Das ist ein Pro-Argument. Aber ich muss auch zum Maßstab nehmen, worüber wir im Zusammenhang mit Sportlern schon gesprochen haben. Vor diesem Hintergrund würde ich mich freuen, wenn er sein Amt ruhen ließe und von einer erneuten Kandidatur absähe.

Wie sollte ein autoritäres Regime von jemandem profitieren, den es öffentlich als Verräter an der Nation gebrandmarkt hat? Wäre es nach der harschen Kreml-Reaktion nicht gerade jetzt angemessen, ihn wiederzuwählen?

Vielleicht, aber mir ist es zu früh, um in dieser Sache meine Meinung zu ändern. Bestimmt hat sich Dvorkovich eine gewisse Distanz zum Kreml aufgebaut. Ob das so bleibt? Ich weiß es nicht. Aktuell finde ich, dass die FIDE von jemandem mit einer anderen Nationalität geführt werden sollte. Ich weiß aber bisher nichts von einer Gegenkandidatur.

Dvorkovich in der Klemme: Der Journalist Peter Doggers hat den Stand der Dinge aufgearbeitet und diverse Stimmen von Verantwortlichen und Beobachtern eingeholt. | via chess.com

Sicher ist, die FIDE wird in diesem Jahr einen Präsidenten wählen. Der DSB blickt in diesem Zusammenhang auf eine eher unglückliche Geschichte zurück.

Ich hoffe sehr, dass wir beim Hauptausschuss im Mai eine Debatte darüber führen, wo wir als DSB stehen und was wir für richtig halten. Das Präsidium sollte sich ein Feedback einholen.

Das wäre neu. 2018 wurde niemand gefragt, nicht kommuniziert, und plötzlich stand in der Zeitung, dass der DSB die Präsidentschaftskandidatur von Georgios Makropoulos unterstützt.

Aus meiner langen DSB-Vergangenheit kenne ich die Grundhaltung, dass wir uns in den Jahren vor 2014 stets eine Alternative zu Iljumschinow gewünscht haben. Darüber musste nie breit debattiert werden, wir haben stets einvernehmlich diverse Gegenkandidaten unterstützt: Bessel Kok, Anatoli Karpow…

…hört, hört.

Ja, das erscheint heute in einem anderen und brisanten Licht. Jedenfalls ist der DSB-Kurs gegenüber der FIDE nie bei Kongressen oder ähnlichen Anlässen thematisiert worden. Jetzt, in dieser schwierigen geopolitischen und schachpolitischen Lage, hat die Wahl ein anderes Gewicht als in all den Jahren zuvor, sie wird auch auf größeres öffentliches Interesse stoßen. Darum wünsche ich mir, dass wir beim Hauptausschuss darüber reden. Alle Beteiligten sollten ein Meinungsbild erarbeiten.

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Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor

Ihr geht davon aus, dass er Deutsche Schachbund den Ausschluss russischer Spieler nicht nur fordern, sondern auch durchsetzen könnte – ist das der Fall? Es ist keine Veranstaltung des deutschen Schachbunds, sondern eine FIDE-Veranstaltung auf deutschem Boden. Möglich wäre: keine finanzielle Unterstützung für das Turnier, nun beträgt die nach meinem (Un)Wissen satte null Euro. Absage der kompletten Veranstaltung, da das Spiellokal nicht (mehr) zur Verfügung steht? Das hat meines Wissens niemand vorgeschlagen oder gefordert. Deutschland (nicht der Deutsche Schachbund) könnte die Teilnahme russischer Spieler verhindern, indem sie kein Visum erhalten. Natürlich könnte Ullrich Krause auf das bezahlte Ehrenamt verzichten, dann… Weiterlesen »

Gustaf Mossakowski
6 Monate zuvor
Reply to  Thomas Richter

Es gibt ein Ehrenamt. Es gibt einen bezahlten Job. Es gibt aber kein bezahltes Ehrenamt. Wir wollen hoffentlich nicht bei den verdrehten Begriffen der Fußballer landen.

Kommentator
Kommentator
6 Monate zuvor

Natürlich gibt es Ehrenämter, die bezahlt werden. Dieses Entgelt nennt man “Ehrenamtspauschale”.

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
6 Monate zuvor
Reply to  Thomas Richter

Der Ausrichter ist nicht die FIDE. Die FIDE kann Forderungen stellen, aber nichts durchsetzen, wenn es der Ausrichter nicht will. Wenn man Forderungen stellt, diese aber dann nicht durchsetzt, obwohl man könnte, dann ist das ein Armutszeugnis. Erst groß die Klappe aufreißen um dann einfach einzuknicken, das ist oberpeinlich, zumal es um Menschenleben geht. Ich finde das absolut verabscheuungswürdig. Bei der DSJ war man doch auch knallhart. Wobei da wäre es doch eher angebracht gewesen eine einvernehmliche Lösung zu suchen um den Schaden zu minimieren. Aber nein, da hat man sinnlos Porzellan zerschlagen. Und jetzt wo es wirklich um viel… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor
Reply to  Klaus Zachmann

Worauf stützt sich die kategorische Behauptung, dass FIDE nicht Ausrichter ist? Der Vergleich mag etwas hinken, aber: Münchner Jugendturniere sind oft in einer Schule im Stadtteil Neuperlach, Ausrichter ist dann nicht der (generell gar nicht vertretene) SK Neuperlach sondern die Münchner Schachjugend. Und auch wenn mal ein Verein Ausrichter oder Gastgeber ist, d.h. sein Spiellokal zur Verfügung stellt, kann nicht er einzelne Spieler oder gar einen ganzen Verein vom Turnier ausschließen, auch das wäre (mit Begründung) Sache der Münchner Schachjugend. FIDE muss Turniere “irgendwo” ausrichten, das Land Fidestan gibt es nicht.Für meine These spricht: Der Grand Prix wurde zur Elo-Auswertung… Weiterlesen »

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
6 Monate zuvor
Reply to  Thomas Richter

Wer dieses Turnier zur ELO-Auswertung einreicht, ist vollkommen uninteressant.
Entscheidend ist, wer das Hausrecht hat.

Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor
Reply to  Klaus Zachmann

Und wer hat das Hausrecht? Gespielt wird ja nicht im Friesenhaus in der Hanns-Braun-Straße (Geschäftsstelle des Deutschen Schachbunds), sondern in den Kaiserhöfen, Unter den Linden 26-30. Wer auch immer da das Hausrecht hat könnte wohl allenfalls die Veranstaltung komplett absagen (Mietvertrag kündigen, aber auch das wäre wohl nicht einfach) aber nicht einzelnen Personen den Zugang zum Gebäude verweigern.
Bzw. Deutschland, ausführend-kontrollierend der Zoll am Flughafen, hätte das Hausrecht in ganz Deutschland und konnte Russen Visa verweigern. Aber der Deutsche Schachbund konnte wohl gar nichts machen.

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
6 Monate zuvor
Reply to  Thomas Richter

Viele Worte um nichts.
Wer angemietet hat, der darf auch bestimmen wer rein darf.
Wenn die FIDE die Räumlichkeiten nicht angemietet hat, dann dürfen die nur fordern, aber nicht bestimmen.
Das ist doch recht einfach.

Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor
Reply to  Klaus Zachmann

Vielleicht. Aber es fehlt der Beweis, dass nicht FIDE sondern der Deutsche Schachbund die Räumlichkeiten angemietet, und jedenfalls diesen Teil der Turnierkosten übernommen hat.

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
6 Monate zuvor
Reply to  Thomas Richter

Das ist kein Problem, warten wir doch einfach auf die DSB-Erklärung, warum man die eigenen Forderungen in Berlin nicht durchsetzen konnte.

Silvio
Silvio
6 Monate zuvor
Reply to  Thomas Richter

Wenn man etwas nicht will, gibt es immer formale Gründe, die leider leider das Handeln verhindern. Man würde ja so gern, aber … Würdest Du Deine Argumentation auch einem Schachspieler sagen, der aus dem zu 90 % zerstörten Mariupol den Weg nach Berlin gefunden hat? Können Krause, Deventer, Meyer-Duncker & Co jetzt und zukünftig noch irgendwelche Werte verkünden, die man ihnen abnehmen oder gar glauben wirdt? Und Chessbase & Co schreiben wie immer und die “guten Schachfreunde” kommentieren wie immer und die Welt ist in Ordnung? Während keine 1.000 km entfernt Russland Kreg führt und uns gestern wieder mit dem… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor
Reply to  Silvio

Wer es aus Mariupol nach Berlin geschafft hat hat wohl andere Sorgen als die Teilnahme russischer Spieler an einem Schachturnier.

Die russischen Spieler haben sich wohl alle – mehr oder weniger deutlich, bzw. es wurde registriert oder eher nicht – gegen den Ukraine-Krieg ausgesprochen. Eine mögliche “Variante” wäre sogar, dass einer aus (berechtigter) Angst vor Folgen nicht nach Russland zurückkehrt, sondern in Deutschland politisches Asyl beantragt. Das sollte er dann aus meiner Sicht bekommen – ob derselbe oder ein anderer Spieler es nach dem Turnier in Belgrad im tendenziell pro-russischen Serbien bekommen hätte ist/war ein anderes Thema.

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[…] gesucht: Grand Prix in Berlin mit Vincent Keymer und fünf RussenKein Schwarz, kein Weiß, kein Richtig oder Falsch: Michael S. Langer im InterviewWM-Kandidat Richard Rapport (so gut wie)Ein bisschen solidarischKeine Russen in Berlin? 0 0 […]

Silvio
Silvio
6 Monate zuvor

Diesen Aussagen kann ich nur zustimmen. Es ist ein Trauerspiel (weil es Theater und Fensterreden sind), wie sich der DSB und der BSV jetzt positionieren und verhalten. Es ist empörend, dass jetzt, in dieser Zeit, fünf russische Großmeister ihr Geld in Berlin verdienen und in der russischen Öffentlichkeit gefeiert werden – gleich welche Stellung sie zum Krieg in der Ukraine beziehen bzw. veröffentlicht haben.und ob sie als “staatenlos” oder “FIDE” an den Brettern sitzen. Es ist beschämend für alle deutschen Schachspieler, die sich für die Ukraine und für Ukrainer sowie gegen den Krieg engagieren, was jetzt mit federführender Beteiligung des… Weiterlesen »

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
6 Monate zuvor
Reply to  Silvio

Das sehe ich auch so.
Endlich haben die mal etwas richtig gemacht und dann kippen die wieder um.

acepoint
acepoint
6 Monate zuvor

«Den Grand Prix in Berlin werde ich ignorieren, so gut es geht.»

Dito. Nicht, um jemanden vermeintlich abzustrafen, sondern eher aus «Selbstschutz». Angesichts der furchtbaren Bilder aus der Ukraine und der Verbrechen der russischen Armee an der Zivilbevölkerung kann ich aktuell weder russischen Spielern beim Schach zusehen, noch irgendwelche Worldchess-Sponsoren im Hintergrund ertragen.

Michael Woltmann
Michael Woltmann
6 Monate zuvor

Wenn man mal kurz das Schach beiseite lässt und überlegt, was gerade alles richtig und konsequent wäre, wird einem schlecht. Haben alle hier, die eine Gasheizung haben, diese schon ausgeschaltet? Ich vermute nicht. Ist man dafür, Gas woanders einzukaufen? Wahrscheinlich ja. Robert Habeck hat es in den letzten Tagen in Katar versucht. Kürzlich erst wollten viele dort aus moralischen Gründen nicht mal Fußball spielen. Tanken wir jetzt alle nicht mehr? Das Öl könnte aus Russland kommen. Oder kaufen wir es stattdessen lieber in Venezuela? Oder tüten wir schnell einen Atom-Deal mit dem Iran ein, damit man die Sanktionen lockern und… Weiterlesen »

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
6 Monate zuvor

Unsere Gasheizung habe ich mit den Überfall auf die Ukraine ausgeschaltet. Millionen Renter und gering Verdiener sofern nicht vom Amt unterstützt heizen nur noch punktuell. Es wird an allen Ecken und Kanten gespart ist ja nicht so als wenn die Energie nichts kostet. Den Gasofen habe ich auch rausgeschmissen und durch einen E-Herd teuer ersetzt. Hausverwaltungen kaufen kein Öl(2€/ ltr. und sagen den Mietern kauft euch einen Elektroheizer. Leider muss Herr Harbeck dank der Politik seiner Vorgänger diner machen gehen. bei anderen schrägen Vögel. Diese Politik der Abhängigkeit hat die Politik beschert hier kann man den kleinen Bürger nicht vorwerfen… Weiterlesen »

Michael Woltmann
Michael Woltmann
6 Monate zuvor

Ja, klar. Für die Abhängigkeit ist der kleine Bürger nur mittelbar qua Wahlentscheidung verantwortlich. Ich mache da ja auch keine Vorwürfe. Ich habe sowohl eine Gasheizung als auch einen Gasherd. Und beides läuft, auch wenn ich ständig an unseren ehemaligen Bundespräsidenten Gauck denken muss, der vor wenigen Tagen sagte, man könne für Freiheit ja auch mal frieren. Es geht mir um die Zerrissenheit. Es gibt keine Möglichkeit sich so zu verhalten, dass es unter allen Umständen moralisch korrekt ist. Das muss man akzeptieren und nicht Ulli Krause Vorwürfe machen, der genau in diesem Dilemma steckt. Manchmal kann man als Führungskraft… Weiterlesen »

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
6 Monate zuvor

Dass Dilemma einer Nation die gerade in Schutt und Asche gelegt wird, begleitet von den üblichen miesen Kriegsfolgen geht mir allerdings näher als das Dilemma eines Sportverband.

“Für die Abhängigkeit ist der kleine Bürger nur mittelbar qua Wahlentscheidung verantwortlich”
Naja man muss nur daran glauben aber so naiv sind selbst die kleinen Bürger nicht das man ihnen das einreden kann, darüber kann man trefflich und lange diskutieren aber nicht hier im Forum.

Gerhard Lorscheid
Gerhard Lorscheid
6 Monate zuvor

Spieler ukrainischer, russischer und weißrussischer Herkunft”
Wie geht man da vor? Lässt man sich den Stammbaum zeigen? Ab wie vielen Jahren Aufenthalt im Westen mit russischem Pass ist man befreit?
Irgendwie kommt mir das aus der deutschen Geschichte bekannt vor…
Ich denke die aktuelle Linie der FIDE ist gut durchdacht.

mathlog
6 Monate zuvor

Ich weiß nicht, von wo dieses angebliche Zitat stammen soll. Von Herkunft war eigentlich nie die Rede, noch nicht einmal von Staatsbürgerschaft, sondern es ging immer um die Föderation.

Gerhard Lorscheid
Gerhard Lorscheid
6 Monate zuvor
Reply to  mathlog

Einfach das Zitat kopieren, Ctrl-F aufrufen und die Frage ist beantwortet.
Ich habe kein Problem, dass Russland bei Teamwettbewerben gesperrt ist noch dass dies Karjakin traf. Hierbei muss man feststellen Karjakins Herkunft ist die Ukraine. Dies reicht um das Problem deutlich zu machen. Die Sache ist extrem komplex und viele Profis verdienen ihren Lebensunterhalt in der Grauzone und ich möchte nicht entscheiden wer dies darf und wer nicht..

mathlog
6 Monate zuvor

Das Beispiel Karjakin zeigt vor allem, dass es nie um die Herkunft ging. Und die Quelle für das Zitat habe ich immer noch nicht gefunden. Es hätte sicher Aufsehen erregt, wenn Spieler ukrainischer Herkunft gesperrt werden sollten.

Thomas Richter
Thomas Richter
6 Monate zuvor

Wenn man Karjakin selber fragt ist er ethnischer Russe von der Krim, die – seine Worte, nicht meine – vorübergehend Teil der Ukraine war und nun zu Recht und gemäß dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung (das mag sogar stimmen) wieder zu Russland gehört. Angesichts dieses Hintergrunds hatte ich, ohne sie zu teilen, immer Verständnis für seine politische Einstellung, nun nicht mehr. Auch in der Ostukraine ist vielleicht eine Mehrheit der aktuellen Bevölkerung pro-russisch – liegt dann aber auch daran, dass andere geflüchtet sind. Dass Russland (bzw. Putin, nicht klar und nicht herauszufinden, wie viele Russinnen und Russen hinter ihm… Weiterlesen »