Großmeisterin Jana Schneider!

Das Schach am Brett läuft wieder an, und sogleich steigt die Zahl der deutschen Titelträger. Jana Schneider ist jetzt Großmeisterin (WGM), Ruben Gideon Köllner, Julian Kramer und Leonid Sawlin sind IM, Lara Schulze ist WIM.

In zumindest zweien dieser Fälle wäre die finale Norm zum Titel viel eher gelungen, hätte sich nicht die 2019 begonnene Saison zur längsten der deutschen Schachgeschichte entwickelt. Bei Julian Kramer vom Hamburger SK zum Beispiel war das der Fall. Schon im Europacup der Vereine im März deutete er an, zu was er in der Lage ist. Es war vor allem FM Kramer, der seine Hamburger unter anderem mit einem Sieg über David Navara in die Endrunde der besten zehn Mannschaften katapultierte.

Zu diesem Zeitpunkt stand schon mehr oder weniger fest, dass ihm die ruhende Zweitligasaison die letzte noch nötige IM-Norm bescheren würde. Nur ruhte eben diese Saison, und so lange sie nicht beendet war, gab es keine Norm. Nun ist sie beendet, und Kramer hätte beinahe sogar eine GM-Norm erzielt. Am Ende fehlte ein halber Punkt.

Ganz so komfortabel war es für Jana Schneider in der Frauenbundesliga nicht. Am zweiten und ersten Brett für den SC Bad Königshofen musste während der Endrunde Anfang September in der letzten Partie ein voller Punkt her, und das mit Schwarz gegen die georgische WGM Lela Javakhishvili (Elo 2465). Jana Schneider machte nicht nur den Punkt, sie erzielte einen Glanzsieg, der ihre Liga-Performance über die für die Norm notwendige 2400 hob.

Damit hat sie wesentlichen Anteil am neuerlichen Titelgewinn des neuen Deutschen Mannschaftsmeisters der Frauen. Und sie machte sich mit dem Titel “ein persönliches Geschenk“, wie Schneider auf der Homepage ihres SC Bavaria Regensburg schrieb.

Jana Schneider blickt zurück auf ein überaus erfolgreiches Jahr, in dem sie im Sommer 2021 sogar den zweiten Platz in der deutschen Rangliste eroberte und im September den ersten World Cup ihres Lebens spielen durfte. Aber in Sotschi beim World Cup begann sie in einer kleines Leistungsloch zu fallen und aus den deutschen Top 10 noch dazu. Jetzt geht es wieder aufwärts für die zwölfte WGM, die in den Top 100 der aktiven deutschen Schachmeisterinnen zu finden ist.

IM Ruben Gideon Köllner bei der unlängst beendeten Europameisterschaft in Reykjavik. | Foto: Thorstein Magnusson/Reykjavik Open

Für Ruben Gideon Köllner waren keine Mannschaftskämpfe zu spielen, aber der junge Normjäger fand endlich wieder Rundenturniere. Beim Sportland-NRW-Cup, Teil der Dortmunder Schachtage,gewann Ruben Gideon mit 6,5 Punkten aus 9 Runden. Unter anderem ließ er Alexander Krastev oder den Großmeister Mihail Saltaev hinter sich.

Wenig später setzte der 16-Jährige noch eins drauf. Im dänischen Aarhus gewann er mehr als souverän ein Rundenturnier, das „Skolerness ChessHouse Sommerskak“. Sieben Siege, zwei Remis, eine gewaltige Ansage – und die dritte IM-Norm, die Köllner den IM-Titel bescherte

Sawlins großmeisterliche Performance

Berlin ist jetzt viel häufiger Schauplatz von Rundenturnieren jeder Spielstärkeklasse als jemals zuvor. Der Deutsche Schachbund plant eine Reihe von Normturnieren für Kaderspieler in der Hauptstadt (unlängst gab es obendrein eines in Baden-Baden, mehr dazu demnächst).

Solche Normturniere für seine Kader plant auch der der Berliner Verband, der außerdem die kaum Schachmeister anziehende Berliner Meisterschaft wieder zu einem Aushängeschild machen will. Dazu kommen die Grand-Prix-Turniere im Frühjahr 2022, Teil des WM-Zyklus, mit denen Berlin Magdeburg dessen ohnehin wackelnden Status als deutsche Schachhauptstadt zumindest streitig macht.

Das erste der Berliner Rundenturniere gebar sogleich einen neuen IM, Leonid Sawlin, einstiger U16-Europmeister (2015). Sawlin startete mit 7 Punkten aus 7 Partien und schlug schließlich bei 8/9 auf, Performance: 2639. Das war allein der Leistung nach gar großmeisterlich, nur erfüllte die Konkurrenz nicht die strengen Vorgaben, die es zu erfüllen gilt, um GM-Normen möglich zu machen. Mithalten konnte nur Steve Berger, der den IM-Titel bereits hat und mit seinen 7/9 dafür sorgte, dass der Kampf um den ersten Platz zumindest bis zur Vorschlussrunde offen war.

Um ordentlich im Bild zu sein, hatte Lara Schulze vor den Partien der Online-Olympiade einen Stuhl auf einen Tisch gestapelt und darauf ihr Laptop mit Zweitkamera gestellt. Das brachte ihr eine lobende Erwähnung auf der FIDE-Website ein. | Foto: privat

Fünfte in der Reihe der neuen Titelträger ist Lara Schulze, die sich bei der Europameisterschaft der Frauen den „WIM“ sicherte – und laut ihrem Blog vor er Frage stand, was dieser Titel wert ist. FM war Schulze ja schon, ist WIM besser als das? Diese Fragestellung soll zumindest aus Schulzes Perspektive bald bedeutungslos sein. Die 19-jährige Bremerin steht am Beginn eines Schachjahrs, in dessen Verlauf sie den WGM-Titel zu erringen hofft.

(Titelfoto: Deutscher Schachbund)

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