Känguru Keymer

Just Checking“ heißt das Format, das traditionell auf der letzten Seite der „New In Chess“ zu finden ist. Bekannte Figuren aus der Schachszene bekommen dort gut drei Dutzend Fragen gestellt, die sie möglichst kurz beantworten sollen. In der aktuellen Ausgabe 4/21 heißt der Befragte Vincent Keymer. Der gewährt die eine oder andere überraschende Einsicht.

Und er offenbart eine Schwäche des Formats: Nachfragen sind nicht vorgesehen, darunter die einfachste, wichtigste aller Nachfragen: „Warum?“ Und so bleibt leider offen, warum Vincent Keymer gerne ein Känguru wäre, dürfte er nicht er selbst sein. Offen bleibt auch die Frage, warum Wien seine liebste Stadt ist.

Auch in schachlicher Hinsicht müssen wir einmal nachfragen. Als beste von ihm gespielte Partie nennt Vincent Keymer seinen Sieg über Boris Gelfand auf der Isle of Man 2018, nach dem er auf dem besten Weg zu sein schien, noch vor seinem 14. Geburtstag die dritte GM-Norm zu erzielen (es hat dann doch nicht ganz gereicht):

Nun drängt sich die Nachfrage auf, ob diese Einschätzung noch Bestand hat. Unlängst bei der World-Cup-Qualifikation (wahrscheinlich nach dem „Just Checking“ gespielt) ist Keymer ja dieses Meisterwerk gelungen, dem zur Perfektion nur das richtige Ergebnis fehlt:

Wir erfahren, dass Vincent Keymers früheste Schacherinnerung mit Helmut Pfleger zu tun hat, mit dessen Videoserie über die schönsten Partien der Schachgeschichte nämlich. Den meisten Einfluss hatte nach Keymers Selbsteinschätzung aber jemand anderes: Garry Kasparow mit seiner My-Great-Predecessors-Serie.

Das Beste, das je über Schach gesagt wurde? Keymer findet es im Zitate-Schatz, den Emanuel Lasker hinterlassen hat: „Ohne Fehler keine Brillanz.“ Den besten Ratschlag, den er je bekommen hat, ordnet Keymer keinem Autoren zu:

„Besser scheitern als es nicht einmal versuchen.“

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