Wettstreit der Schacherklärer

Alexander Donchenko steht als erster deutscher Teilnehmer des Banter-Blitz-Cups 2021 fest. In seinem Auftaktmatch der Vorrundengruppe B trifft der Gießener am Dienstag, 8. Juni, auf den französischen Großmeister Yannick Gozzoli.

Im Finale der Premiere des Cups vor einem Jahr besiegte der iranische Youngster Alireza Firouzja den Weltmeister Magnus Carlsen mit 8,5:7,5, der Auftakt einer Rivalität dieser beiden in den schnellen Disziplinen, die beide seitdem pflegen. Aber in diesem Jahr werden sie nicht im Finale aufeinandertreffen. Es wird gar kein K.o.-Finale geben, stattdessen ein Rundenturnier vom 7. bis 10. Juli mit den Siegern der Vorrundengruppen.

Wer diese Sieger sind, klären die 64 Teilnehmer ab dem heutigen Freitag in acht achtköpfigen Vorrundengruppen. Gespielt wird Blitz 3+2 mit der Auflage für jeden Spieler, die Partien möglichst in seiner Muttersprache live zu kommentieren. Schon im vergangenen Jahr war Alexander Donchenko bei dieser Gelegenheit als jemand aufgefallen, der eloquent, instruktiv und gewürzt mit einer Prise Selbstironie durch seine Partien zu führen vermag.

Allerdings war für Donchenko schon in der zweiten Runde Endstation. Gegen den indischen Youngster (und Online-Schach-Spezi) Nihal Sarin ließ er zu viele Chancen liegen. In diesem Jahr wird Donchenko spätestens im Finale seiner Vorrundengruppe eine hohe Hürde überwinden müssen. Dort wartet voraussichtlich der vietnamesische 2700er Quang Liem Le.

Als großer Schacherklärer aufgefallen war im vergangenen Jahr auch Vincent Keymer, der die Leichtigkeit, die sein Spiel häufig auszeichnet, trefflich aufs Erklären desselben zu übertragen vermag. Um dem erfolgreichen ersten Banter-Blitz-Cup möglichst bald etwas Ähnliches folgen zu lassen, erfand chess24 die „Banter Series“. Keymer ebenso wie Matthias Blübaum erreichten dort im September 2020 das Finale ihrer Vorrundengruppe. Keymer unterlag dem Inder Narayanan, Blübaum besiegte den US-Amerikaner Andrew Tang.

schachnews: Der Banter Blitz Cup kehrt zurück! Mit der Chance auf ein  goldenes Tour-Ticket | chess24.com

Auch Blübaums Match-Sendungen waren instruktiv und unterhaltsam. Er konnte seine Widersacher auf dem Brett noch so sehr dominieren, Blübaum ließ kein gutes Haar an seinem Spiel: „Grässlich“, „schrecklich“, „peinlich“ fand er seine Züge, während er Gegner um Gegner besiegte – ein Indiz für die unbedingte Objektivität und Fähigkeit zur Kritik am eigenen Tun, die erforderlich sind, um ein Großmeister mit 2700-Potenzial zu werden.

Weil Blübaum und Keymer in den vergangenen Monaten immer wieder Teil des chess24-Programms waren, dürfen wir davon ausgehen, dass sich der Veranstalter um ihre (auf Anfrage dieser Seite noch nicht bestätigte) Teilnahme zumindest bemüht, wahrscheinlich auch um Niclas Huschenbeth als eines der bekanntesten deutschen Schachgesichter. Huschenbeth war im vergangenen Jahr in der Banter Series gegen Keymer ausgeschieden:

Keymer vs. Huschenbeth aus Keymers Perspektive.

Allerdings drohen 2021 Terminkollisionen angesichts des in der zweiten Jahreshälfte dicht gepackten Schach-Terminkalenders. Vincent Keymer hat zwischen Banter Blitz und Dortmunder Schachtagen obendrein das zweite Turnier von Magnus Carlsens Challenger-Tour zu absolvieren, die „Gelfand Challenge“, die in einer Woche beginnt. Am 10. Juli, dem letzten Banter-Finaltag, beginnen der World Cup (Blübaum) und die Dortmunder Schachtage (Keymer). Chess24 teilt auf Anfrage mit, der Zeitplan fürs Finale sei im Hinblick auf andere Veranstaltungen flexibel gestaltet, sodass Teilnahmen hier wie dort zumindest möglich sein sollten.

Mitspielen darf jeder: 300 Euro Startgeld

Neben einem 17.000-Dollar-Preisfond winken den beiden Gewinnern des Banter-Blitz-Cups Tickets für hochdotierte Vergleiche mit der Weltklasse. Der Sieger kann entscheiden: Entweder er spielt am 13./14. Juli in San Fermin (Spanien) das „San Fermin Mundial K.o.“, den dem unter anderem Magnus Carlsen teilnimmt. Dieses Turnier wird in das Festival eingebettet sein, das die traditionelle Stierhatz in San Fermin ersetzt. bereits gesetzt. Alternativ kann der Erstplatzierte des Banter-Cups an einem Turnier seiner Wahl der „Metwalter Champions Chess Tour“ teilnehmen. Der Zweiplatzierte bekommt das andere Ticket.

Wie im vergangenen Jahr ist der Banter-Blitz-Cup kein reines Einladungsturnier. Bekannte Schachgesichter mit großmeisterlicher Spielstärke sind aufgefordert, dem Ausrichter zu signalisieren, dass sie mitspielen möchten. Und auch Teilnehmern mit Ottonormalspielstärke steht eine Teilnahme offen. Wer mitspielen möchte, muss nichts weiter tun, als sich für 300 Euro ein Ticket zu kaufen.

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