Freitagabendunterhaltung in Deizisau

Wer an einem Freitagabend eine Gruppe junger Männer und Heranwachsender einlädt, um sie bei freier Kost und Logis zu bewirten, der muss damit rechnen, dass die Angelegenheit exzessiv endet, dass eines oder womöglich alle Mitglieder dieser Gruppe über die Stränge schlagen. Bei der jungen Bundesligamannschaft der Schachfreunde Deizisau ist das nicht anders. Das hat jetzt Peter Leko im Chess24-Livestream zum Tata Steel Chess berichtet.

Bevor es am Samstag und Sonntag an die Bretter geht, treffen sich die Deizisauer Bundesligarecken am Freitagabend zum gemeinsamen Essen. Gesprochen wird natürlich über – Schach. Bald wird ein Mitglied der Runde den anderen eine knifflige Studie zum Lösen präsentieren. Und dann noch eine. Und dann noch eine und so weiter bis tief in die Nacht.

Speziell seine Mannschaftskameraden Alexander Donchenko und Vincent Keymer entwickelten bei dieser Form der Freitagabendunterhaltung Ehrgeiz, berichtete Leko. Wer löst es eher, wer ist schneller? „Alexander liebt es, Studien zu lösen, und er ist sehr gut darin.“

Eine teuflische Falle

Nun sind die Schachfreunde Deizisau gewiss eine Mannschaft aus dem oberen Drittel der Liga, aber bei weitem keine, die immer gewinnt. Und so habe Teamchef Sven Noppes seiner Großmeistergarde nach Niederlagen nahegelegt, doch bitte nicht schon am Freitagabend alle Kraft und Energie in den teaminternen Lösewettbewerb zu investieren. Die Mannschaftskämpfe in der Liga seien wichtiger.

Beim Tata Steel Chess hat Donchenko jetzt von seiner Liebe für das Lösen von Studien profitiert. Gegen Radoslaw Wojtaszek hatte er nämlich eine Endspielstudie auf dem Brett. Seine Fähigkeit, eine studienartige Wendung aus der Ferne zu erspähen, nutzte Alexander, um dem polnischen 2700er eine teuflische Falle zu stellen:

Ein Übersehen? Eine Einladung? Kann denn Schwarz nicht 45… Lf1 spielen, sich h3 abholen und dann seinen h-Bauern laufen lassen?
Ein Klick auf „Play“ offenbart, was passiert wäre, hätte Wojtaszek sich auf 45… Lf1 eingelassen.

Wojtaszek schluckte den vergifteten Köder nicht. Die Partie endete remis, für Donchenko das zweites Remis aus der Position der Stärke in Folge. Der Deutsche bleibt mit 1/4 am Tabellenende, hat aber in das Turnier hineingefunden und hält Anschluss ans untere Mittelfeld.

Am heutigen Mittwoch ist Ruhetag. Am Donnerstag ab 14 Uhr erwartet Donchenko die härteste Aufgabe, die es im Schach gibt: schwarz gegen Magnus Carlsen.

Bericht zur vierten Runde bei chess.com.

(Titelfoto © Jurriaan Hoefsmit – Tata Steel Chess Tournament 2021)

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