Anish Giri: „Meinen Weg zum WM-Match sehe ich vor mir.“

Anish Giri ist nicht ins Kandidatenturnier durchmarschiert, im Gegenteil. Wäre nicht der Rating-Spot frei geworden, nachdem Ding Liren das Finale des World Cups erreicht hatte, Anish Giri hätte zuschauen müssen.

Nun steckt er sich das einzig mögliche Ziel für ein Turnier, bei dem einer den ganz großen Preis gewinnt und die anderen sieben in die Röhre gucken: WM-Herausforderer werden. „Ich kann das schaffen“, sagte Giri im Gespräch mit der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant.

Trotz der großen Aufgabe vor ihm hat er nicht erwogen, sein Heimatturnier in Wijk an Zee abzusagen. Dort ist Anish Giri nach dem Rückzug von Ian Nepomniachtchi („Diva“) nur noch einer von zwei WM-Kandidaten. Der andere ist Fabiano Caruana, der vor zwei Jahren in Wijk eine desaströse Vorstellung ablieferte – und danach Herausforderer von Magnus Carlsen wurde.

„Ein Traum würde sich erfüllen“: Auf Twitter duelliert sich Anish Giri im Wochentakt mit Magnus Carlsen, nun würde er gerne ein WM-Match gegen ihn spielen. || Foto: Alina l’Ami/Tata Steel Chess

Anish Giri über…

…sein 2019

Der Grand Prix war eine Katastrophe, aber ich habe meine Ziele erreicht. In Shenzen habe ich endlich ein Top-Turnier gewonnen, das war  auch ein mentales Problem. Ähnlich wie bei MVL, der immer neue Chancen verpasste, sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Durch so etwas entstehen Barrieren im Kopf.

…Eröffnungsgeheimnisse vor dem Kandidatenturnier

Es kann auch helfen, bestimme Sachen nicht offenbaren zu wollen. In Wijk möchte ich Plan B spielen, manchmal ist das besser als Plan A, wie ich mehrfach beim Schnellschach festgestellt habe. Ich bin gespannt, wie weit ich mit diesem Ansatz komme. Wenn Carlsen und Caruana ihren Plan A gegen meinen Plan B spielen, wird es wahrscheinlich schwierig.

…die Option, Wijk abzusagen

Das habe ich nicht einen Moment erwogen. Wijk aan Zee kann ich nicht überspringen, für mich ist dieses Turnier eine Art Weltmeisterschaft. Außerdem kann ich mit einem Sieg in der Weltrangliste von 9 auf 4 steigen.

…die Absage von Ian Nepomniachtchi

Ein Rückzug in letzter Minute, seltsam. Typisches Divaverhalten. Er will zeigen, wie besonders er ist.

…den Computer als Trainingswerkzeug

In der Weltspitze macht immer mehr die Vorbereitung den Unterschied. Die Computer werden immer stärker, das verändert die Zusammenarbeit mit ihnen. Ideen von 2016 heute ungeprüft anzuwenden, wäre naiv. Sogar tausendfach gespielte Varianten unterliegen wegen des Fortschritts der Maschinen einem Wandel.

…die Vorbereitung aufs Kandidatenturnier

Ich will der am besten vorbereitete Spieler sein. Mit meinem Sekundanten Erwin L’Ami und einigen Helfern werden wir im Februar an einem warmen Ort ein Trainingslager absolvieren. Wo genau und mit wem genau, möchte ich nicht verraten.

…die Perspektive, WM-Herausforderer zu werden

Ein Match gegen Carlsen – für mich würde sich ein Traum erfüllen. WM-Herausforderer sein, um den Titel spielen, dieser Schritt wäre so groß, das lässt sich nicht in Preisgeld oder Elopunkten ermessen. Ich weiß, dass Caruana, Ding und Nepomniachtchi als Favoriten gelten. Aber ich weiß auch, was ich besser kann als meine Gegner. Meinen Weg zum Match sehe ich vor mir. Es wird sehr gut laufen müssen, aber ich kann das schaffen.

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