Zum Tode von Pal Benkö

Pal Benkö war schon fast zwei Wochen tot, gestorben in Budapest im Alter von 91 Jahren, da widmete ihm der zweitbeste Spieler der Welt eine besondere Hommage, ein Benkö- oder Wolga-Gambit, wie es die Welt und selbst der Erfinder der Eröffnung nie gesehen hatte. „Ein perfektes Benkö-Gambit sogar mit dem Turm auf b8“, sagte Fabiano Caruana nach einem fast mühelos vorgetragenen Schwarzsieg gegen keinen Geringeren als Ex-Weltmeister Garry Kasparov beim Schach960-Schaukampf in Saint Louis.

„Ein perfektes Benkö-Gambit“: Kasparov versus Caruana, Chess960, Saint Louis 2019.

Pal Benkö war einst selbst Weltklasse, auf dem Weg zur Weltmeisterschaft sogar, aber vor dem WM-Zyklus 1969-72 zog er zurück, um dem 15 Jahre jüngeren Bobby Fischer den Weg zum Schachthron freizumachen. Schon 1959 und 1962 war er WM-Kandidat gewesen, hatte aber jeweils mit den vorderen Plätzen beim Kandidatenturnier nichts zu tun. „Ich hätte auch dieses Mal keine Chance gehabt“, sagte Benkö 1970.

Handgreiflichkeiten mit dem jungen Fischer

Später sollte er einer der wenigen Menschen sein, zu denen Fischer ein vertrauensvolles Verhältnis aufrecht hielt. Bis zu Fischers Tod telefonierten sie regelmäßig. Keine Spur von den Handgreiflichkeiten, die während des Kandidatenturniers 1962 zwischen den beiden ausgebrochen waren, als Fischer darauf bestand, alleine die Hilfe des von der US-Föderation entsandten Arthur Bisguier in Anspruch nehmen zu dürfen.

Wegbegleiter und Vertraute über Jahrzehnte: Pal Benkö (2.v.l.) schaut dem jungen Bobby Fischer über die Schulter.

Pal Charles Benkö kam am 15. Juli 1928 in Frankreich während einer Urlaubsreise seiner ungarischen Eltern zur Welt. Schach lernte er als Achtjähriger von seinem Vater, begann aber erst nach dem Krieg mit 17, das Spiel zu studieren. Und wurde rasant besser. Mit 20 gewann er die ungarische Meisterschaft.

Bereits 1952 qualifizierte er sich erstmals für das Interzonenturnier, konnte aber nicht mitspielen, weil er im Gefängnis saß. Während eines Turniers in Berlin hatte er versucht, in den Westen zu fliehen, wurde gefasst und verbrachte 16 Monate hinter Gittern.

1957 kehrte er dem Osten endgültig den Rücken, setzte sich im Mai während des Zonenturniers in Dublin ab, reiste selbstständig nach Reykjavik zur Studentenweltmeisterschaft, suchte die US-Botschaft in Island auf und bat um Asyl. Er ließ sich in den USA nieder und wurde schließlich US-Staatsbürger. Seine finalen Jahre verbrachte er in der alten Heimat in Budapest.

Die Polgars und Peter Leko gingen durch seine Schule

In den USA wurde Benkö rasch zur Schach-Institution, gefürchtet als Spieler, der in jedem US-Turnier Kandidat für den Sieg war und oft gewann, unter anderem acht Mal die offene US-Meisterschaft. Auch seine Studien gewannen manchen Preis. Obendrein erarbeitete er sich bald einen Ruf als führender Endspiel-Experte. Über Jahrzehnte lief seine Kolumne „Das Endspiel-Labor“ im Magazin des US-Verbands. Neben dem Spieler, dem Komponisten und Endspielfachmann ist der Trainer Pal Benkö zu nennen. Die Polgar-Schwestern gingen ebenso durch seine Schule wie Peter Leko.

Pal Benkö kurz vor seinem Tod mit Susan Polgar in Budapest. (Foto: Susan Polgar/Twitter)
Pal Benkö hätte es womöglich besser gefallen, wenn statt einer Eröffnung ein Endspiel nach ihm benannt worden wäre.

Der Eröffnungsexperte Pal Benkö bleibt ohnehin unvergessen, dafür sorgt das nach ihm benannte Gambit. Das hatte tatsächlich weltweit Wolga-Gambit geheißen, aber nachdem Benkö es in den 60er- und 70er-Jahren wieder und wieder spielte und mit mancher Idee bereicherte, wurde aus „Wolga“ „Benkö“.

Vielleicht hätte es ihm besser gefallen, wäre eine Endspieltechnik nach ihm benannt worden? Endspiele mochte er besonders, daraus hat Pal Benkö nie ein Hehl gemacht. „Das Endspiel repräsentiert die reinste Form des Schachs“, hat Benkö gesagt. „Seine Theorie ist ewig, sie ändert sich nicht wie die der Eröffnung. Ich glaube, dass Eröffnungstheorie kein richtiges Schach ist.“

(Dieser Text erschien zuerst in der Septemberausgabe der „RochadeEuropa“)

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