Dortmund ohne Kramnik, mit Pähtz, Wagner und Rochade

Die Sparkasse Dortmund hat ihre Unterstützung für die unverändert nach ihr benannten Dortmunder Schachtage “erheblich gekürzt”. Das teilte Veranstaltungssprecher Patrick Zelbel auf Anfrage dieser Seite mit. Die Folge ist ein kleineres Budget als in den vergangenen Jahren. Daraus wiederum folgt, dass die Veranstalter vom Verein “Initiative Pro Schach” (IPS e.V.) das Programm umgebaut und ihren Fokus verschoben haben. Einiges ist neu, darunter der Veranstaltungsort.

Was bleibt, sind die beiden großen Open im Programm der “Sparkassen Chess Trophy” mit leicht reduziertem Preisfonds von 20.000 Euro (Vorjahr: 25.000) und das B-Open mit reduzierter Rundenzahl (7 statt 9, nach Angaben der Ausrichter auf Wunsch vieler Teilnehmer). Wie gehabt, wird das A-Open sehr stark besetzt sein und wahrscheinlich zu einem Fixpunkt im Kalender heimischer Nationalspieler und -spielerinnen werden. Die Anmeldung ist offen. Frederik Svane und Dmitrij Kollars sind schon angemeldet, ebenso der Inder Leon Luke Mendonca, der unlängst das “Challengers” in Wijk an Zee gewonnen hat.

Alexander Donchenko vs. Frederik Svane – gut möglich, dass dieses Duell auch 2024 in Dortmund ausgetragen wird. Für alle, die Schach fotografieren oder mit Schachfotos arbeiten, hat der Umzug weg aus den Westfalenhallen den Vorteil, dass ab sofort die Bilder aus Dortmund nicht mehr in pinkem Licht entstehen.

Erstmals wird das zentral gelegene Kulturzentrum Alte Schmiede zum Ausrichtungsort und das gut fünf Kilometer entfernte Intercity-Hotel für die Dauer des Festivals zum Schachhotel. Das zum Kulturzentrum umgebaute ehemalige Industriegebäude sei als Spielort sehr gut geeignet, Hotel wie Schmiede seien vielversprechende neue Partner, teilt Zelbel mit.

Werbung

Das Supergroßmeisterturnier, in dem Schach ohne Rochade gespielt wird, fällt weg, und damit Vladimir Kramniks Anwesenheit. Öffentlich wird das keiner der Organisatoren sagen, aber diese überfällige Veränderung gleicht einem Befreiungsschlag. Kramnik war in erster Linie Ballast, No-Castling-Schach auch.

Schach ohne Rochade, ein spannender, letztlich erfolgloser Versuch, Anfang 2021 erstmals angekündigt.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Festhalten am zunehmend sonderbaren Exweltmeister Diskussionsstoff geboten, der der Veranstaltung eher nicht dienlich war. Schachtage-Chef Carsten Hensels Solidarität mit seinem alten Wegbegleiter mag verständlich sein, ehrenwert sogar, aber für das Schachfestival im Ruhrgebiet ist es ausschließlich gut, diese pikante Verbindung zu kappen.

Das gilt auch fürs Schach ohne Rochade, das interessant zu verfolgen ist und zu scharfen Partien auf unerforschtem Gebiet führt, aber nie Anhänger gefunden hat. Seit der Premiere vor drei Jahren war stets das Dortmunder Festival der einzige No-Castling-Termin im Schachkalender. Während immer mehr Spitzengroßmeister das Ende des klassischen Schachs auf dem Elitelevel nahen sehen, ist nie ein Wettbewerb darum entstanden, was die Alternative sein wird. 960 hat sich kampflos durchgesetzt. No Castling hat verloren, ohne je ein ernsthafter Herausforderer gewesen zu sein.

Elisabeth Pähtz vs. Dinara Wagner – eine interessantere Paarung für ein Match gibt es nicht im deutschen Schach.

Ein gutes Händchen haben die Ausrichter bei der Organisation einer Alternative für das Super-GM-Turnier bewiesen. Solange die Ablösung auf dem ersten Platz der deutschen Rangliste der Frauen in der Schwebe ist, gibt es im deutschen Schach kein interessanteres Match als Elisabeth Pähtz (39) vs. Dinara Wagner (24). In der Live-Rangliste war Wagner schon kurzzeitig vorbeigezogen, aber in den FIDE-Monatsranglisten steht seit mehr als 18 Jahren Pähtz vorne, aktuell acht Elopunkte vor Wagner. Nun sollen beide in Dortmund in einem Sechs-Partien-Match die Hackordnung klären – spannend.

Eine pikante Konstellation bringt auch dieses Match mit sich. Nicht lange her, da war auf dem Höhepunkt der DSB-Leistungssportkrise der damalige DSB-Leistungssportreferent Andreas Jagodzinsky der einzige Funktionär, der bei der öffentlich um sich tretenden Pähtz einer Botschafterin des Sports angemessenes Benehmen anmahnte – vergebens und ein Bumerang noch dazu. Sogleich wurde Jagodzinsky zum Ziel des Pähtzschen Furors, auch seine gänzlich unbeteiligte Gattin bekam ihr Fett weg.

Als Elisabeth Pähtz allerhand Schlechtes über Andreas Jagodzinsky zu erzählen hatte und es jemand ungeprüft veröffentlichte.

Nun wird Jagodzinsky als Turnierdirektor das Match zwischen der deutschen Nummer 1 und der 1b leiten.

3.4 19 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

12 Comments
Most Voted
Newest Oldest
Inline Feedbacks
View all comments
Hallorenkugel
Hallorenkugel
1 Monat zuvor

Ich misstraue Sätzen mit den Worten “immer mehr”. Darauf folgt meist einfach so dahinbehaupteter Quatsch.

Das Ende des klassischen Schachs dürfte trotz reichlich anderslautender, wodurch auch immer motivierter, Propaganda noch eine Weile auf sich warten lassen.

Und dass so manch einer Elisabeth Pähtz nicht mag, ist auch nicht neu. Ich mag sie auch nicht. Aber ich könnte trotzdem neutral über sie schreiben.

Martin Hahn
Martin Hahn
1 Monat zuvor

„ Während immer mehr Spitzengroßmeister das Ende des klassischen Schachs auf dem Elitelevel nahen sehen, ist nie ein Wettbewerb darum entstanden, was die Alternative sein wird. 960 hat sich kampflos durchgesetzt.“
Auf die Elite (oder zumindest Magnus) mag diese Wahrnehmung momentan möglicherweise zutreffen. 

Und vielleicht liege ich ja komplett falsch in meiner Einschätzung, aber in meinem (Nicht-Elite-) Schachumfeld hat nahezu niemand das Schach-960-Top-Turnier in Weissenhaus wirklich verfolgt. 

Wie oft schon wurde über das Ende des klassischen Schachs geunkt (zu Zeiten Capablancas, oder zuletzt bei mehreren 20-zügigen Remispartien bei der WM 2004 Kramnik-Lékó)…

Konrad Lemke
Konrad Lemke
1 Monat zuvor

Es ist schon traurig, dass so sehr Sie es auch versuchen, es Ihnen einfach nicht gelingt, mal einen “Pähtz”Artikel zu verfassen, der nicht klar hervorhebt, wie groß ihre Abneigung zu sein scheint. Das Match ist ein erfreuliches Ereignis, alles andere aus der Vergangenheit einfach unnötig. Und Dinara Wagner im Übrigen ist die Nummer 2. 1b o.ä. zeigt abermals, dass Sie von objektiven Journalismus recht wenig verstehen, zumal Sie es nicht einmal vermocht haben, über die erst kürzlich erzielte Bronzemedaille unserer Deutschen Rekordspielerin zu berichten.

Exilant
Exilant
1 Monat zuvor

Fein herausgearbeitete Brisanz zum Wagner-Pähtz-Match 🙂
Wer sich die Besetzung mit welchem Ziel wohl ausgedacht hat? “Hände reichen”? “Pähtz entthronen”? Die Perlen-Kundschaft darf gespannt sein.

Andererseits könnte man ja was die Person des Turnierdirektors angeht auch mal einen Blick nach “Südwestfalen” wagen.