Hessische Hochbegabung

Sponsoren seien gesucht, “um Christians Talent weiter optimal fördern zu können”, schreibt Thomas Pähtz auf dem Schach-Ticker. Der Trainer des Ausnahmetalents Christian Glöckler (und Vater von Elisabeth Pähtz) sieht eine Verbindung zwischen der DSB-Finanzkrise und den fehlenden Mitteln für das Fördern außergewöhnlicher Begabungen. Christians Vater Jens hat ein Spendenkonto eingerichtet, außerdem sei ein Förderverein in Gründung.

Wie sich Christian Glöckler mit einem Sieg in der Vorschlussrunde der Deutschen Meisterschaft U12 einen Punkt Vorsprung vor dem Feld erkämpfte und schon fast den Titel unter Dach und Fach brachte.

Der Deutsche Meister U12 Christian Glöckler, seit Neuestem FIDE-Meister, gehört zwar zum kleinen Kreis derjenigen Hochbegabten, die eine Sonderförderung des Verbands bekommen, aber der DSB sei “aufgrund der finanziellen Situation im Leistungssport derzeit nicht in der Lage”, Christian “weiterhin optimal” zu fördern, schreibt Thomas Pähtz. Zuletzt habe die Familie jährlich etwa 10.000 Euro investiert, damit Christian, begleitet von Vater oder Mutter, zu Turnieren im In- und Ausland reisen kann und schachlich adäquat betreut wird.

Zwischen Christian Glöcklers erstem Turnier im klassischen Schach Mitte 2021, der hessischen Qualifikation zur Deutschen Jugendmeisterschaft, und dem FM-Titel lagen zwei Jahre. Zusammen mit dem gleichaltrigen Lippstädter Wunderknaben Hussain Besou weckt Glöckler die Hoffnung, dass der Jahrgang 2011 ein ganz besonderer sein könnte. Die beiden jüngsten deutschen FIDE-Meister sind auch im globalen Maßstab Spitzenklasse.

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Beinahe wäre Christian Glöckler nicht beim Schach geblieben, jedenfalls nicht bei dem Schach, wie es traditionell gespielt wird. Nachdem ihm sein Vater einen Lichess-Account angelegt hatte, um das Interesse des Jungen am Schach zu wecken, entdeckte Klein-Christian auf Lichess die Variante “Atomic”, Atomschach. An regulärem Schach war er wenig interessiert. Das änderte sich anfangs nicht, nachdem Vater Glöckler sich, Christian und dessen zwei Geschwister beim SC Königsflügel Lindenholzhausen angemeldet hatte.

Als Christian Glöckler sich gegen seinen Mentor “Rudi” Schäferbarthold im Kampf um die Blitz-Vereinsmeisterschaft in Lindenholzhausen durchsetzte.

Im Kontext von Christian Glöcklers famosem Aufstieg hat Schachdeutschland jetzt schon Anlass, Königsflügel-Mitglied Rudolf Schäferbarthold dankbar zu sein. Mit dem “älteren und geduldigen Vereinskollegen Rudi”, von dem Pähtz berichtet, dürfte eben dieser Schäferbarthold gemeint sein. Und der war laut Pähtz der einzige Spieler in Lindenholzhausen, der gelegentlich Atomschach mit dem jungen Neuzugang spielte. Letztlich sei es Schäferbarthold gewesen, der den Atomschachfreund Christian Glöcker zum regulären Schach bekehrte.

Nachdem Christian Glöckler Deutscher Meister U12 geworden war, stand tags darauf gleich der nächste Wettbewerb an: die hessische Meisterschaft im Zweier-Prellball. | Foto: Paul Meyer-Dunker/DSB
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[…] seinen Auftaktsieg über Bundesligaspieler IM Nikolas Wachinger gewann die hessische Hochbegabung Christian Glöckler (11) den Preis für die beste Partie der ersten […]

Chris
Chris
8 Monate zuvor

Wenn man jährlich so viel Zeit und Geld in Schach investiert, ist es kein Wunder, dass er sich so verbessert.
Talent haben viele, die finanziellen Mittel eben nicht. Training mit Kasparov sagt ja schon alles.

Last edited 8 Monate zuvor by Christian